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Er schenkt der Romantik eine Million

Wer ist der Mann, der mal eben eine Million Euro für den Anbau des Frankfurter Romantik-Museums hinlegen kann? Das fragt sich die Frankfurter Gesellschaft erstaunt seit dem vergangenen Wochenende.
Der Galerist Karsten Greve spendet eine Million Euro für den Bau des Romantik-Museums. Foto: Thilo Schmülgen Der Galerist Karsten Greve spendet eine Million Euro für den Bau des Romantik-Museums. Foto: Thilo Schmülgen

Am Freitag war bekannt geworden, dass es eine Einzelspende in der genannten Höhe gibt, um den Bau, den die schwarz-grüne Stadtregierung wegen Sparmaßnahmen ersatzlos gestrichen hat, doch noch voranzutreiben.

Mit Frankfurt habe er weder persönlich noch beruflich etwas zu tun, sagt der edle Spender, der Kölner Galerist Karsten Greve, auf Nachfrage. "Aber den Frankfurter Flughafen kenne ich in- und auswendig", meint er. Im Bau des Museums in der Innenstadt sollen Nachlässe romantischer Schriftsteller ausgestellt werden, die das Goethehaus seit mehr als einem Jahrhundert sammelt.

Im Flugzeug habe er einen Zeitungsartikel über das bevorstehende Scheitern des Projektes gelesen. "Ich habe mich darüber sehr gewundert", spricht der Kunstkenner und -händler, der sich gerade bei der Ausstellung in Maastricht aufhält. Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, "dass die Verwirklichung eines solchen Projektes so schwer fällt".

Eine besondere Beziehung zu Frankfurt tritt dann im Gespräch aber doch zum Vorschein, nämlich sein Faible für Goethe. "Als ich das Goethe-Gartenhaus in Weimar sah, war ich einfach beeindruckt", erinnert sich Greve, der das Gebäude im Schulkindalter besuchte. Seit fast anderthalb Jahrzehnten wohnt und lebt Karsten Greve nicht mehr in Deutschland, sondern in der Schweiz. Er hat noch eine Galerie in Köln - aber auch eine in St. Moritz sowie in Paris. Sein Vermögen hat er mit Künstlern wie Cy Twombly gemacht.

Sein Herz schlägt für Goethe - käme im Ausland die Rede auf Deutschland, dann spreche man über Goethe. "Ich sehe das ganze Geschehen aus der Immigranten-Perspektive, als Auslandsdeutscher." Deshalb habe er beschlossen, mit dieser Summe zu helfen. Er will jedoch nicht falsch verstanden werden: "Das ist für mich auch sehr viel Geld, doch es ist notwendig, etwas zu bewegen." Die Epoche der Romantik sei nun einmal für die "Entstehung der deutschen Kultur, so wie wir sie kennen, so mächtig und prägend gewesen", dass es ihm einfach ein Anliegen sei zu helfen.

In der Pflicht stünden zwar die Stadt und die vielen Banken rund um die Mainmetropole, "oft ist es aber ganz gut, wenn eine Privatperson einen Anstoß gibt". Frankfurt solle "zu seinen kulturellen Wurzeln finden", fordert Greve.

Es sei auch nicht das erste Mal, dass er kulturelle Einrichtungen und Projekte unterstütze. Unter anderem schenkte er dem bedeutenden Kölner Museum Ludwig die Skulptur "Natura", ein Werk des italienischen Avantgardekünstlers Lucio Fontana. "Würden sie es heute verkaufen, wäre es bestimmt so viel wert wie die Summe, die ich nach Frankfurt gebe", vermutet der Experte. Des Weiteren griff er dem Museum für angewandte Kunst in Köln unter die Arme. "Außerdem pflanzen meine Frau und ich Bäume in Israel, dort im Wüstenbereich." Zudem finanziere seine Frau Bildungsprojekte in Afrika. "Jeder sollte helfen, wo er kann", lautet das Motto der Familie Greve. "Es ist wichtig, sich für Bildung und Kultur einzusetzen, diese zu fördern."

Eine Bildungslücke will Karsten Greve aber schließen. Er möchte Frankfurt besuchen, und zwar bevor das Romantik-Museum fertiggestellt ist. Und er wünscht sich dann, "dass das Städel-Museum zur Eröffnung des Romantik-Museums eine Ausstellung von Caspar David Friedrich zeigt".

Wie berichtet, kostet das neue Romantik-Museum 16 Millionen Euro. Bund, Land und Sponsoren haben zwölf Millionen Euro zugesagt. Die Stadt aber hat Mittel in Höhe von vier Millionen Euro, die für dieses Projekt bereit gestellt werden sollten, gestrichen. Um diese Lücke zu schließen, gilt es, Spender zu finden. Einige haben sich schon gemeldet: So die Polytechnische Gesellschaft, die einen sechsstelligen Betrag für die museumspädagogische Arbeit übernimmt. Außerdem gibt der ehemalige Bürgermeister Hans-Jürgen Moog 5000 Euro. Und Karsten Greve ist mit von der Partie...es

(Enrico Sauda)
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