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Berühmter australischer Organist kaufte das Instrument: Eine Orgel auf Weltreise

Von Die Klänge der Westhausener Orgel ertönen künftig nicht mehr im Frankfurter Nordwesten, sondern in Australien, genauer der Stadt Melbourne. Dorthin wurde das Instrument verkauft. Spielen wird es auf der anderen Seite der Welt eine Berühmtheit: der Konzertorganist Thomas Heywood.
Diese gebrauchten Musikinstrumente verkaufte die Gemeinde Westhausen auf einem Flohmarkt. Foto: Leonhard Hamerski Diese gebrauchten Musikinstrumente verkaufte die Gemeinde Westhausen auf einem Flohmarkt.
Westhausen. 

Wo die Orgel aus Westhausen aktuell ist, das weiß niemand so genau. Vielleicht in einem Container im Hafen? Es könnte aber auch sein, dass sie bereits auf ein Schiff verladen wurde und längst über den Ozean geschippert wird. Sicher ist jedoch: Sie steht nicht mehr im Gemeindehaus an der Kollwitzstraße. Denn das Instrumente wurde verkauft. An Thomas Heywood, einen bekannten Konzertorganisten aus Australien.

7550 Euro hat der Musiker aus Melbourne für die Orgel, die ein Werk des Orgelbauers Eberhard Friedrich Walcker ist, auf den Tisch gelegt. „Für uns ist es eine Wertschätzung, dass die Orgel bei solch einem tollen Organisten Anklang gefunden hat und ihr künftig auf der anderen Seite der Erdkugel Töne entlockt werden“, ist Dr. Claudia Heuser-Mainusch, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, begeistert, dass das Instrument von keinem Unbekannten erworben wurde.

5000 Werke im Repertoire

Denn in Australien ist der 1974 geborene Heywood nicht nur eine echte Berühmtheit, sondern zudem der erste australische Organist, der sein Hobby auch zum Beruf gemacht hat. Mehr als 5000 Werke umfasst sein Repertoire, über 1,2 Milliarden Kilometer ist er durch die Welt gereist und hat in fast jedem Zipfel der Erde bereits Konzerte gegeben. „Es ist wahrlich ein erhebendes Gefühl, dass solch eine Persönlichkeit sich dazu entschieden hat, unsere Orgel zu kaufen“, feut sich Claudia Heuser-Mainusch.

Die Gemeinde hatte das Instrument auf der Internetseite www.gebrauchtorgel.de angeboten, nachdem sich beim Räumungsflohmarkt im Juni (wir berichteten) kein Abnehmer gefunden hatte. Schnell gab es zwei Interessenten – ein portugiesisches Paar von den Azoren und eben Thomas Heywood. Letzterer kam allerdings nicht persönlich vorbei, sondern schickte ein deutsches Paar als Vermittler. Dieses spielte dann die Orgel, filmte das Ganze und schickte die Aufnahmen dann nach Australien. Thomas Heywood war sofort begeistert. „Ich habe schon lange nach einer passenden Orgel gesucht, die ich im Haus aufstellen kann. Walcker ist einer der berühmtesten und feinsten Firmen in der Geschichte des Orgelbaus“, freut er sich, schon bald solch ein Instrument zu besitzen.

Am 30. August wurde die Orgel in Westhausen auseinandergebaut, in Kisten verpackt, auf den Lastwagen und schließlich in Container verladen. Anfang November, so schätzt Heywood, wird das Instrument bei ihm ankommen. Im Januar soll ein englischer Orgelbauer es wieder zusammensetzen. Dann wird es Heywood als sogenannte „Übeorgel“ dienen. Denn das mechanische Instrument ist für Heywood ein musikalischer Volltreffer: Mit ihm kann er fast sein komplettes Repertoire samt ganzer Beethoven-Symphonien spielen.

Kompaktheit war wichtig

„Es war nicht einfach eine Orgel zu finden, deren Pfeifenhöhe in einen australischen Standardraum passt. Denn die Decken sind bei uns nicht unendlich hoch“, war für den Musiker zudem die Kompaktheit der Orgel ein ausschlaggebendes Argument, um das Paar von den Azoren zu überbieten.

Auf Heywoods Terminplan stehen in den nächsten Wochen und Monaten viele Konzerte und Aufzeichnungen. „Die Frankfurter können also sicher sein, dass die Orgel in ihrem neuen Zuhause in den nächsten Monaten intensiv bespielt werden wird“, verspricht er.

Das freut vor allem die Gemeinde Hausen. Nicht nur, weil die Orgel „einen tollen neuen Besitzer“ gefunden hat, sondern auch weil der Erlös von 6921,08 Euro – so viel blieb abzüglich der Provision für die Online-Anzeige übrig – in die Kasse des Räumungsflohmarktes fließt. Rund 10 000 Euro wurden somit insgesamt eingenommen, der Erlös kommt einem Fahrdienst zugute, den die Gemeinde einrichten will. Denn mit der Schließung des Gemeindehauses in Westhausen findet der Gottesdienst künftig nur noch in Alt-Hausen statt – bislang wechselte der Ort im Zwei-Wochen-Rhythmus.

„Wir möchten so vor allem den älteren Westhausenern ermöglichen, den Gottesdienst weiterhin zu besuchen“, erklärt Claudia Heuser-Mainusch. Durch den Verkauf des Interieurs habe man nun eine gute finanzielle Basis, auf die man jetzt weiter aufbauen könne.

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