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Bildung: Eltern ärgern sich über lange Schulwege in Frankfurt

Von Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder quer durch die Stadt zur Schule fahren müssen. Im Bildungsausschuss im Römer machten sie ihrem Ärger Luft. Doch Schulstadträtin Sylvia Weber (SPD) konnte ihnen wenige Hoffnung machen, dass sich die Situation kurzfristig bessert – obwohl neue Schulen in der Planung sind.
In den vergangenen Jahren protestierten Kinder immer wieder gegen den Mangel an Plätzen an ihrer Wunschschule. Foto: Bernd Kammerer In den vergangenen Jahren protestierten Kinder immer wieder gegen den Mangel an Plätzen an ihrer Wunschschule.
Frankfurt. 

5651 Grundschüler wechseln nach dem Sommerferien auf eine weiterführende Schule. Für alle gebe es einen Platz in der gewünschten Schulform, also auf Gymnasium, Gesamt- oder Realschule, betonte Dieter Sauerhoff vom Staatlichen Schulamt am Montagabend im Bildungsausschuss im Römer. Und: „90 Prozent der Kinder können auf ihre Wunschschule gehen.“ Das heißt umgekehrt aber auch: 600 Mädchen und Jungen wurden einer Schule zugewiesen, die nicht auf Platz eins oder zwei der Wunschliste ihre Eltern steht. An Gymnasien und kooperativen Gesamtschulen sind laut Sauerhoff 360 Kinder betroffen, an Integrierten Gesamtschulen sind es 240. „Die Situation wird sich in den kommenden Jahren nicht groß ändern.“

Vor allem an den noch nicht etablierten neuen Schulen wie dem Adorno-Gymnasium und dem Gymnasium Nord und Römerhof habe es freie Plätze gegeben, die aufgefüllt werden mussten, so Sauerhoff. Es hätten aber alle Fremdsprachenwünsche der Schüler erfüllt werden können. Wenn an der bevorzugten Schule kein Platz frei war, sei berücksichtigt worden, ob den Eltern die Schulform oder die Wohnortnähe wichtiger ist.

Angst vor U-Bahn-Fahrten

Viele Eltern sind dennoch nicht zufrieden. Einige sind gestern Abend in den Bildungsausschuss im Römer gekommen, um ihren Unmut loszuwerden. Sie kritisieren vor allem, dass ihre Kinder oft quer durch die Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule fahren müssten. „Meine Tochter ist blond, hat lange Haare und blaue Augen“, sagte eine Mutter. Sie werde sie nicht an problematischen U-Bahn-Stationen umsteigen lassen.

„Die Kinder müssen mit Situationen umgehen, denen sie nicht gewachsen sind“, sagte Silke Deselaers vom Stadtelternbeirat. Fahrzeiten von bis zu 45 Minuten seien unzumutbar, die Kinder hätten keine Zeit mehr für Vereine oder Hobbys. „Die Stadt muss mehr dafür tun, dass Schulen dort entstehen, wo Kinder wohnen“, forderte sie.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) verwies auf die zahlreichen Neugründungen. „Wir eröffnen Schulen in der gesamten Stadt“, betonte sie und verwies unter anderem auf das Gymnasium Römerhof, das im kommenden Schuljahr in einer Containeranlage eröffnet wird. Das Problem seien meist die fehlenden Grundstücke. So sei zum Beispiel für das Gymnasium Ost noch kein Standort gefunden. In der aktuellen Fortschreibung des Schulentwicklungsplans seien ein weiteres Gymnasium für das Gebiet Mitte/Nord und eine Integrierte Gesamtschule für den Norden vorgesehen. Angesichts der weiter steigenden Schülerzahlen stehe man vor einer „Riesenaufgabe“. Da auch Containerlösungen eine lange Vorlaufzeit hätten, schaue man sich jetzt verstärkt nach Bestandsgebäuden um. „Das wird dann nicht die volle Schönheit, aber als Übergangslösung ist das okay.“

Mehr Schulbusse gefordert

Eckhard Gathof, der Vorsitzende des Stadtelternbeirats, mahnte: „Ein neues Gymnasium im kommenden Jahre ist zu wenig.“ Schließlich sei damit zu rechnen, dass 300 Schüler mehr als in diesem Jahr die Grundschulen verlassen. Nicht glücklich über die aktuelle Situation sind auch Eltern der Kinder, die an Schulen gehen, denen Kinder zugewiesen werden. Die Paul-Hindemith-Schule im Gallus ist dadurch jetzt sechszügig. „Unsere Konzepte, die auf Vierzügigkeit ausgerichtet sind, werden dadurch gesprengt“, klagte eine Mutter.

Auf Kritik der Eltern stoßen auch die von der Stadt eingesetzten Schulbusse. Bisher sei nicht klar, wo sie verkehren, sagte Silke Deselaers. Weber verteidigte das Vorgehen: Man müsse erst einmal sehen, wo es Bedarf gibt, dann müssten die Linien ausgeschrieben werden. „Rechtzeitig zum Schuljahresbeginn schaffen wir das leider nicht.“ Ein flächendeckendes Schulbusnetz sei aus umweltpolitischen Gesichtspunkten nicht sinnvoll und außerdem zu teuer.

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