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Keine schnelle Lösung in Sicht: Ernst-May-Siedlung: Leerstand in Westhausen

Trotz der großen Wohnungsnot in Frankfurt stehen seit Jahren Immobilien der Nassauischen Heimstätte in der Siedlung Westhausen leer, der Verkauf an Mieter kommt nur schleppend voran. Das Unternehmen informierte am Dienstag Abend rund 50 Zuhörer in der Cyriakus-Gemeinde über den Stand der Dinge.
Mit Stangen zum Teppichausklopfen im Vorgarten und den Reihenhäusern ist die Siedlung Westhausen ein anheimelndes Wohngebiet. Doch der Verkauf der Immobilien durch die Nassauische Heimstätte an die Mieter verläuft zäh, weil sich das nicht jeder leisten kann. Bilder > Foto: Rainer Rüffer (Rueffer) Mit Stangen zum Teppichausklopfen im Vorgarten und den Reihenhäusern ist die Siedlung Westhausen ein anheimelndes Wohngebiet. Doch der Verkauf der Immobilien durch die Nassauische Heimstätte an die Mieter verläuft zäh, weil sich das nicht jeder leisten kann.
Westhausen. 

Wer in Frankfurt eine Wohnung sucht, der muss sich auf eine lange „Jagd“, ebensolche Warteschlangen bei Besichtigungen und etliche Absagen einstellen. Die Wohnungsnot in der Mainmetropole ist und bleibt ein Thema, das die Menschen besorgt und verunsichert. Da ist es wenig überraschend, dass ein Leerstand von Wohnungen auf Unverständnis stößt – wie etwa in der Siedlung Westhausen. Immer wieder ist dieser Zustand ein Thema im Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Westhausen, Rödelheim). Wie kann es sein, dass trotz der Wohnungsnot Wohnraum ungenutzt bleibt? Vertreter der Nassauischen Heimstätte (NH), die Inhaberin von 327 Wohnungen in der Siedlung ist, stellten sich in der jüngsten Ortsbeiratssitzung den Fragen der Bürger und Stadtteilpolitiker und informierten über die aktuelle Lage.

Ein Drittel ist verkauft

Katharina Pilz, Vertriebsleiterin der NH-Bestandsimmobilien, erklärte, etwa ein Drittel der Wohnhäuser seien in den vergangenen drei Jahren im Zuge des NH-Programms „Mieterprivatisierung“ in der Siedlung verkauft worden. Der vollständige Verkauf werde nach wie vor angestrebt. Den Anstoß dazu hätten im Jahr 2013 der Aufsichtsrat und die Wünsche der Mieter gegeben. Doch inzwischen stellte sich heraus, dass viele Bewohner nicht ihre Wohnung kaufen wollen, sondern eher an kompletten Häusern interessiert seien. Doch könnten sich etliche dies nicht unbedingt leisten. Und wer nicht kaufen wolle, dürfe trotzdem Mieter bleiben, lautete stets das Credo der Heimstätte. Eigenbedarfskündigungen kommen für die Wohnungsgesellschaft nicht infrage.

Wenn aber lediglich eine der beiden Wohnungen in den jeweils zweistöckigen Häusern bewohnt ist, wird die leerstehende nicht neu vermietet – für den Fall, dass in absehbarer Zeit doch ein Verkauf zustande kommen könnte. Aus diesem Grund stehen aktuell 37 Wohnungen leer. „Wir haben im Jahr 2013 begonnen, Kaufpreisangebote an die Mieter zu versenden. Wir werden deshalb aber niemanden dazu drängen, seine Wohnung zu verlassen, nur weil er sie nicht kaufen kann oder möchte. Die Mieter sollen ohne Kaufdruck entscheiden können“, betonte Pilz.

