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Tieropfer, Liebeszauber und Todesflüche: Endlich: Voodoo-Rituale für verzweifelte Frankfurter

Silvia Stadler betreibt eine Voodoo-Agentur. Sie vermittelt Liebes- und Rachezauber, weiße und schwarze Magie. Im Interview spricht sie über die magischen Wünsche der Frankfurter, über Tieropfer - und Penisvergrößerungen.

Voodoo ist eine Mischreligion, die sich im Zeitalter der Sklaverei vom afrikanischen Kontinent aus bis nach Amerika und in die Karibik ausgebreitet hat. Voodoo verbindet naturreligiöse und christliche Elemente und hat weltweit etwa 60 Millionen Anhänger. Im Westen ist Voodoo - insbesondere durch Filme und Romane - vor allem für magische Praktiken bekannt. 

Frau Stadler, was fragen die Frankfurter öfter nach: Liebeszauber - oder Flüche?
Silvia Stadler: Die meisten Leute wollen einen Ex-Partner zurückbekommen. An zweiter Stelle stehen Zusammenführungen - also der Wunsch, einen Menschen verliebt zu machen.

Und die Flüche?
Stadler: Die werden nur selten nachgefragt. Aus gutem Grund: Flüche sind teuer. Die Priester wollen nämlich nicht, dass jeder X-Beliebige Schadensmagie bestellt.

Welche Flüche haben die Priester denn so im Repertoire?
Stadler: Mit schwarzer Magie können Sie ein Leben ruinieren. In jeder Hinsicht. Sie können jemandem seine Geliebten wegnehmen, seine Freunde, sein Geld, seinen Job, seine Gesundheit.

Interessant. Was würde ein günstiger Fluch denn kosten?
Stadler: Die Flüche fangen bei 2.500 Euro an, können aber deutlich teurer werden.

Im Voodoo soll es auch Todesflüche geben.
Stadler: Das stimmt. Davor schrecken die meisten Priester aber zurück.

Kennen Sie Leute, die Todesflüche ausführen?
Stadler: Die Priester, mit denen ich zusammenarbeite, lehnen Todesflüche ab. Es soll aber noch Priester geben, die das tun.

Ach Du Scheiße.
Stadler: Wie gesagt: Liebeszauber sind mit Abstand am Beliebtesten.


 

Heißt das, die Frankfurter sind sentimental?
Stadler: Ich würde sagen: Wer sich in einer Krise befindet, ist stärker empfänglich für Voodoo, für Magie. Und viele Lebenskrisen haben nun mal mit Liebe zu tun. Aber natürlich dreht sich nicht alles um Liebe. Viele Menschen wollen zum Beispiel Erfolg, Macht - beruflich, privat - oder Geld, Arbeit, Recht. Auch dafür gibt es Zauber.

Was würde es kosten, eine Ex-Freundin zurückzuholen?
Stadler: So ab 390 Euro. Aber wir machen erstmal eine kostenlose Analyse. Warum ist der- oder diejenige gegangen? Was für Probleme hat es gegeben? Sollte die Ex-Partnerin mittlerweile einen neuen Freund haben, wird es aufwendiger - dann müssen wir ja zusätzlich eine Trennung machen. Und dann kommt es natürlich darauf an, welches Ritual die Leute sich wünschen.


Welche Rituale gibt es?
Stadler: Das Puppen-Ritual und das Tier-Ritual. Das Puppen-Ritual ist kleiner und weniger aufwendig. Da muss der Besteller auch nicht unbedingt dabei sein. Das Tier-Ritual ist ein kompliziertes Ritual mit Tieropfern. Das kann mehrere Tage dauern. Dafür fliege ich mit dem Besteller nach Afrika, die wenigsten Kunden buchen dieses Ritual, ohne persönlich teilzunehmen. Die Priester, mit denen ich arbeite, leben alle auf dem Land, in Benin, Gambia, Bissau. Die haben keinen Strom, geschweige denn Telefon oder Internet. Ich organisiere die Rituale für meine Kunden, buche Flüge, Autos und Unterkünfte, bringe sie mit den Priestern zusammen. Das ist natürlich kostspielig.

