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Nach dem Umbau gibt es im „Saasfee*“-Pavillon ein festes Programm: Eine kunstvoll aggressive Performance

Von Der „Saasfee*“-Pavillon im Hinterhof der Bleichstraße 64–66 ist ein architektonisches Kleinod aus den frühen 1970er Jahren. Seit 2008 ist das Gebäude ein Ort für multimediale und performative Kunst. Das Programm organisiert ein Künstlerkollektiv.
Annette Abel, Moni Friebe und Tae-Ry Park (von links) vom „Saasfee*“-Künstlerkollektiv zeigen, wie es geht: Mit Boxhandschuhen trainieren sie im „Red Roses Club“, den die Künstlerin Sonja Yakovleva als Installation im „Saasfee*“-Pavillon aufgebaut hat. An vier Terminen hat sie dort zum „Aggro-Fit-Training“ eingeladen. Foto: Heike Lyding Annette Abel, Moni Friebe und Tae-Ry Park (von links) vom „Saasfee*“-Künstlerkollektiv zeigen, wie es geht: Mit Boxhandschuhen trainieren sie im „Red Roses Club“, den die Künstlerin Sonja Yakovleva als Installation im „Saasfee*“-Pavillon aufgebaut hat. An vier Terminen hat sie dort zum „Aggro-Fit-Training“ eingeladen.
Innenstadt. 

Fitness-Studios nur für Frauen betrachtet Sonja Yakovleva kritisch. Für die Künstlerin, die in Frankfurt lebt und arbeitet, sind die nach Geschlechtern getrennten Studios kein Ausdruck von weiblicher Emanzipation. Vielmehr verdeutlichen sie für Yakovleva das Ausmaß verbaler oder körperlicher Diskriminierung von Frauen. Statt weiblicher Offensive sieht die Künstlerin hierin Orte von Kapitulation und Rückzug, in denen mit Kursen wie Bauch-Beine-Po oder Zumba versucht wird, den eigenen Körper nach einem männlichen Schönheitsideal zu formen.

„Aggro-Fit-Kurs“

„Red Roses Club“ nennt sie ihr Werk – eine Kombination aus Installation und performativer Inszenierung, das aktuell in den Räumen des „Saasfee*“-Pavillons aufgebaut ist. Auf den ersten Blick ist die Arbeit einem Fitness-Studio nachempfunden. Autoreifen sind übereinandergestapelt und teils mit Ketten an der Decke des Raumes befestigt, ähnlich einem Boxsack.

Autoreifen sind ein Teil der Installation. Sie sind mit Gesichtern bemalt, auf die beim „Aggro-Fit-Training“ mit Boxhandschuhen eingeprügelt wird. Bild-Zoom Foto: Heike Lyding
Autoreifen sind ein Teil der Installation. Sie sind mit Gesichtern bemalt, auf die beim „Aggro-Fit-Training“ mit Boxhandschuhen eingeprügelt wird.

Mit Boxhandschuhen oder einem Holzstock kann auf die Reifen eingeprügelt werden, teils auch auf Gesichter, die darauf aufgemalt sind. Das Werk ist eine Anregung zur Selbstreflexion – in der Performance oder im „Aggro-Fit-Kurs“, für den sich Interessierte zu Beginn der Ausstellung anmelden konnten, wird es belebt. Der „Red Roses Club“ lädt zu einer aktiven Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konventionen ein.

Der „Saasfee*“-Pavillon liegt ein wenig abseits des Publikums- und Straßenverkehrs, der sich täglich seinen Weg auf oder entlang der Bleichstraße sucht. Versteckt im Hinterhof der Hausnummer 64–66 steht das architektonische Kleinod, das Anfang der 1970er Jahre erbaut wurde. Seit 2008 wird der Ort vom Künstlerkollektiv „Saasfee*“ bespielt. Seit dieser Zeit heißt das Gebäude in Anlehnung an das Kollektiv „Saasfee*“-Pavillon. In der Vergangenheit war jedoch immer nur eine temporäre Nutzung möglich.

Das hat sich vor Kurzem geändert. In dem Pavillon, der zum Gebäudekomplex des 1972 erbauten Hochhauses am Turm gehört, war früher unter anderem einmal ein Rechenzentrum untergebracht. Die Architektur des Pavillons spricht auch den Hessischen Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) an, der dort auf seiner Sommer-Tour Halt macht. Er lässt sich von den beiden Mitgründern des „Saasfee*“-Kollektivs, Moni Friebe und Alex Oppermann, das Gebäude zeigen und das Konzept erklären.

Dauerhafte Nutzung

Die Entscheidung dafür, dass das Gebäude dauerhaft als Ort für multimediale und performative Kunst genutzt werden kann, fiel im vergangenen Jahr. Nach einem umfangreichen Umbau inklusive Brandschutzmaßnahmen, die unter anderem durch die Dr. Marschner- und die Hessische Kulturstiftung mit finanziert wurden, eröffnete der Pavillon vor kurzem wieder neu – dieses Mal mit einem festen Programm für junge, kreative Prozesse.

Diese gehen weit über traditionelle Formen der Kunst hinaus. Beispielsweise in Form von Programmierungen wie die audiovisuelle Installation „byrd“ deutlich macht. Seit der Wiedereröffnung ist die Arbeit im Eingangsbereich des Pavillons installiert. Konzipiert wurde sie von Oppermann in Zusammenarbeit mit Maciej Medrala, Al Dhanab und Patrick Raddatz. Auf den ersten Blick ist „byrd“ eine Art abstraktes Bild in Rautenform, das permanent sein Aussehen wechselt. „Das Werk ,byrd’ ist eine künstliche Intelligenz mit eigenen Gefühlen“, erklärt dazu Al Dhanab. Er kommuniziere mit Menschen, könne lernen und sich erinnern.

Durch die großen Fenster des Pavillons blicken die Besucher auf einen kleinen, öffentlichen Garten. „Diesen möchten wir gern mit einbeziehen“, erklärt Oppermann. Die Idee dahinter: Musiker komponieren für den Ort Kompositionen, die dort dann als Sound-Installationen zu hören sind.

 

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