Die NH habe aber versucht, den Mietern „behutsam“ einen internen Umzug in Westhausen anzubieten. Dies habe im vergangenen halben Jahr in fünf Fällen funktioniert, erläutert Sandra Gesper, zuständig für die Vermietung und Instandhaltung der Wohnungen. Doch auch zu dieser Maßnahme wolle man keinen der Mieter drängen. „Momentan bestehen die Kaufangebote auf unbefristete Zeit“, so Pilz.

Doch was geschieht nun mit dem leerstehenden Wohnraum? „Etwaige Zwischennutzungen durch soziale Einrichtungen sind im Gespräch. Wir können uns Kooperationspartner wie die Caritas oder Betreutes Wohnen vorstellen. Auch für die Unterbringung von Flüchtlingen wären die Wohnungen eine Option. Die Stadt Frankfurt hatte bereits angefragt“, erklärte Holger Lack, Regionalcenter-Leiter der NH. Daraufhin wurde es unruhig im Saal, der Vorschlag, Flüchtlinge einziehen zu lassen, gefiel vielen nicht. „Wie wäre es denn mit Studentenwohnungen?“ schlug Ingrid Pludra vor, die nahezu ihr ganzes Leben in Westhausen verbracht hat und in der Siedlung inzwischen Hauseigentümerin ist. Mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) sei man im Gespräch, Genaueres sei jedoch noch nicht in Planung, antworteten die NH-Vertreter.

Es gibt Sanierungsbedarf

Um eine sinnvolle Zwischennutzung der leerstehenden Wohnungen zu ermöglichen, müssten einige Wohnungen aber erst noch saniert und renoviert werden, da sie teilweise nicht bewohnbar seien, wendeten einige Siedlungsbewohner kritisch ein. Eine Bürgerin berichtete, die Erdgeschosswohnung in ihrem Haus sei schon seit Jahren abgeriegelt; darum seien unter anderem die Leitungen dort gar nicht mehr funktionstüchtig. „In so einem Fall müsste man die Leitungen neu legen und alles so herrichten, dass ein Neubezug möglich ist“, entgegnet Katharina Pilz. Die Mehrkosten für eine Sanierung seien wiederum auf den möglichen späteren Käufer umzulegen – wie es auch bei den bislang sanierten Häusern der Fall war.

Anwohner Roland Sautner betonte, man müsse ohnehin mehr in den Bestand investieren, auch wenn ein Mieter ein Haus nicht kaufen wolle. Einige der Immobilien würden in renovierungsbedürftigem Zustand verkauft, die Instandsetzung müsse dann der Käufer tragen und dabei auch noch die Auflagen des Ensembleschutzes einhalten. „Das ist alles andere als ein Anreiz für einen Kauf“, monierte Sautner. Doch aus Sicht der Nassauischen Heimstätte sei dieser Umstand durch die niedrigen Kaufpreise zwischen 150 000 und 185 000 Euro pro Haus gerechtfertigt.

Obwohl die NH durch vorübergehende Zwischennutzungen der Wohnungen den Leerstand in der Siedlung Westhausen verringern möchte, gab es an diesem Abend seitens der Heimstätten-Vertreter weder genaue Informationen über die Art oder den Zeitraum dieser Zwischennutzungen noch über etwaige geplante Sanierungsverfahren. Regionalcenter-Leiter Lack und seine Kolleginnen gaben jedoch zu verstehen, dass sie sich der Dringlichkeit der Angelegenheit bewusst seien und aufgrund des wachsenden Druckes seitens der Bewohner nun intensiver über die Lage in der historischen May-Siedlung beraten würden.

Magistrat ist gefordert

Der Ortsbeirat 7 fordert nun den Magistrat auf, sich aktiv an der Bekämpfung des Wohnungsleerstandes in Westhausen zu beteiligen. Das heißt aufs Neue: Abwarten.

Siedlung mit Geschichte

Westhausen ist die letzte der Siedlungen, die im Rahmen der Wohnungsbautätigkeit der May-Ära, dem Neuen Frankfurt, entstanden ist. Baubeginn war der 15. September 1929.

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