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Eine Treppe wird zur Stolperfalle

Von Für die Bewohner der Lübke-Siedlung ist die große Freitreppe eine Fehlplanung. Stufen und Rampe sind nicht erkennbar, lauten die Hauptkritikpunkte. Für ABG-Chef Frank Junker ist das nicht nachvollziehbar. Schließlich sei die Treppe von der Bauaufsicht so abgenommen.
An dieser Treppen in der Lübke-Siedlung scheiden sich die Geister. Die Vorschriften wurden beim Bau zumindest eingehalten	Foto: Rüffer An dieser Treppen in der Lübke-Siedlung scheiden sich die Geister. Die Vorschriften wurden beim Bau zumindest eingehalten Foto: Rüffer
Praunheim. 

Wer die Heinrich-Lübke-Siedlung in Richtung U-Bahn-Haltestelle verlässt oder den im Dezember eröffneten Rewe-Markt besucht, kommt nicht an der großen Freitreppe vorbei. Sie verbindet nicht nur die Ludwig-Landmann- mit der Heinrich-Lübke-Straße, sie soll zudem die sonst recht abgeschottete Siedlung zum restlichen Stadtteil öffnen. Das tut sie nach Sicht der Bewohner allerdings nicht. Im Gegenteil. „Das ist keine Treppe, das ist ein Kunstwerk, in die ein paar Stufen und eine Rampe integriert wurden. Das ist nicht schön, sondern gefährdet unsere Gesundheit“, kritisieren nun die in der Lübke-Siedlung lebenden Menschen.

Ende vergangenen Jahres wurde die große Freitreppe eingeweiht. Schön und edel sieht sie tatsächlich aus, die Verbindung von Heinrich-Lübke-Straße und Quartierszentrum. In die dunkelgrauen Stufen integriert ist eine breite Rampe für Rollstuhlfahrer, Rollatoren oder Kinderwagen. Allerdings läuft diese nicht am Rand entlang, sondern zieht sich über Kurven durch die gesamte Treppenanlage. Und kreuzt so unweigerlich die Stufen. Fußgänger stehen so plötzlich auf der Rampe, während der Rollstuhlfahrer auf einmal einem Fußgänger begegnen. „Zudem lässt sich die Rampe nur schwer erkennen. Besonders schwierig ist es, den Weg hinab zu finden“, kann Fred Illenberger, Vorsitzender des Siedlervereins Praunheim, über die Planungen nur den Kopf schütteln.

Suche nach dem Weg

Schon kurz nach der Einweihung der Treppe habe es kleinere Unfälle gegeben, woraufhin sich Illenberger schriftlich an die ABG Frankfurt Holding, die Eigentümerin der Lübke-Siedlung, wandte. Die Antwort meint Illenberger, sei eine Frechheit gewesen und fasst den Inhalt des Schreibens so zusammen. „Die Treppe erfülle die baurechtlichen Vorgaben, sei so abgenommen und freigegeben. Kleine Anfangsschwierigkeiten würden sich mit der Zeit legen.“ Dass das nicht so sei, zeige ein Besuch der Heinrich-Lübke-Siedlung. Immer wieder gebe es Menschen, die oben oder unten an der Treppe stehen und verzweifelt nach dem rechten Weg suchen. „Ein Hervorheben der Rampe, mit Farbe oder einem Geländer, würde schon viel helfen“, schlägt Illenberger vor.

Volle Unterstützung erhalten Fred Illenberger und die Bewohner der Lübke-Siedlung von Hans-Jürgen Sasse (SPD). „Ich habe mich selten so unwohl auf einer Treppe gefühlt, wie auf dieser“, kann der Politiker aus dem Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) der Kritik nur zustimmen. Ganz schlimm sei es nachts, wenn die Treppe von den unten installierten Strahlern beleuchtet wird. Dann sehe man nur noch eine glatte Fläche und keine Stufen mehr. „Ich bin ja auch schon über 50 und werde so langsam gebrechlich“, übt er sich in Galgenhumor. Solch ein Treppe helfe im Alter sicher nicht weiter. „Das ist ein absolute Fehlplanung“, findet Sasse klare Worte.

Vorschriften eingehalten

ABG-Chef Frank Junker bleibt trotz der kritischen Worte recht entspannt. Von Unfällen auf der Treppe habe er zudem „nichts gehört“. Vielmehr erklärt er, dass man sich bewusst für eine Treppe mit integrierter Rampe entschieden habe. „Die Treppe sollte barrierefrei werden, so ist es gut gelöst worden“, sagt Junker, der sich selber ein Bild von der Situation gemacht hat. „Man erkennt die Rampe klar und deutlich, es gibt also keinen Grund, dort etwas zu ändern.“ Zumal die Bauaufsicht die Treppe nach DIN-Norm gebaut und von der Bauaufsicht abgenommen worden sei. „Alle Vorschriften wurden eingehalten, ich sehe keine Probleme auf uns zukommen“, sieht Frank Junker der Kritik gelassen entgegen.

Seit 2011 wird die in den 1970er-Jahren erbaute Heinrich-Lübke-Siedlung für 113 Millionen Euro saniert. Die Arbeiten in den Höfen 1 und 3 sind bereits abgeschlossen, in Hof 2 laufen die letzten Arbeiten. Die Modernisierung der Höfe 4 und 5 sollen Ende 2015 beendet sein. Ebenso wie die Parkgarage, die mit Bambusstäben und Metallstäben aufgehübscht wird. „Spätestens Anfang 2016 wird die Lübke-Siedlung in neuem Glanz erstrahlen“, verspricht ABG-Chef Junker.

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