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Enttäuschung über Fluglärm-Plan

Der gestern veröffentlichte Lärmaktionsplan zum Flughafen wird nach Ansicht von Betroffenen nicht zu einer Verbesserung der Situation führen. Es handle sich lediglich um eine Bestandsaufnahme. Die tatsächliche Lärmbelastung sei nicht dargestellt.
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Frankfurt. 

Gestern Morgen waren Fluglärmgegner erst einmal irritiert. Weder beim für Bürgeranfragen zuständigen Römertelefon, noch beim Umweltamt wusste man etwas vom Lärmaktionsplan für den Flughafen. Dabei hatte das Regierungspräsidium am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass der von der EU geforderte Plan von Montag an in den betroffenen Gemeinden ausliegt. Achim Fey von der Wählergemeinschaft der Flughafenausbaugegner bezeichnete die Haltung der Stadt als unglaublich. "Das zeigt, welch geringen Stellenwert das Thema Fluglärm für die Stadtverwaltung immer noch hat."

Mittags allerdings kam dann die Meldung, dass der Entwurf des Plans bis zum 5. Oktober im Umweltamt in der Galvanistraße ausliegt. Am einfachsten ist er ohnehin im Internet abrufbar (www.laermaktionsplan.hessen.de). Bis zum 19. Oktober können Bürger Stellungnahmen abgeben, die dann in die endgültige Fassung einfließen.

Initiativen mobilisieren

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig ruft die Frankfurt dazu auf, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen: "Nutzen Sie die Chance und teilen Sie den Planern im Regierungspräsidium Darmstadt mit, wie Sie den Fluglärm empfinden und was dagegen getan werden muss." Für Stellungnahmen kann unter anderem ein Formular im Internet genutzt werden.

Bürgerinitiativen kündigten an, die von Fluglärm Betroffenen zu mobilisieren. "Wir müssen Flagge zeigen", sagte Fey. Der Entwurf des Plans sei lediglich eine Bestandsaufnahme. "Unter einem Aktionsplan verstehe ich etwas anderes." Die Bürger müssten erreichen, dass weitere Maßnahmen aufgenommen werden. "Vielleicht werden wir dieses Mal gehört", hofft die Niederräder Initiative "Eintracht gegen Fluglärm". Helmut Ulshöfer, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Römer, warnt: "Sollten am Ende der Frist nur wenige Stellungnahmen vorliegen, könnte dies als Signal missverstanden werden, dass überhaupt kein Problem besteht."

Grundsätzliche Kritik formuliert Ursula Fechter, die Sprecherin der Bürgerinitiative Sachsenhausen. "Der Aktionsplan hat nur Sinn, wenn eine neue Lärmkartierung erstellt wird", sagte sie. "Denn nur dadurch wird deutlich, wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind." Die in dem Plan verwendeten Lärmwerte beruhten auf Berechnungen von 2007, die Realität sehe aber nach Eröffnung der neuen Landbahn anders aus.

Alte Daten von 2007

Eine neue Lärmkartierung wird im Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) derzeit erarbeitet, soll aber erst später in den endgültigen Lärmaktionsplan eingearbeitet werden. Aber auch die neue Kartierung basiert auf der Zeit vor Inbetriebnahme der Landebahn.

Die Rechtsanwältin Ursula Philipp-Gerlach spricht von einer "Verharmlosung des Problems". Sie kritisiert, dass die in dem Aktionsplan vorgeschlagenen Maßnahmen nicht bewertet werden. Es werde nicht deutlich, in welchen Ausmaß die Belastung reduziert werden könnte.

In dem 113 Seiten starken Plan sind ausschließlich bekannte Vorschläge wie optimierte An- und Abflugverfahren, Lärmpausen oder eine Modernisierung des Flugzeugparks enthalten. Die von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) geforderte Ausweitung des Nachtflugverbots ist ebenso wenig enthalten wie die von der Frankfurter CDU ins Gespräch gebrachte Reduzierung der Landungen auf der neuen Bahn. Im Plan enthalten sind sogar Maßnahmen, durch die es in Frankfurt sogar lauter werden könnte. Eine höhere Rückenwindkomponente bei Landungen etwa würde mehr Anflüge aus Richtung Osten erlauben. Damit aber würden die südlichen Stadtteile zusätzlich belastet. mu

(Günter Murr)
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