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Eine Kämpferin für die Rechtschreibung

Karin Hechler (63) ist Deutschlehrerin. Sie leitet die Schillerschule, eine von Frankfurts Schulen, die am Diktatwettbewerb teilnehmen. Mit ihr hat Thomas J. Schmidt über die Orthografie und ihre Probleme gesprochen.
Karin Hechler Karin Hechler

KARIN HECHLER: Gemessen an den 60er Jahren ist es deutlich schlechter geworden. Es gibt dafür klare Hinweise. Es gibt keinen fehlerfreien Aufsatz mehr, auch nicht bei den besten Schülern. Das war früher anders. Wir sind nicht zufrieden mit dem, was auch gute Schüler in Deutsch erbringen.

Was sind die Gründe für diese Schwächen?

Der Bruch kam in den 70er Jahren. Damals hieß es, Inhalte seien wichtiger als die Form. Die Rechtschreibung wurde als formale Keule angesehen. Dann kam die Verunsicherung durch die Rechtschreibreform und deren erneute Korrektur. Zuletzt senkt der informelle schriftliche Austausch via Twitter die Hemmschwelle. Man hat keine Angst mehr vor Fehlern. Das geht mir auch so.

Was sind die beliebtesten Fehler?

Wann schreibt man Verben getrennt, wann zusammen? "Sitzen bleiben" und "sitzenbleiben" etwa. Die Großschreibung nach unbestimmten Zahlwörtern - wie "etwas Schönes" - funktioniert nicht mehr. Das war vor der Rechtschreibreform eindeutig besser.

Was tut die Schillerschule dagegen?

HECHLER: Wir haben unter anderem auf der Homepage eine Liste der häufigsten Fehler zusammengestellt. Wer sich daran hält, vermeidet 80 Prozent der Fehler. Die Sprachförderung ist Aufgabe aller Fächer. Es gibt mehrere Sprachfördergruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Schreiben Sie auch Diktate?

HECHLER: Ja. Aber man merkt immer wieder: Für gutes Schriftdeutsch braucht man eine lange Übungsphase. Diese Übungszeit ist mit G8 stark beschränkt, die Zeit ist einfach nicht mehr da.

Erfüllen die Grundschulen ihre Aufgaben?

HECHLER: Also, manchmal glaube ich nicht, was ich sehe. Da gibt es Pädagogen und Wissenschaftler, die kommen auf die Idee, die Kinder sollten anfangs so schreiben, wie sie es hören, also etwa "deutsch" mit "oi". Die Grundschulen übernehmen das. Ich halte es für mehr als problematisch, dass die Kinder dann alles wieder umlernen müssen und gar nicht mehr wissen, was richtig ist.

Wie wichtig sind die Lehrer?

HECHLER: Die Lehrer sind entscheidend. Wenn ein Lehrer davon überzeugt ist, dass sich hinter den Regeln die Schönheit und Logik der Sprache manifestiert, wenn die Lehrer selbst davon begeistert sind und es den Schülern gut erklären, dann merkt man schnell Fortschritte.

Fehlen diese Lehrer?

HECHLER: Naja, viele Lehrer, auch Deutschlehrer, wissen selbst nicht mehr so ganz genau, wo Kommas hingehören und wo nicht. Sie sind auch verunsichert durch die Rechtschreibreform. Viele nehmen es auch gar nicht so genau und übersehen Fehler. Ganz schlimm ist, wenn der eine Lehrer streng ist und dann gibt es bei der Klassenarbeit nur wegen der Rechtschreibung zwei Punkte Abzug, beim anderen Lehrer ist das anders. Das verstehen die Schüler nicht.

Ist es denn so wichtig, auf Kommasetzung zu achten, auf "s" und "ss", Groß- und Kleinschreibung und all auf das, was mit dem Inhalt des Geschriebenen ja gar nichts zu tun hat?

HECHLER: Kommunikation gelingt nur, wenn klare Regeln gelten. Wir lesen heute so viel - den ganzen Tag über Text, Text, Text. Nie wurde so viel gelesen wie heute, selbst wenn es nur Twitter und Facebook ist. Da ist es auch eine Frage der Rücksichtnahme gegenüber dem Leser, so zu schreiben, dass er beim Lesen nicht dauernd über Fehler stolpert. Nicht zuletzt gehen viele Türen im Berufsleben zu, wenn man zu viele Fehler schreibt.

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