E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C
1 Kommentar

Elisabethenstraße: Einzelhändler sehen ihre berufliche Existenz durch die Baustelle bedroht

Noch bis November dauern die Bauarbeiten an der Elisabethenstraße. Manchem Geschäft droht wegen Umsatzeinbußen von über 40 Prozent allerdings jetzt schon die Pleite. Das Problem kennt man auch von der Offenbacher oder der Eschenheimer Landstraße. Doch es fehlt der politische Wille, den in der Existenz bedrohten Inhabern zu helfen.
Suat Yozgot betreibt seit vier Jahren eine Wäscherei auf der Elisabethenstraße. Ob er wegen des schwachen Umsatzes bis zum Ende der Bauzeit durchhält, weiß er nicht. Foto: Michael Faust Suat Yozgot betreibt seit vier Jahren eine Wäscherei auf der Elisabethenstraße. Ob er wegen des schwachen Umsatzes bis zum Ende der Bauzeit durchhält, weiß er nicht.
Sachsenhausen. 

Wenn Suat Yozgat auf die Elisabethenstraße schaut, presst er die Lippen aufeinander. Eigentlich will er sich ja nicht aufregen. Die Bauarbeiten auf der gegenüberliegenden Straßenseite scheinen schon seit einigen Wochen fertig zu sein, doch die Parkplätze sind noch immer gesperrt. Für Yozgat ist dies ein großes Problem. Er betreibt hier seit vier Jahren mit seiner Frau eine Wäscherei. „Die meisten meiner Kunden kommen auf dem Weg zur Arbeit vorbei. Sie halten kurz mit dem Auto, geben ihre Wäsche ab und holen sie am nächsten Tag auf dem Heimweg wieder ab.“

Mit Parkplätzen sieht es allerdings schlecht aus, seit die Bauarbeiten im August 2017 begannen. Nur zu Fuß gelangt man durch ein Labyrinth aus Absperrbaken, Lärm und Staub zu den Geschäften. Das hat Folgen für Yozgat und andere Geschäftsleute: Bis zu 40 Prozent Umsatzeinbußen. Ob er die Wäscherei mit täglichen Einnahmen von weniger als 200 Euro halten kann, bis die Straße im November fertig sein soll, weiß er nicht.

Verzögerungen möglich

Laut dem Amt für Straßenbau liegt die 3,5 Millionen Euro teure Baustelle zwar im Zeitplan, eine „moderate Bauzeitverlängerung“ hält man allerdings für möglich. „Dass die Straße einmal erneuert werden muss, ist ja klar“, sagt Yozgat. Er findet auch gut, dass hier 14 Bäume gepflanzt werden sollen und die Trottoirs breiter werden. „Aber wenn gebaut wird, muss man sich mit den Gewerbetreibenden enger abstimmen“, kritisiert er.

Er zeigt auf den Geldautomat neben seinem Schaufenster. Damit verdient sich die Familie etwas dazu und ist ein Paradebeispiel dafür, was Yozgat sich unter engerer Absprache vorstellt: Bauarbeiter haben den Automaten mit Absperrbaken praktisch gesperrt, als sie die Pflastersteine darunter verlegten. „Das ist ein paar Wochen her“, sagt der Inhaber. Nun lässt das Pflaster einen Spalt zur Hauswand und weil es nicht fertig ist, bleibt der Automat geschlossen. An solchen entscheidenden Punkten, wie dem Automaten oder den Parkplätzen, sollten sich Gewerbetreibende und die Bauleitung absprechen, um mögliche Nachteile für Geschäftsleute möglichst gering zu halten.

Dass die Baustelle für manche Einzelhändler nicht nur schwere 15 Monate sind, sondern auch das Ende ihrer beruflichen Existenz bedeuten kann, sieht man an Mesut Sertas. Er betreibt die Bäckerei gegenüber von Yozgats Laden, backte angeblich die besten Brötchen im Quartier. Sertas sucht längst einen Nachmieter für seine Geschäftsräume, seit einem Monat schon. Vor der Baustelle saßen stets Rentner bei Kaffee und Kuchen an dem kleinen Tisch, Arbeiter kamen vor ihrer Schicht hier vorbei. Heute sitzt Sertas meist allein in seinem Geschäft, wartet auf Kundschaft und liest. „Ich bin pleite“, sagt er. „Die Baustelle überlebt mein Laden nicht.“ Was er nun machen will? Sertas verschränkt die Arme, zuckt mit den Schultern. Auch er presst die Lippen aufeinander, während er auf die Baustelle schaut.

Keinerlei Hilfe

„Eigentlich müsste uns die Stadt unterstützen“, sagen Yozgat und Sertas unisono. Diesen Satz hört man auch bei Gewerbetreibenden etwa auf der Offenbacher oder der Eschersheimer Landstraße. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) schließt dennoch eine finanzielle Unterstützung aus, denn dann müsse man jeden entschädigen, auch Konzerne wie den Media-Markt, wenn man etwa die Zeil saniere. „Das würde Hunderte Millionen kosten. Baustellen würden dann so teuer, dass wir nicht mehr bauen könnten.“

Yozgat hat sich aufgrund des Baustellen-Problems auch an seinen Vermieter gewandt, fragte nach eine kurzfristigen Miet-Reduzierung. Dieser lehnte das ab, kündigte dafür jedoch an, dass er die Miete erhöhen werde, weil die Elisabethenstraße ja viel schöner werde. Während Yozgat das erzählt, schaut er über die Baustelle und seine Lippen werden unter dem Druck wieder schmal und faltig.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen