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Rundgang in Frankfurt am 19. März: Eintracht-Spuren in der Stadt

Von Die Eintracht hinterlässt Spuren, wo sie eigentlich keiner vermutet. Am kommenden Sonntag, 19. März, führen Matthias Thoma, Leiter des Eintracht-Museums, und Autor Axel Hoffmann bei ihrem Rundgang auf die Fährte des Adlers, verleihen der Erinnerung Flügel, lassen die Zeit von der Entstehung des Vereins über den Sport in NS-Zeiten bis hin zu den großen Erfolgen und bitteren Abstiegsniederlagen erneut auferstehen. „Natürlich nutzen wir auch die Gelegenheit, um uns mit Zeitzeugen auszutauschen, wenn uns welche begleiten“, sagt Thoma. FNP-Mitarbeiterin Janina Raschdorf hat sich einige Stationen der Führung zeigen lassen.
Matthias Thoma, Leiter des Eintracht-Museums lädt mit Autor und Moderator Axel Hoffmann zum Stadtrundgang ein. Die Suche nach Eintracht-Spuren führt auch in den Oeder Weg 37, wo seit jeher die Eintracht-Turner trainieren. Nach dem Krieg musste das Gebäude neu aufgebaut werden. Foto: Heike Lyding Matthias Thoma, Leiter des Eintracht-Museums lädt mit Autor und Moderator Axel Hoffmann zum Stadtrundgang ein. Die Suche nach Eintracht-Spuren führt auch in den Oeder Weg 37, wo seit jeher die Eintracht-Turner trainieren. Nach dem Krieg musste das Gebäude neu aufgebaut werden.
Frankfurt. 

Eintrachtler als Diebe! Kaum zu glauben, aber wahr. Doch nach dem Krieg lag die Halle der Turner im Oeder Weg 37 in Schutt und Asche. Der Wiederaufbau der Übungsstätte verzögerte sich aber, weil Baumaterial zur damaligen Zeit äußerst rar war. Hilfe zur Selbsthilfe war angesagt. Und so entschlossen die Turner – wohl auch auf Anraten des damaligen Oberbürgermeisters und Eintrachtfans Walter Kolb – sich im Schutze der Dunkelheit   auf der Baustelle am Paulsplatz zu bedienen. Dort wurde als Wahrzeichen der Demokratie die Paulskirche wiederaufgebaut. „Sie stibitzten das benötigte Material“, erklärt Autor Axel Hoffmann, der am Sonntag mit Matthias Thoma, Leiter des Eintracht-Museums, eine Führung anbietet. Teilnehmer begeben sich auf Spuren der Eintracht in der Stadt. „Auch Außenstehende halfen“, sagt Hoffmann. Der eher zweckdienliche Bau vermittle aber eine eindrucksvolle Botschaft: „Man kann durchaus sagen, dass der Neubau in enger Verbindung zur Wiege der deutschen Demokratie steht“, sagt Hoffmann.

Ganz großes Kino: Wo heute Hollywood-Filme gezeigt werden, wurde einst Volksbildung betrieben. Heute ist in dem 1908 erbauten Gebäude das Cinestar-Metropolis untergebracht, bis in die 90er Jahre befand sich darin das Theater im Turm. Mindestens einmal verirrten sich die Eintracht-Begeisterten in die Eschenheimer Anlage 40/Ecke Oeder Weg. Im Mai 1986 nämlich machten sie sich dafür stark, endlich eigene Fan-Räumlichkeiten zu erhalten. Im Volksbildungsheim kam es zu einer „heißen Debatte“ mit Politikern, erinnert Thoma.

Stadtrundgang auf Eintracht-Spuren in Frankfurt am 13.03.2017. 
Metropolis Kinocenter  Eschenheimer Anlage 40

„Damals hatte die Eintracht noch deutlich weniger Anhänger“, erklärt er. Heute kommen zu einem Spiel rund 40 000 Zuschauer, anno dazumal waren es oft nur zwischen 12 000 und 15 000 – auch eine Lobby gab es noch nicht. „Treu aber waren die Fans zu jeder Zeit.“ So wurde in jenem Sommer der gesamte harte Kern zusammengetrommelt. Trotzdem landete ihr Anliegen in der Schublade. „Erst 20 Jahre später sollte die Eintracht ein Fanhaus an der Louisa erhalten“, weiß Thoma.

Ach wie schön war das damals, als Eintracht-Spieler noch ums Eck wohnten. Im Oeder Weg 71 befindet sich das Fischhaus Ohrmann. Lange beherbergte das Gebäude mit den schwarzen Kacheln die Drogerie von Richard Kress. Der Deutsche Meister und Europapokalfinalist stand damals höchstselbst im Laden. Als Außenstürmer, auch „Blitz von Horas“ genannt, war er zur Gründungszeit der Bundesliga ältester Spieler. Mit damals über 38 Jahren wurde er auch zum betagtesten Bundesligadebütant aller Zeiten, später zudem zum ältesten Torschützen der Bundesliga.

Stadtrundgang auf Eintracht-Spuren in Frankfurt am 13.03.2017. 
Fischhaus Ohrmann im Oeder Weg 71. Das charakteristische Gebäude mit der großen Fensterfront und den schwarzen Kacheln beherbergte lange Jahre die Drogerie von Richard und Inge Kress. Richard Kress, Deutscher Meister 1959, Europapokalfinalist 1960 stand höchstselbst im Laden und die Frankfurter Schulbuben nutzten natürlich die Gelegenheit, um sich bei dem bekannten Eintrachtler mit Autogrammen einzudecken.