Mit welchen Priestern arbeiten Sie zusammen?
Stadler: Mit verschiedenen, vor allem mit den Mitgliedern der Priesterfamilie Dah in Benin. Da gibt's die Oma - die ist längst über 90 -, die Mutter, den Vater und die Kinder, die zum Teil auch schon Priester sind. Der jüngste Dah-Priester ist zweieinhalb Jahre alt. Das sind sehr gute und zuverlässige Magier.


 

Wie läuft ein Puppen-Ritual für die Liebe ab?
Stadler: Die Puppen sehen anders aus, als Sie sie aus Filmen kennen. Es sind keine Stoffpuppen, sondern kleine Holzfiguren. Der Priester hat so viele Puppen, wie Personen in das Ritual einbezogen werden sollen. Er salbt die Puppen mit Kräutern, bei Tieropferritualen auch mit Blut, und verbindet sie mit einer Schnur. Anschließend werden die Puppen vor den verschiedenen Loas, den Voodoogöttern, besprochen. Dann hämmert der Priester oder der Kunde sie im Schrein fest. Jeder Voodoo-Priester hat einen eigenen Schrein - das ist sein ganzer Stolz. Daran kann man sehen, wie viele Jahre oder Jahrhunderte Rituale vollzogen wurden. Die Dah-Familie zum Beispiel hat einen riesigen Schrein, der ist gut 60 Quadratmeter groß und soll etwa 400 Jahre alt sein. Im Schrein werden zuletzt auch die Schlussrituale vollzogen.

 

Wie läuft das Tier-Ritual ab?
Stadler: Das beginnt ähnlich; aber zusätzlich werden vor jedem beteiligten Gott Tiere geopfert. Je nach Orakel können das bis zu zwölf Tiere sein. Die Opfertiere müssen unbedingt männlich sein. Oft sind es Hähne, Böcke, Bullen, manchmal auch Hunde oder Tauben. Die Tötung verläuft ganz schnell, die Tiere merken fast nichts. Grundsätzlich ist es so, dass der Orakel-Priester sagt, welche Tiere geopfert werden müssen. Wenn der sagt, opfert einen Elefanten, dann würden sie auch einen Elefanten besorgen.

Haben die Rituale Erfolg?
Stadler: Ja. Puppen-Rituale haben in etwa zwei Dritteln der Fälle Erfolg, Tier-Rituale deutlich öfter. Bei den Puppen-Ritualen ist es oft ein Problem, dass die Leute nicht persönlich anwesend sind, dass wir nicht genug über sie wissen. Manchmal verschweigen sie Dinge, die ihnen peinlich sind, die für das Ritual aber wichtig wären. Das ist beim Tier-Ritual anders. Das ist viel intensiver.

 

Vermittlerin von Voodoo-Ritualen ist kein typischer Ausbildungsberuf. Wie sind Sie dazu gekommen?
Stadler: Das ist eine lange Geschichte. Ich habe mal einen Haitianer geheiratet, der nur auf mein Geld aus war. Als ich ihm das verwehrt habe, ist er abgehauen, über Nacht - und hat mich mit schwarzer Magie belegt. Das habe ich damals noch nicht verstanden. Ich habe nur gemerkt: Meine Kunden bleiben weg, mein Geschäft bricht zusammen, mir selbst geht es dreckig. Irgendwann hat mir dann ein Haitianer gesagt: Du bist verflucht worden, das sieht man an Deinen Augen. Daraufhin habe ich mir Geld geliehen und ein großes Ritual durchführen lassen, um die schwarze Magie zu bannen.

Das hat funktioniert?
Stadler: Ja, der Fluch ist gebannt. Und der Priester, der das getan hat, hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mehr Kunden anzuwerben. So ging es los. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich richtig in der Szene drin war. In Gambia, Benin, Haiti. Aber inzwischen kenne ich mich gut aus. Ich habe Kunden in England, Dänemark, Kanada, Indien, Deutschland, Österreich, der Schweiz - weltweit.
 

Letzte Frage: Welche Anfragen lehnen Sie ab?
Stadler: Es gibt regelmäßig Männer, die eine Penisvergrößerung wollen. Vergessen Sie's. Das geht nicht. Auch nicht mit Voodoo.

Silvia Stadler (52), betreibt die Voodoo-Agenur Maerlyn-Rituals. Sie lebt in Spanien und vermittelt Voodoo-Rituale in die ganze Welt.

Alle Fotos: Silvia Stadler

Das Gespräch führte Christophe Braun




 
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