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Buchmesse: Eldorado für Jäger und Sammler

Von Bücher, das weiß man, gibt es auf der Buchmesse vorerst nur zum Bestaunen und am Wochenende zum Kaufen. Wer mag, kann sich die Taschen aber voller Geschenke packen lassen.
Die Ausbeute nach drei Stunden Messe: Für jeden Geschmack ein kleines Geschenk und viele Taschen, um sie nach Hause zu tragen. Die Ausbeute nach drei Stunden Messe: Für jeden Geschmack ein kleines Geschenk und viele Taschen, um sie nach Hause zu tragen.
Frankfurt. 

Die freundliche Dame am Stand von Graefe und Unzer wird Recht behalten: „Sie hätten sich einen Rollkoffer mitbringen sollen.“ Sie selbst kann immerhin mit einer stabilen Papiertüte aushelfen, bedruckt mit der Frankfurter Autorin Susanne Fröhlich.

Es ist die zweite Tüte einer im Laufe des Vormittags immer schwerer werdenden Sammlung all der Dinge, die es auf der Buchmesse gratis zum Mitnehmen gibt. Was in den nächsten drei Stunden noch dazukommen wird, hätte einen kleinen Koffer gefüllt: Tüten aus Plastik und Papier, Taschen aus Baumwolle, insgesamt 16 – und nur die wirklich Schönen durften mit. Dazu mehrere Dutzend Postkarten und Lesezeichen, Aufkleber, Bastelbücher für Kinder, Buttons zum Anstecken, Reis und Kaffee, Gummibärchen, Studentenfutter, essbare „Monsterzähne“, Pfefferminzbonbons, ein Energy-Drink im Cyberlook, Bonbons aus Finnland, der Ukraine und Aserbaidschan, ein Bleistift, ein Kugelschreiber, drei Armbänder (in einem ist ebenfalls ein Kuli versteckt), zwei Schlüsselanhänger, eine Lupe, Gratis-CDs, ein Kosmetik-Täschchen, ein Handspiegel, ein Frühstücksbrettchen und sogar – da wird es wieder literarisch – eine kleine Thomas-Mann-Figur zum Anstecken. Die Ausbeute kommt aus nur drei der vielen Messehallen und es kam wieder nur in die Auswahl, was auch gefiel, Broschüren und Verlagsprogramme durften aus Gewichtsgründen nicht mit – die Buchmesse ist wahrhaft ein Geschenkfest.

Gutes Gefühl zu Hause

„Es gehört dazu, dass man dem Besucher etwas Nettes mit nach Hause gibt“, erklärt Franziska Emons-Hauser die Tradition der Messe-Geschenke. Sie ist Kreativdirektorin des Kölner Verlages, den ihr Vater gegründet hat. Das richtige Mitgebsel sei eine wichtige und ein paar tausend Euro teure Angelegenheit. In diesem Jahr fiel die Auswahl auf einen Schlüsselanhänger, der den Euro für den Einkaufswagen ersetzt. Davon liegen noch reichlich in einem großen Glas. „Da greift auch das Fachpublikum gern rein, aber so richtig beginnt der Run auf die Geschenke erst an den Besuchertagen“, erzählt Emons-Hauser. Spätestens dann werden die kultivierten Literaturfreunde zu Jägern und Sammlern: „Manche Leute leeren die Schüsseln mit den Süßigkeiten einfach in ihre Taschen aus.“

Oho, da weiß auch Birgit Buchmann von Langenscheidt viel zu berichten. Ihrem Verlag ist es gelungen, so etwas wie die Ikone unter den Werbegeschenken zur Buchmesse zu etablieren: die gelbe Plastiktasche mit dem blauen L. Bis zum frühen Nachmittag waren gestern 1000 Stück weg, „danach ist für heute Schluss“. Deshalb maulen sie die Besucher dann auch mal an. Anscheinend will jeder so ein gelbes Ding haben, zum Ende läuft gefühlt die gesamte Messe damit herum. „Man kommt aus diesem Sog nicht heraus, beinahe jeder kriegt das Bedürfnis, so eine haben zu wollen.“ Birgit Buchmann vergibt die Taschen persönlich – „gegen einen Augenkontakt und mit freundlichem ,bitte sehr‘. Früher haben wir sie alle Stunde ausgegeben. Da haben sich so viele Leute gedrängelt, dass die Sicherheitsleute kaum hinterher kamen. Es war ein reines Grabschen und Haben-Wollen.“

Unter ein paar Verlagen gibt es so etwas wie eine Tüten-Konkurrenz. Anna Zwickelbauer vom Verlag Edition Michael Fischer (EMF) gibt eine riesige schwarz-gelbe Papiertüte mit dem Hinweis aus: „Da können Sie Ihre anderen Tüten einfach hineintun.“ Umso mehr Menschen für den Bastelbuch-Verlag Werbung tragen, umso besser. „Ich glaube, diesmal haben wir die größte Tüte“, freut sich Zwickelbauer. „Manche durchkreuzen mehrere Hallen, um uns und damit die Taschen zu finden“, erzählt Isabell Collet, Marketing-Frau vom Groh-Verlag, als gerade ein Pulk Frauen auf ihren Kollegen zusteuert – und nach „den schönen Taschen“ fragt. „Manche sammeln die sogar. Und wir werden wahrgenommen“, erklärt Collet die Strategie.

Kiloweise Reis und Nüsse

Kleine Geschenke schaffen eben Freundschaft. Mit etwas Übung entdeckt man sie fast überall: Glasschalen, Körbchen oder Tische, auf denen die Geschenke liegen. Die sind klein, aber die Masse macht’s: 100 Kilogramm Studentenfutter-Tütchen hat der Piper-Verlag für die Messe im Gepäck, 30 Kilogramm Reis wurden gestern am Stand der thailändischen Verlage verschenkt.

Da kommen schnell hohe Kosten zusammen, ein kleinerer Verleger berichtet, dass etwa ein Viertel seines Messe-Budgets für Werbemittel, vor allem Postkarten und Leseproben, draufgeht. Deshalb haben etliche Verlage das Geschenke-Wesen reglementiert. Sie geben vorab Gutscheine an Kunden heraus – und die kommen dann brav durch alle Hallen gelaufen, um sich dafür noch eine Tasche, ein Frühstücksbrettchen oder einen gepunkteten Kulturbeutel abzuholen. Vor allem bei den deutschen Verlagen gibt es aber auch ohne allerlei abzustauben. Wer freundlich fragt, wird selten abgewiesen.

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