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Frankfurter Vereine: Eine Sportmesse für Flüchtlinge

In der Fechenheimer Fabriksporthalle haben sich etwa 100 Geflüchtete über Sportangebote informiert. Anlass war eine Messe, zu deren Organisatoren der Sportkreis Frankfurt zählt. Sport gehört zu den wichtigsten Integrationshelfern, davon zeigen sich die Messemacher überzeugt.
Die 24 Jahre alte Sophie Kirchhoff zeigt Aliakbar Faizi, wie man sich bei der Sportart Calesthenics bewegt. Die 24 Jahre alte Sophie Kirchhoff zeigt Aliakbar Faizi, wie man sich bei der Sportart Calesthenics bewegt.

Mit seiner Mutter ist Aliakbar Faizi vor zwei Jahren aus Afghanistan in die Türkei geflüchtet. Dort trennten sich ihre Wege, weil beide sich verschiedenen Schleusern anvertrauten. Der 17-Jährige lebt seit dem vergangenem Jahr allein in Bundesrepublik Deutschland, kommt dafür nach eigenen Worten aber gut zurecht. Als einen der Hauptgründe für Aliakbars Einleben in die deutsche Gesellschaft nennt er den Sport: Er kickt in einem Schwanheimer Fußballverein, hat dort Freunde gefunden, die ihm auch bei Problemen mit der Bürokratie helfen.

Reger Austausch

Weil Aliakbar seine Freizeit wegen der positiven Effekte noch stärker mit Sport füllen möchte, ist er heute in die Fechenheimer Fabriksporthalle gekommen. Der Sportkreis Frankfurt veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt Frankfurt und dem Programm „Integration durch Sport“ der Sportjugend Hessen seine zweite „Info-Messe Sport“. Vereine, Initiativen und Trägereinrichtungen sind gekommen, um sich darüber auszutauschen, wie der Sport bei ihnen als Integrationsbeschleuniger wirkt. Geflüchtete wie Aliakbar können sich über Frankfurter Sportangebote informieren.

Der junge Afghane versucht sich gerade in Calesthenics, einer Kraftsportart mit traditionellen Übungen wie Liegestützen und Klimmzügen, bei denen nur das eigene Körpergewicht benutzt wird. Sophie Kirchhoff von der freien Sportgruppe „Main Calesthenics“ instruiert Aliakbar und erzählt, wie die Kraftsportler seit zwei Jahren dazu beitragen, Geflüchtete in Deutschland zu integrieren: „Es kommen immer wieder Menschen zu uns, die geflüchtet sind. Auch Events speziell für Geflüchtete fanden bei uns schon statt.“

Cricket in Goldstein

Menschen, die aus Mittelasien geflohen sind, finden besonders schnell beim Cricketspielen Anschluss in der Bundesrepublik. Usman Khalid (29) ist in Deutschland aufgewachsen und hat beim Verein Heisenrath Goldstein im Frankfurter Stadtteil Goldstein mitgeholfen, eine Cricket-Abteilung aufzubauen. Er stammt aus Indien, wo die Sportart ebenso beliebt ist wie in Afghanistan, Pakistan, Sri Lanka und Bangladesch.

„Fünf Flüchtlinge, die aus jenen Ländern kamen, spielen bei uns“, erzählt Khalid. Siraj Ud Din, der neben ihm steht und im letzten Jahr aus Pakistan nach Deutschland kam, fühlt sich in Frankfurt erst einigermaßen zu Hause, seit er Cricket spielen kann. Positive Nebeneffekt seiner Vereinszugehörigkeit: Andere Mitglieder des Sportvereins helfen Siraj dabei, Deutsch zu lernen und sich mit den Behörden „herumzuschlagen“.

Es wird auch Hockey gespielt, geboxt und Bogen geschossen in der Fabriksporthalle. Fußball, dafür braucht es nicht viele Fantasie, ist die beliebteste Sportart unter Geflüchteten. „Fußball und Fitnessstudios kennt jeder. Wir möchten heute zeigen, was es in Frankfurt sonst noch für Sportangebote gibt“, hebt Sportkreis-Mitarbeiter Thomas Kimmig hervor, der die „Info-Messe Sport“ auf die Beine gestellt hat.

Gut 5000 Geflüchtete

Kimmig schätzt, dass rund zehn Prozent der über 5 000 in Frankfurt registrierten Geflüchteten in Vereinen in der Mainmetropole Sport treiben. Ziel der Info-Messe ist es daher auch, den mitunter mitgliedsarmen Vereinen in Frankfurt zu Neueintritten zu verhelfen. Bei der zweiten Info-Messe werden 18 Sportarten präsentiert, mehr als bei der ersten Auflage, mehr Vereine und Initiativen als beim ersten Mal sind vor Ort. Am Ende kamen etwa 100 Geflüchtete, um sich zu informieren,

In den Vereinen gibt es aber Handlungsbedarf, wie Sportkreis-Chef Roland Frischkorn erklärt: „Oft fehlt es an der interkulturellen Kompetenz, also Kenntnissen über die Kultur der Geflüchteten und deren Situation. Als Dachorganisation der Frankfurter Vereine möchte wir diese dahingehend unterstützen.“

Weibliche Geflüchtete sind kaum vertreten in der Fabriksporthalle. Ob dies kulturelle oder andere Gründe hat, vermag Thomas Kimmig nicht zu sagen, gibt aber zu verstehen, dass man bei der nächsten Info-Messe den Fokus verstärkt auf weibliche Geflüchtete legen wolle.

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