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Einkaufen anno dazumal

Bei historischen Einkaufsbummeln erklärt Katharina Schaaf die liebenswerte und resolute Geschäftswelt im alten Rödelheim.
Am Jöst-Kiosk im Pariser Höfchen gab es  Brause. Bilder > Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Am Jöst-Kiosk im Pariser Höfchen gab es Brause.
Rödelheim. 

Man sieht sofort, dass Hausfrau Hedwig nicht mal eben schnell den Einkauf erledigen will. Gekleidet in Kittelschürze und mit großem Tragenetz erklärt sie, wo es einst in der Lorscher, Radilo- und Kalkentaler Straße Wäschereien, Tante Emma-Läden und Textilgeschäfte gab, in denen noch nach alter Sitte gebleicht, eingedost und anprobiert wurde. „Und die Worscht hat mer oft beim Metzger am annern End von Rödelheim gekaaft“, erklärt sie gewohnheitsmäßig in Frankfurter Mundart.

Denn wichtiger als die Entfernung, die Preise oder die Auswahl im Sortiment waren oft familiäre Bindungen zwischen Geschäftsleuten und Stammkunden. Von der einst so großen Zahl der Geschäfte, etwa in der Lorscher Straße, zeugen heute noch Standorte wie die Stadtapotheke und die Metzgerei Kleber im repräsentativen 1902 errichteten Gründerzeithaus. Oder das große Eckhaus an der Lorscher/Niddagaustraße, wo einst die Apfelweinwirtschaft Possmann untergebracht war – bis sich die Familie 1937 für die Produktion in einer Großkelterei entschied.

Bier im Krug geholt

„So hat mer im Krug oder Bembel in dene Wertschafte des Bier oder den Ebbelwei geholt, die Kinner hawwe sisch die Brause an den Wasserhäusche der Firma Jöst gekaaft“, erinnert sich die Stadtführerin und Schauspielerin Katharina Schaaf alias Hedwig an die eigene Kindheit. Doch von den mehr als 25 Geschäften sind nur wenige geblieben. Lebendig ist die Erinnerung an zahlreiche Namen, Personen und Annekdoten aber bis heute.

Blick auf den Römer: Im Vordergrund, wohl auf der Ecke des Rapunzelgässchens, die Schilder einer Schänke und einer Kaffee-Stube.
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Vom Bahnhof aus spaziert Hausfrau Hedwig entlang der Rödelheimer Bahnstraße, die man wegen der Schlacke in der Nachkriegszeit oft „Schwarzen Weg“ nannte. Vor der Kohlenhandlung Müller, wo es damals noch die „Bricketts“ für den heimischen Herd gab, saß ein Huhn. „Des durfte die Kinner aach mal streichele“, erzählt Hedwig. Schräg gegenüber am Übergang zur Dreispitzstraße ließ eine Wäscherei im Hundefuhrwerk die Klamotten sogar bis zu den „feine Herrschafte“ ins Westend bringen.

Viele ihrer Geschichten kennt Schaaf, die selbst in Rödelheim aufgewachsen ist, von älteren Rödelheimern. Mit der Bäckerei Köhler in der Lorscher Straße verbindet sie eigene Erinnerungen: „Dort war immer so’n Wackelmännsche im Schaufenster.“ Die Puppe animierte sie ebenso zum Besuch wie Auslagen im nahen Schreib- und Spielwarengeschäft Bollbach.

Bügeleisen geborgt

Vor allem in der Alexander- und der Kalkentalstraße werden Erinnerungen an die Not der Nachkriegszeit wieder lebendig: an Frauen, die in der Kanne die Magermilch holten, die oft rationiert war und wegen ihrer bläulich-dünnen Konsistenz „blauer Heinrich“ genannt wurde oder an die Wäscherei und Büglerei Weindorf, wo man sich ein Bügeleisen von der Englischlehrerin der Tochter ausleihen musste, um den Betrieb wenigstens notdürftig aufnehmen zu können. Das Wirtschaftswunder änderte dann aber alles.

Eine Institution bis in die 1980er Jahre blieb das Bekleidungsgeschäft Höfle. „Die Fraa Höfle flitzte flink wie en Wiesel uff die Leiter und wusste genaa, wo jedes Kneppsche zu finne is“, erzählt Hausfrau Hedwig. Doch sie war für ihre Kunden auch eine liebenswerte Autorität. „Einmal hat sich meine Schwiegermutter bei ihr ein Hütchen gekauft“, erinnert sich Gisela Heddesheimer. „Und es war von vornherein klar, dass nur die Frau Höfle bestimmt, weche der Kopfbedeckungen genau passt und richtig sitzt.“

 

Infos und Buchungen zum Historischen Einkaufsbummel per Mail an kate_schaaf@yahoo.de oder 0 15 22/8 79 05 55.

 

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