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Wenige Anmeldungen an den wohnortnächsten Schulen: Erstklässler: Eltern sind oftmals nicht mit zugewiesenen Schulen einverstanden

Von Die Eltern von Erstklässlern können die Grundschule nicht frei wählen. Nur in begründeten Ausnahmefällen dürfen sie ihr Kind auf eine Schule außerhalb der sogenannten Schulbezirksgrenzen schicken. Über 500 Frankfurter Eltern stellten einen solchen Antrag. Den meisten wurde stattgegeben.
In welche Schule die Erstklässler zum Schuljahresbeginn am nächsten Montag gehen, regeln die von der Stadt gezogenen Schulbezirksgrenzen. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) In welche Schule die Erstklässler zum Schuljahresbeginn am nächsten Montag gehen, regeln die von der Stadt gezogenen Schulbezirksgrenzen.
Frankfurt. 

Kurze Beine, kurze Wege: Nach diesem Motto hat das hessische Schulgesetz überall sogenannte Schulbezirksgrenzen, auch Schulsprengel genannt, festgelegt. Die Jüngsten sollen möglichst heimatnah zur Schule gehen können, damit sie keinen langen und umständlichen Weg zurücklegen müssen. Deshalb ist auch in Frankfurt genau festgelegt, welche Erstklässler welche der 80 Grundschulen oder der Schulen mit Grundschulzweig besuchen müssen. Insgesamt existieren nach Angaben von Jetta Lüdecke, Leiterin des Büros der Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), auch genau so viele Schulsprengel in der Mainmetropole. Der Schulträger, das ist die Stadt, bildet die Schulbezirke. Festgelegt werden sie im Schulentwicklungsplan, der durch einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Gültigkeit erhält.

Nicht alle Eltern sind mit der zugewiesenen Schule einverstanden. 526 Eltern haben vor dem Beginn des Schuljahres einen Antrag gestellt, dass sie ihr Kind auf eine andere als die zugewiesene Schule schicken wollen. Das Staatliche Schulamt als Aufsichtsbehörde hat die meisten dieser Anträge genehmigt. 88 wurden indes abgelehnt, 16 haben die Eltern von sich aus zurückgezogen. Diese Zahlen nannte Wolfgang Kreher, der Leiter des Staatlichen Schulamts. Dieses Jahr werden in Frankfurt nach der Prognose 24 671 Grundschulkinder inklusive der Vorklassen erwartet. Das sind 1300 mehr als im vergangenen Jahr. Der Anteil der Eltern, die ihr Kind an einer anderen als der festgelegten Schule unterrichten lassen, liegt damit bei rund zwei Prozent.

Betreuungsgründe zählen

„Üblicherweise werden die Anträge mit der Betreuung vor, während und nach der Schule begründet“, erklärte Kreher. Das heißt: Eltern schicken ihre Kinder dann nicht auf die amtlich vorgesehene Stammschule, wenn ihr Arbeitgeber eine Kinderbetreuung organisiert hat. Oder wenn eine Oma in einem anderen Stadtteil das Kind von der Schule abholen kann. Dazu muss eine Meldebescheinigung der Oma oder ein Nachweis des Arbeitgebers vorgelegt werden. Das Schulgesetz sieht aber auch noch andere Möglichkeiten vor: Wenn die vorgesehene Schule aufgrund der Verkehrsverhältnisse nur unter besonderen Schwierigkeiten zu erreichen ist, kann ebenfalls eine Ausnahme gemacht werden. Das wäre der Fall, wenn ein Kind zum Schulbesuch eine gefährliche Stadtautobahn überqueren müsste. Auch pädagogische Gründe spielen eine Rolle. Ein Kind im Rollstuhl kann die Schule wechseln, wenn die zugewiesene nicht behindertengerecht ausgebaut ist. Wie eine Schulleiterin erklärte, sei es relativ leicht, sein Kind an eine andere als die zugewiesene Schule zu lotsen. „Wir haben noch nie erlebt, dass jemand abgewiesen wurde“, sagte sie.

Thomas Remlein
Kommentar

Sollten in einem freien Land nicht auch die Eltern von Erstklässlern entscheiden können, welche Schule ihr Kind besuchen soll? Was wie eine berechtigte Frage klingt, ist auf den zweiten Blick problematisch.

clearing

Dennoch gibt es Grenzen: Der Übertritt des Kindes an eine andere Grundschule darf dort nicht zu einer zusätzlichen Klassenbildung führen. Für die erste Klasse gilt in Hessen als Höchstgrenze 25 Kinder. Kommt nun von außerhalb ein 26. Erstklässler hinzu, müsste an dieser Grundschule statt nur einer eine zweite Klasse gebildet werden, was die Personalkosten für Lehrkräfte erhöhen würde.

Der Leiter des Staatlichen Schulamtes, Kreher, hält die Schulbezirksgrenzen für die Planung und die Verlässlichkeit für wichtig: „Auch um die Unterrichtsversorgung sicherzustellen.“

FDP gegen Sprengelpflicht

Die FDP würde die Sprengelpflicht gerne abschaffen und aus ganz Frankfurt einen einzigen Schulbezirk machen. Den FDP-Stadtverordneten Stefan von Wangenheim stört, „dass Eltern keinen Anspruch auf einen Schulwechsel haben, sondern dass es eine bürokratische Ermessensentscheidung bleibt“. Würden Eltern die Grundschule frei wählen können, müssten diese stärker an ihrer Qualität arbeiten. „Das würde den Wettbewerb der Schulen untereinander fördern“, ist Wangenheim überzeugt.

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