Kress erzielte den überraschenden 1:0-Führungstreffer gegen die damals unangefochten weltbeste Mannschaft Real Madrid. Epochal, auch wenn die Spanier letztlich dennoch mit einem 7:3-Sieg vom Platz schritten. „Einst hatten die Eintrachtler neben ihrem Fußballerdasein noch feste Jobs“, erläutert Thoma. Gingen ihnen die Autogrammkarten aus, suchten Schulbuben die bekannten Eintrachtler einfach kurzerhand auf. Heute ist alles anders, wird auch der Wohnort der Spieler geheim gehalten.

Eintracht-Turner Emil Stelzer liebte nicht nur seinen Sport. Feuer und Flamme war er vor allem für seine Gattin Else, die Jüdin war. Ihr zuliebe nahm Stelzer bei der Hochzeit ihren Glauben an. Als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, lebte das Ehepaar Stelzer laut „Rassenlehre“ in einer ungehörigen „Mischehe“. Emil Stelzer wurde vorgeladen, ihm die Scheidung nahegelegt. Der tapfere Turner weigerte sich aber vehement, stand zu seiner Frau und verlieh so dem Begriff Eintracht eine tiefgreifende Bedeutung. Ihre zwei Töchter schickten die Stelzers nach Amerika.

Im Juni 1943 wurde Emil Stelzer nach Buchenwald deportiert, dort kam er im März 1944 ums Leben. Zwei Monate nach ihrem Mann wurde auch Else Stelzer verhaftet und ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt. „Die Nazi-Diktatur hat unseren Verein ausgedünnt“, erklärt Axel Hoffmann. „Damit die damaligen Gräueltaten nicht in Vergessenheit geraten, verlegen wir seit 2008 jedes Jahr neue Stolpersteine.“ Jener der Stelzers war der erste, er befindet sich in der Finkenhofstraße 23.

Die Anfänge des Fußballs in Frankfurt entwickelten sich in den 1890er Jahren in der Adlerflychtstraße in der damals gleichnamigen Schule – genau dort, wo heute die Berta Jourdan Schule steht. Fußballpionier Walther Bensemann kam schon als Schüler einer englischen Privatschule in der Schweiz mit der hierzulande noch vergleichsweise unbekannten und weitläufig verpönten Sportart in Kontakt. Nun wollte er andere Jugendliche für das neuartige Ballspiel begeistern. Wie die Victoria kickten auch die Schüler der Adlerflychtschule auf der Hundswiese.

Stadtrundgang auf Eintracht-Spuren in Frankfurt am 13.03.2017.
Die Ursprünge des Frankfurter Fußballs entwickelten sich in den Neunziger Jahren des vorvergangenen Jahrunderts in der Adlerflychtstraße 24 in der damaligen Adlerflychtschule, an deren Stelle heute die Berta Jourdan Schule (Foto) steht. Fußballpionier Walther Bensemann begeisterte hier die Jugendlichen für das neue Spiel und gründete bald darauf einen der Vorläufervereine der Eintracht, die Frankfurter Kickers, die ? wie die Victoria ? auf der Hundswiese kickten.

„Damit sie die dazu notwendigen Utensilien nicht so weit schleppen mussten, lagerten sie alle Pfosten und Latten in der Anstalt für Irre und Epileptische am Affenstein“, erklärt Thoma. Ab 1889 wurde Bensemann zum Mitbegründer von mehreren Fußballvereinen – unter anderem in Baden-Baden, Freiburg, Gießen, Heidelberg, Mannheim, Marburg, München und Saarburg. 1899 gründete er einen der Vorläufervereine der Eintracht, die Frankfurter Kickers.

Es blendet sich unauffällig in die Häuserreihe ein, das Gebäude in der Eckenheimer Landstraße 57. Dabei ist es für die Eintracht eine besonders geschichtsträchtiger Ort. Zwar blättert er langsam ab, noch aber ist der Schriftzug „Pohlenk“ über dem Eingangsportal deutlich zu lesen. Einst lebte und arbeitete Uhrmachermeister Albert Pohlenk im Haus mit der Nummer 57.

Stadtrundgang auf Eintracht-Spuren in Frankfurt am 13.03.2017.
Eintracht Stadtrundgang-Führer Matthias Thoma und Axel Hoffmann vor dem Wohnhaus in der Eckenheimer Landstraße 57. Dort lebte und arbeitete Albert Pohlenk, der heute als Gründer der Eintracht gefeiert wird, obgleich es den Namen ?Eintracht? noch gar nicht gab. Der Uhrmachermeister Pohlenk hatte im Haus seine Werkstatt und war schon im ältesten Frankfurter Fußballverein, der Germania 94 aktiv. Aus diesem Verein heraus gründete er mit Gleichgesinnten am 8.März 1899 den Frankfurter Fußballclub Victoria.

Er war schon im ältesten Frankfurter Fußballverein, der Germania 94 aktiv. Aus diesem Verein heraus gründete er mit Gleichgesinnten am 8.März 1899 den Frankfurter Fußballclub Victoria – neben den Kickers und dem Frankfurter Fußball-Club 1899 der Vorgängerverein der Eintracht. „Er war ein leidenschaftlicher und begnadeter Fußballer“, schildert Hoffmann. „So konnte er auch einen ordentlichen Beitrag zum ersten Eintracht-Sieg leisten – das Match gegen Bockenheim gewann sein Team im März 1899 mit 4:1.“
   
Die Führung beginnt am Sonntag, 19. März, um 11 Uhr am Café Hauptwache, die Teilnahmegebühr beträgt 5 Euro. Welche Stationen auf dem Rundgang angesteuert werden und wie lange der Spaziergang dauert, ist noch nicht ganz sicher. „Das machen wir kurzfristig davon abhängig, wie viele Leute uns letztlich begleiten und wie sich Stimmung und Wetter gestalten“, meint Matthias Thoma, Leiter des Eintracht-Museums.
   

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