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Abschied vom Eis: Eiscafé Dell’Antone in Preungesheim schließt nach 50 Jahren

Von In Preungesheim ist das Eiscafé Dell’Antone längst eine feste Institution. Nach 50 Jahren schließt das Lokal in der Weilbrunnstraße nun aber für immer seine Türen.
Verkaufen heute zum letzten Mal Eis: Luca dell’Antone und seine Frau Maria Grazia. Foto: Salome Roessler Verkaufen heute zum letzten Mal Eis: Luca dell’Antone und seine Frau Maria Grazia.
Preungesheim. 

Noch immer macht Luca dell’Antone sein Speiseeis selbst – und darauf ist der 63-Jährige stolz. „Wir machen es aus Milch aus dem Allgäu, nicht aus H-Milch oder gar Milchpulver.“ Weil in manchen Sorten auch Eigelb ist, erhitzt er das Eis vor dem Einfrieren auf 85 Grad, kaum jemand betreibe heute noch diesen Aufwand, sagt er. „Aber zu uns kommen auch Familien mit Kindern, und wenn man Lebensmittel produziert muss man sehr vorsichtig arbeiten.“

Außerdem schmeckt das Eis sehr gut, wie etwa die Stammkunden Elena Marques (55), Alsina Bernardo (60) und Lisete Teixeira (53) sagen. Am heutigen Montag aber hier, in der Weilbrunnstraße 5, zum letzten Mal: Um 20 Uhr schließt die Eisdiele nach 50 Jahren endgültig. Das Ehepaar Dell’Antone geht in den Ruhestand. Einen Nachfolger für ihr Eiscafé haben sie nicht gefunden, ihr Sohn Lorei (31) studierte BWL und arbeitet als Steuerberater. Leerstehen werden die Räume voraussichtlich aber nicht lange: Ein Brüderpaar möchte hier ein Bistro eröffnen.

Viele Abschiedskarten

Wie sehr das Eiscafé seit seiner Eröffnung zu einer Institution im Stadtteil wurde, zeigen die Abschiedkarten vieler Stammkunden. Clara (29), eine frühere Aushilfe, die in Preungesheim wohnt, bringt einen kleinen Blumenstrauß zum Abschied. „Das Eiscafé war immer ein Treffpunkt für Menschen jeden Alters. Der Umgang war immer sehr familiär“, berichtet sie.

Die zwölfjährige Alina, die mit ihrer Familie noch einmal zum Eisessen gekommen ist, hat ihre Abschiedskarte sogar selbst gemalt. „Ich kam manchmal mehrmals in der Woche hierher“, sagt Alina. Aus ihren Lieblingseissorten hat Luca dell’Antone für sie eine eigene Spezialität kreiert: Den „Alina Becher“, den nur sie bestellen durfte: Waldmeister- und Meloneneis mit Erdbeeren, Erdbeersoße, bunten Streuseln und einem Raffaello oben drauf. „Ich werde das Eiscafé vermissen“, sagt Alina.

Die Familie Dell’Antone stammt aus dem kleinen 500-Einwohner-Dorf Sottoguda am Fuße des höchsten Berges der Dolomiten, des 3342 Meter hohen Marmolata. Früher sei die Gegend für ihre guten Eisproduzenten berühmt gewesen, sagt Dell’Antone. „Heute ist das eine sehr touristische Gegend. Wir haben etwa einen großen Canyon dort.“ Daher zählt der Ort auch zu einem der beliebtesten Ziele von Eiskletterern.

„Mein ältester Bruder Franca (75) war der erste in der Familie, der das Handwerk erlernte, und 1963 in Oberrad ein Eiscafé eröffnete“, erzählt Luca dell’Antone. Jenes Café übernahmen später seine Schwester und sein Schwager, während Franco zusammen mit den Eltern, Giulio und Aldina dell’Antone, 1966 nach Preungesheim ging und das dortige „Dell’Antone“ eröffnete. „Als Franco nach Bischofsheim zog, stieg ich ins elterliche Geschäft mit ein“, erinnert sich Luca dell’Antone. Die Eltern setzten sich 1982 zur Ruhe und zogen zurück nach Italien. Seitdem führten Luca und seine Frau Maria Grazia (63) das „Dell’Antone“ an der Weilbrunnstraße alleine.

Seit Generationen

„Nach 50 Jahren sind wir Preungesheimer, wir fühlen uns hier wohl“, sagt er. Sie haben viele Stammgäste, zu denen sie ein gutes Verhältnis haben. „Wir kennen manche Familie seit drei Generationen. Jene, die schon als Kind zu uns kamen, essen heute mit ihren Enkeln hier Eis.“

„Ich habe hier einmal gearbeitet, vor mehr als 25 Jahren. Seitdem bin ich mit Luca und Maria Grazia befreundet und komme drei, vier Mal pro Woche vorbei“, erzählt etwa Alsina Bernardo. Mal auf ein Eis, mal einen Café oder Cappuccino. „Wenn die beiden Zeit haben, unterhalten wir uns auch mit den Dell’Antones, wir teilen auch unsere Sorgen“, sagt Elena Marques.

Auch wenn das Eiscafé nun schließt, werden die Dell’Antones noch einige Jahre in Preungesheim wohnen. „Wir haben immer gearbeitet und wenig von Deutschland gesehen. Unsere Gäste haben immer erzählt, wie schön etwa Bamberg oder Rothenburg ob der Tauber sind. Wir hatten nie Zeit, uns das selbst anzuschauen. Das wollen wir nun nachholen, solange es uns gesundheitlich gut geht.“ Neben Reisen stehen spazieren gehen und Radtouren nun auf dem Plan des Ehepaars.

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