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Einem scheuen Gesellen auf der Spur

Der Feldhamster ist nicht nur ein selten gewordener, sondern zudem ein scheuer Geselle. Das zeigte sich auch bei einer Exkursion auf den Feldern Bergen-Enkheims, bei der die Teilnehmer dennoch einiges über den Nager lernten.
Ein auffällig buntes Fell zeichnet die Feldhamster aus. Foto: Archiv Ein auffällig buntes Fell zeichnet die Feldhamster aus. Foto: Archiv
Bergen-Enkheim. 

Mit Stöcken bewaffnet stapfen sechs Menschen über das abgemähte Getreidefeld, der Blick ist starr auf den Boden gerichtet. Füße scharren auf dem Boden, um Pflanzenreste wegzuwischen. Die Szene erinnert an eine Polizeiaktion, wenn das Opfer einer Straftat oder ein Vermisster gesucht wird. Nur dass die drei Männer und drei Frauen am späten Sonntagmorgen zwischen 11 und 12 Uhr nicht nach irgendeinem verschwundenen Menschen fahnden, sondern nach Löchern.

Natürlich nicht irgendwelche Löcher. Vielmehr fahndet das Grüppchen nach den Behausungen eines mittlerweile selten gewordenen Tieres: des Feldhamsters. Hier in der weitläufigen, sanft gewellten, von Mais- und Getreidefeldern beherrschten Landschaft zwischen Bergen-Enkheim und Bruchköbel mit ihren Mais- und Getreidefeldern soll Rodentia, so sein wissenschaftlicher Name, zu Hause sein. Niemand weiß das besser als Manfred Sattler, der die sonntägliche Exkursion mit dem Motto „Dem Feldhamster auf der Spur“ leitet.

 

„Hier ist was los“

 

Systematisch durchkämmen die Exkursionsteilnehmer das Feld auf der Suche nach einer Feldhamster-Behausung. Fotos: (2) ks Bild-Zoom
Systematisch durchkämmen die Exkursionsteilnehmer das Feld auf der Suche nach einer Feldhamster-Behausung. Fotos: (2) ks
Seit drei Jahren engagiert sich der 44-Jährige aus Maintal in der Arbeitsgemeinschaft Feldhamster, die sich dem Schutz des Nagers verschrieben hat, der auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere steht. Dabei untersucht der Gärtnermeister vor allem das Gebiet am Rande Bergen-Enkheims.

„Hier ist wirklich was los auf dem Acker“, meint Sattler, während er in die Hocke geht und einen weißen Zollstock in ein Erdloch steckt. „Ein sauberer Eingang, für uns ist das ein Erkennungszeichen, dass hier ein Hamster wohnt“, sagt er, misst Tiefe und Umfang der Höhle aus, um die Ergebnisse einschließlich der GPS-Daten auf einem Erfassungsbogen zu notieren.

Der Fund bleibt kein Einzelfall. Immer wieder stoßen Sattler und die anderen Exkursionsteilnehmer auf Spuren, die darauf hindeuten, dass dort ein Feldhamster zu Hause ist. „Das hier ist ein riesiger, etwa 400 bis 500 Hektar großer Lebensraum, der nicht durch Straßen und Ortschaften zerschnitten wird. Das macht den Ort einzigartig für die Tiere“, schwärmt Tobias Reiner von der idyllischen Gegend. Solche Orte finde man in Hessen selten, meint der Diplombiologe, der ebenfalls Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft ist und derzeit seine Dissertation über die Genetik des Feldhamsters schreibt.

Hinzu komme, dass das Gebiet mit seinem Lößboden besonders gut für den Feldhamster geeignet sei. Außerdem konnte die Arbeitsgemeinschaft mehrere Landwirte der Region davon überzeugen, dem etwa Meerschweinchen großen Säugetier einen Lebensraum zu bieten. Statt sämtliches Getreide zu mähen, lassen sie nun ein kleines Stück stehen, so dass die Feldhamster darin Unterschlupf finden. „Wird alles Getreide geerntet, hat der Hamster so gut wie keine Überlebenschance“, sagt Sattler. Auf freiem Feld sei er seinen Jägern wie Greifvögeln und Füchsen schutzlos ausgeliefert. „Mutterzelle“ nennen die Experten solch eine Fläche, die den Landwirten mit Fördergeldern des Landes schmackhaft gemacht wird. Mit Erfolg, denn laut Sattler werden es immer mehr Bauern, die das Agrarumweltprogramm namens „HIAP“ in Anspruch nehmen. Weiter geht’s auf der Exkursion. Die Gruppe steuert ein noch nicht abgemähtes Gerstenfeld an, in dem die Arbeitsgemeinschaft im Mai eine Kamera-Falle aufgestellt hat. Diese liefert nun Aufnahmen des scheuen Tieres, zeigt Paarungen und auch Jungtiere, informiert Reiners. Nur im Moment scheint in der Hamster-Szene wenig los zu sein, denn die Kamera spuckt diesmal nichts aus.

 

Tagsüber selten zu sehen

 

Manfred Sattler findet den Eingang zur einer Höhle. Bild-Zoom
Manfred Sattler findet den Eingang zur einer Höhle.
Ach ja, an diesem Tag bekommen die Exkursionsteilnehmer keinen Feldhamster zu Gesicht. Das possierliche Tier mit dem auffällig bunt gefärbten Fell zieht es vor, in seiner Behausung zu bleiben. Nicht nur, weil es dort kühler ist als oben. Die Tiere sind zudem in der Regel abends und frühmorgens aktiv, informieren Sattler und Reiners. Tagsüber bekomme man sie selten zu sehen. Dennoch hat sich die Tour gelohnt. Zehn Bauten hat sich Sattler notiert, auf eine genaue Zahl der Tiere will er sich nicht festlegen. Ende August ist die Hamstersaison dann zu Ende, dann beginnen die Tiere ihren Winterschlaf.

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