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Rundgang mit Katharina Schaaf: Eine Zeitreise durch Rödelheim

Von Mit einer Menge Geschichtswissen und viel Humor führte die Historikerin und Schauspielerin Katharina Schaaf durch die Geschichte des Stadtteils. Dafür schlüpfte sie in die Rolle eines Offiziers des 19. Jahrhunderts.
Für die Stadtführung spielte Katharina Schaaf einen Offizier des 19. Jahrhunderts. Foto: Holger Menzel Für die Stadtführung spielte Katharina Schaaf einen Offizier des 19. Jahrhunderts.
Rödelheim. 

„Früher sah das alles hier anders aus. Und vor allem klangen die Züge noch anders, wenn sie mit 30 Kilometern pro Stunde von Frankfurt über Rödelheim in den Taunus fuhren“, berichtet Katharina Schaaf am Startpunkt ihrer Stadtteilführung am Bahnhofsvorplatz. Auf alten Bildern zeigt sie den Bahnhof, der früher noch als Backsteingebäude den Platz dominierte, in Zeiten als die Züge noch dampften – und nicht piepten.

Für ihre geschauspielerte Führung, bei der sie am Sonntagnachmittag über 70 geschichtsbegeisterten Besuchern ein anderes Bild des Stadtteils präsentierte, schlüpfte sie in die Rolle von Johann Konrad Friedrich, einem Offizier aus der Napoleonischen Armee. Der war nach Frankfurt gekommen, in der Hoffnung sich am Main auch als Schriftsteller und Verleger einen Namen machen zu können. Er landete dort, „wo es schöner war“: in Rödelheim.

 

Wichtiger Verkehrsknoten

 

Von hier berichtete er in seinen Memoiren von etlichen historischen Personen und Begebenheiten aus längst vergangenen Zeiten. Zeiten, in denen Rödelheim noch ein Schloss hatte, der Kaufmann Georg Brentano noch lebte und der Charakter Rödelheims noch ein ganz anderer war: „Hier florierte in früheren Jahrhunderten die Gastronomie, denn Rödelheim war schon damals Verkehrsknotenpunkt am Rande der Stadt. Die Frankfurter, die in den Taunus fuhren, nahmen hier noch eine Stärkung zu sich.“

Von dieser Zeit ist wenig übrig geblieben. Und genau darum ist es wichtig, der Geschichte Leben einzuhauchen. Das macht Schaaf, die aus einer alten Rödelheimer Familie stammt, inzwischen anhand von 28 Rollen realer und fiktiver Frankfurter Persönlichkeiten, denen sie ihre Stimme, ihren Körper und vor allem ihre Mundart verleiht. Denn auch wenn die studierte Geschichtslehrerin im Anschluss ans Studium an der Goethe-Universität Schauspiel in London studiert hat: Sie ist und bleibt ein „hessisch Mädsche“.

 

Erinnerung an Tante Toni

 

An viele Dinge, die sie erzählt, erinnern sich einige Rödelheimer noch selbst. Zum Beispiel an die Geschichte von „Tante Toni“, deren Familie ein Lebensmittelgeschäft im Ortskern betrieb, als der Zweite Weltkrieg ausbrach und von Laden und Haus kaum etwas übrig ließ. Als die große Traube vor dem Gebäude, in dem sich das Geschäft früher befand, Halt macht, liest Katharina Schaaf aus einem Brief vor, den Toni ihrer Schwester aufs Land schickte. „Sei froh, dass du dir das Elend nicht ansehen musst“, schreibt sie sinngemäß. „Rödelheim ist sicher zu drei Vierteln zerstört, von Frankfurt selbst ist gar nichts mehr übrig“. Da nicken einige Rödelheimer, die als Kinder in der Nachkriegszeit in der Schlossruine spielten, bevor das ausgebrannte Gebäude eingerissen wurde. Sie haben Toni noch vor Augen.

Armin Kroneisen, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, der die Führung veranstaltet hat, freute sich sehr über den guten Zuspruch, den der Stadtteilspaziergang von den Zuschauern erhielt. „Bei so einem Erfolg wird das sicher nicht die letzte Veranstaltung ihrer Art sein.“ Und auch Katharina Schaaf will unbedingt weitermachen. Ihr macht es Spaß, Geschichte und Geschichten in ihrer Fantasie lebendig zu machen.

Auch eine Geschichte aus ihrer eigenen Familie erzählt Schaaf: Ihre Urgroßmutter verlor in den 1920er-Jahren ihr Haus bei einer Versteigerung – und steigerte es kurzerhand zurück. Um das zu bezahlen, machte sie sich zur Berühmtheit und baute in ihrem Garten in der damals noch landwirtschaftlichen Gemeinde Erdbeeren an, mit denen sie Kunden wie das Café Hauptwache belieferte. „Die waren berühmt“, hatte man Schaaf immer wieder berichtet und sie weiß es weiterzuerzählen, als wäre sie selbst einmal quer durch die Zeit gereist.

Ihre nächste Zeitreise durch Rödelheim plant die Historikerin und Schauspielerin für Sonntag, 19. September ab 15 Uhr. Treffpunkt ist am Bahnhofsvorplatz. Die Teilnahme kostet 5 Euro.

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