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Die Heimatsiedlung wird 90 Jahre alt: Eine Oase hinter „Stadtmauern“

Sie steht unter Denkmalschutz, bietet rund 3000 Menschen ein Zuhause und gilt auch heute noch als Vorbild für modernes Bauen: die vor 90 Jahren errichtete Heimatsiedlung in Sachsenhausen. Mit einem Mieterfest feiert die Nassauische Heimstätte heute den Geburtstag der Wohnanlage.
Mieter Hans Landvogt schätzt das multikulturelle Miteinander. Foto: Leonhard Hamerski Mieter Hans Landvogt schätzt das multikulturelle Miteinander.
Sachsenhausen. 

Hans Landvogt kam vor 20 Jahren aus der Wetterau nach Frankfurt und fand am westlichen Rand Sachsenhausens eine neue Heimat. „Ich möchte hier nie mehr wegziehen“, sagt der 57-jährige Frührentner. „Obwohl die Innenstadt nah und die Versorgung gut ist, lebt man hier wie auf dem Dorf: Die Nachbarn reden miteinander, man hilft sich. Und es ist sehr grün, eine richtige Oase in der Großstadt.“

Mieterfest zum Geburtstag

Heute um 14 Uhr beginnt das Mieterfest zum 90. Geburtstag der Heimatsiedlung. Bis 18 Uhr können Besucher in die Geschichte der Großsiedlung eintauchen, bei einer Führung das Quartier erkunden

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Hans Landvogt schwärmt von der Heimatsiedlung. So heißt die von den späten 1920ern bis in die frühen 1930er Jahre zwischen Bahndamm, Stresemannallee und Mörfelder Landstraße erbaute Wohnanlage, die heute unter Denkmalschutz steht.

Zeugnis des Aufbruchs

Sie sei ein Zeugnis der Aufbruchsstimmung des „Neuen Frankfurt“ unter dem damaligen Stadtbaurat Ernst May, sagt Constantin Westphal, Geschäftsführer der Nassauischen Heimstätte, der die Siedlung inzwischen gehört. Sie entstand als westlicher Teil der von May und seinen Mitarbeitern entworfenen Siedlung Riedhof. Für die Heimatsiedlung selbst war der Frankfurter Architekt Franz Roeckle verantwortlich. Sein ursprünglicher Entwurf sah 850 Ein- und Mehrfamilienhäuser vor. Da wegen der 1929 einsetzenden Wirtschaftskrise aber kleine und preiswerte Wohnungen gefragt waren, wurden letztlich mehr als 1000 Wohneinheiten gebaut, 50 davon waren Einfamilienhäuser.

Die viergeschossige Randbebauung entlang der Bahnlinie wirkt wie eine mittelalterliche Stadtbefestigung. Dieser Siedlungsrand ist über Brückenbauten mit den streng parallel angeordneten, dreigeschossigen Wohnzeilen im Innern verbunden. In der Siedlung gibt es ausschließlich Einbahnstraßen, die in den Heimatring oder in die Stresemannallee münden. Die Mehrfamilienhäuser an der Stresemannallee rahmen die Zugänge zu den Wohnstraßen ein und wirken fast wie Tore. „Die Heimatsiedlung wirkt in ihrer Geschlossenheit als Stadt in der Stadt“, schreibt Brigitte Dippold-Theile in einer von der Ernst-May-Gesellschaft veröffentlichten Broschüre.

Innerhalb der „Stadtmauer“ prägt ein unverwechselbarer städtebaulicher Grundriss das Bild der Heimatsiedlung: „schnurgerade bis zu 250 Meter lange Häuserzeilen mit ihren immer gleichen strengen Fassaden“, so Dippold-Theile. Vorspringende, durchlaufende Glasveranden verstärkten diesen Eindruck noch.

Zwischen den Häuserreihen entstanden etwa 30 Meter breite Außenräume und damit viel Platz für das von Mietern wie Hans Landvogt gelobte Grün. Jede Straße trägt den Namen einer anderen Baumart, die dort gepflanzt ist. Der 57-Jährige etwa wohnt „Unter den Akazien“. Hinter seiner Erdgeschosswohnung hat er einen kleinen Garten, von dem auch seine türkischen und pakistanischen Nachbarn profitieren: „Ich gebe ihnen Kräuter, dafür bekomme ich manchmal etwas ab, wenn sie gekocht haben.“

Prominenter Mieter

Hans Landvogt schätzt das multikulturelle Miteinander. Aber er sagt auch: „Das Wohnungsamt muss darauf achten, dass die Mischung weiterhin stimmt, damit die Heimatsiedlung nicht zum Ghetto wird.“ Denn die Wohnungen werden inzwischen nur noch als Sozialwohnungen vermietet. Die Einfamilienhäuser wurden hingegen ab 1976 privatisiert. „Hier ziehen in den letzten Jahren wieder verstärkt die jungen Familien des Mittelstands ein, für die die Heimatsiedlung ursprünglich gebaut wurde“, schreibt Dippold-Theile. Mit dem 1979 gestorbenen Schauspieler und Entertainer Peter Frankenfeld lebte einige Jahre lang auch ein prominenter Mieter in der Heimatsiedlung.

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