Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 25°C

Im alten Anzug auf den Römerberg: Erinnerungen an den Auftritt Helmut Kohls in Frankfurt im Jahr 2002

Von Helmut Kohl war ein begnadeter Wahlkämpfer. In Frankfurt hielt er oftmals Reden. So war es auch, als er am 20. September 2002 im Höchster Schlosspark vor rund 2000 Anhängern sprach. Der damalige CDU-Kreisgeschäftsführer Thomas Feda und der Autor dieser Zeilen erinnern sich an dieses Ereignis.
Kohl schüttelt Hände beim Wahlkampftermin 2002 in Höchst. Kohl schüttelt Hände beim Wahlkampftermin 2002 in Höchst.
Frankfurt. 

Nur wer Helmut Kohl in den Jahren, als er noch im Vollbesitz seiner Kräfte war, live erlebt hat, weiß, welche psycho-physische Urgewalt und Dynamik von diesem Staatsmann ausging. So war es auch damals auf der Höchster Schlossterrasse, als Kohl gemeinsam mit der damaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth und dem damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch im Bundestagswahlkampf 2002 auftrat. In der CDU-Arbeitsgemeinschaft West hatte deren Vorsitzender Alfons Gerling angeregt, Kohl nach höchst einzuladen. Für Kohls Gestalt und Erscheinung war ein TV-Bildschirm nicht die angemessene Darstellungsform: Er wirkte in der persönlichen Begegnung am stärksten. Das spürten auch die Besucher an jenem sonnigen Septembertag in Höchst. Sie schwenkten Deutschland- und Amerika-Fähnchen und hielten Plakate hoch: „Danke Helmut, für alles!“

Die Hilfe der Amerikaner

Kohl beschwor die Freundschaft mit Amerika und fragte „Was wäre aus Frankfurt geworden ohne die Hilfe der Amerikaner?“ Viele waren gekommen, weil sie das Gefühl hatten, Kohl das letzte Mal als aktiven Politiker zu erleben. Dieser erinnerte sich an Wahlkampfauftritte auf dem Römerberg, „wo immer die Eier flogen“. Wenn es auf den Römerberg ging, habe seine Frau Hannelore immer gesagt: „Zieh einen alten Anzug an!“

Helmut Kohl gratuliert Petra Roth zum 60. Geburtstag. Bild-Zoom
Helmut Kohl gratuliert Petra Roth zum 60. Geburtstag.

Der 95-jährige CDU-Kreisvorsitzende Ernst Gerhardt kennt Kohl seit den 60er Jahren, als dieser noch CDU-Fraktionschef im rheinland-pfälzischen Landtag war. „Wenn Kohl sprach, kamen bis zu 25 000 Menschen auf den Römerberg“ sagt Gerhardt.

Nach Kohls engagiertem Auftritt in Höchst lud ihn die Frankfurter CDU zum Essen ein, in das damalige Restaurant „Remise“ im sogenannten Pferdestall, dem Palais Livingston. Es war ein Ereignis, das Thomas Feda, heute Chef der Tourismus * Congress GmbH, nie vergessen wird. Es war ein Drei-Gänge-Menü vereinbart. Kohl ergreift die Speisekarte, liest die Gerichte und sagt: „Dass ess’ ich nicht!“ Dabei war das Menü mit seiner Büroleiterin Juliane Weber abgesprochen.

Eier mit Pilzen gewünscht

Entsetzte Gesichter bei den Gastgebern. Was will der Vater der Deutschen Einheit dann? „Eier mit Pilzen“. Schließlich ist im Herbst Pilzsaison. Doch Pilze hat der ebenfalls entsetzte Koch des Restaurants nicht. Feda greift zum Telefon, ruft im „Frankfurter Hof“ an und erklärt den Notfall. Dort haben sie Pilze, frische Pfifferlinge sogar. „Nach gut einer Viertelstunde trifft eine gewaltige Schüssel Eier mit Pilzen in einer Servierschüssel ein“, erinnert sich Feda. Es ist eigentlich eine Portion für die gesamte kleine Gruppe. Der hungrige Kohl macht sich sofort über die Riesenportion her. Statt Messer und Gabel benutzt er einfach den Servierlöffel. Die Frankfurter CDU-Größen sind erleichtert und begnügen sich mit dem bestellten Menü. Für Feda ist das Ereignis noch heute ein Beleg für Kohls Bodenständigkeit.

In Höchst hatte Kohl der jüngeren Politikergeneration vorgehalten, dass es nicht darauf ankomme, wer die besten Zigarren rauche und Designeranzüge trage, sondern dass jemand Charakter habe. Denn: „Es kommt die Stunde, in der sie Ja oder Nein sagen müssen. Das kann schicksalshaft sein.“

Frankfurts Ehrenbürger hat sich in den Dienst seienes Vaterlandes gestellt und den Begriff Vaterland in Deutschland rehabilitiert. Sein Schicksal hat sich am Freitag in seiner Heimatstadt Ludwigshafen vollendet.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse