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Dom-Römer-Projekt: Erstmals zugänglich: Großer Andrang auf die neue Frankfurter Altstadt

Von Rund 7500 Neugierige haben am Freitag die erste Gelegenheit genutzt, über den rekonstruierten Krönungsweg in der Altstadt zwischen Dom und Römerberg zu spazieren. Zeitweise war der Andrang so groß, dass der Zugang gesperrt werden musste.
Christian Setzepfand bei der  Führung über den Krönungsweg an. Krönungsweg, Römerberg, Innenstadt, Frankfurt. Aufgenommen am 09.02.2018. Foto: Leonhard Hamerski Christian Setzepfand bei der Führung über den Krönungsweg an. Krönungsweg, Römerberg, Innenstadt, Frankfurt. Aufgenommen am 09.02.2018.
Frankfurt. 

Die Gäste müssen nicht warten. Mit dem 11-Uhr-Schlag der Dom-Turmuhr kommt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) aus dem Römer zur Altstadt-Baustelle, um über den Krönungsweg zu führen. Doch neben ihn drängen auch zwei Frauen, eine im orangefarbenen Schal, die andere in einer gleichfarbigen Windjacke. Es sind Feldmanns Vorgängerin Petra Roth (CDU) und deren Parteifreundin Bernadette Weyland, die den Amtsinhaber ablösen will.

„Wahlkampf können wir auch“, sagt Weyland. Sie spielt damit an auf den Vorwurf, der Krönungsweg sei nur aus taktischen Gründen kurz vor der OB-Wahl für einen Tag geöffnet worden. Tatsächlich hatte die städtische Dom-Römer GmbH das erst für März geplant, den Termin aber auf Veranlassung Feldmanns vorgezogen. Das schmeckte vor allem der CDU nicht – die dem SPD-Politiker zudem vorwarf, er schmücke sich mit fremden Federn, da er noch vor sechs Jahren das Altstadt-Projekt aus finanziellen Gründen auf Eis legen wollte.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski

Am Freitag ist der Oberbürgermeister von einer großen Menschenmenge umringt, als er Anekdoten rund um die Altstadt erzählt. Einfacher ist es, ein paar Meter entfernt Christian Setzepfand zuzuhören. Der Stadtführer hat um 11 Uhr bereits seinen fünften Einsatz, viele weitere werden an diesem Tag noch im Halbstundentakt folgen. „Ich muss aufpassen, dass ich nichts durcheinanderbringe“, sagt er über die Endlosschleife zur Stadtgeschichte, die er den Besuchern vorträgt. Die erfahren zum Beispiel, dass das „Rote Haus“ so heißt, weil die Metzgerinnung damals ihren Mitgliedern vorschrieb, ihre Gebäude alle drei Jahre mit Ochsenblut zu streichen.

Heute nimmt man dafür andere Farbstoffe, aber rot ist das Gebäude neben der Kunsthalle Schirn mittlerweile tatsächlich. Eine Metzgerei wird dort auch wieder einziehen, die Firma Dey hat sich die Räume gesichert. Am Freitag bietet sie einen kleinen Vorgeschmack, verkauft aus einem Imbisswagen vor dem Kunstverein Brat- und Rindswürste.

Bilderstrecke Frankfurt Historisch: So sah die Altstadt früher aus
Der Römerberg im Jahr 1924.Der historische Domplatz und das Lutherhaus im Jahr 1904.Das "Roseneck", eine Häusergruppe in der großen Fischergasse, wurde im zweiten Weltkrieg zerstört.

Beim „Roten Haus“ wird die zwischenzeitlich eingetretene Verzögerung im Bauablauf langsam aufgeholt. Anders bei einer anderen bedeutenden Rekonstruktion, der „Goldenen Waage“ neben dem Dom. Dort herrscht Baustopp, nach der Insolvenz eines Unternehmens muss die technische Ausstattung neu geplant werden. Und auch bei der Einrichtung der Räume in den oberen Geschossen, die vom Historischen Museum genutzt werden, sind noch einige Fragen offen. Bis zur offiziellen Eröffnungsfeier der Altstadt im September soll aber zumindest das Café im Erdgeschoss fertig sein.

Nicht alles barrierefrei

An den übrigen Häusern wird trotz des Andrangs am Freitag unter Hochdruck gearbeitet. Die Dom-Römer GmbH wollte die Baustelle nicht lahmlegen und plante nur eine Veranstaltung im kleinen Rahmen, wie Geschäftsführer Michael Guntersdorf betont. Er kommt deshalb auch mit einem Budget in vierstelliger Höhe aus.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski

Nicht alle Besucher sind rundum begeistert. Am Beginn des Krönungswegs haben sich Mitglieder der Frankfurter Behinderten-Arbeitsgemeinschaft (FBAG) versammelt. Sie kritisieren, dass nicht alle Läden und Lokale in den Erdgeschossen barrierefrei zugänglich sind. Susanne Bell, Sprecherin des FBAG-Fachausschusses Bauen, zählt die Probleme auf: Drei Häuser sind nur über Stufen erreichbar, bei vier Gebäuden müssen Behinderte den Hintereingang nehmen, in einem Fall muss per Klingel eine mobile Rampe angefordert werden. Beim „Roten Haus“ sei nur der Straßenverkauf stufenlos erreichbar. „Neue Bauten sollten ausnahmslos barrierefrei sein“, meint Susanne Bell.

Lob von früheren Kritikern

Rundum begeistert ist hingegen Jochem Heumann. „Es ist ganz großartig geworden.“ Der ehemalige CDU-Stadtverordnete war an den Beschlüssen zum Altstadt-Projekt in erster Reihe beteiligt und kann sich auch noch an die Widerstände erinnern. „Die SPD wollte das nicht“, sagt er. Doch auch die früheren Kritiker sind gekommen. Der ehemalige SPD-Stadtverordnete Arnold Weber, der als Kind noch die zerstörten Altstadthäuser gesehen hat, räumt ein, dass er den Wiederaufbau anfangs skeptisch gesehen habe. Aber das Ergebnis gefällt ihm gut. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es so schön wird.“ Und er findet lobende Worte für die Initiatoren: „Diejenigen, die sich dafür stark gemacht haben, verdienen Respekt.“

Bilderstrecke Frankfurts Altstadt in neuem Glanz - Wir zeigen Alt und Neu
1944 wurde die Altstadt bei einem Bombenangriff zerstört - Wir zeigen wichtige Gebäude im Original und als Rekonstruktion. Der Hof zum Rebstock entstand Mitte des 18. Jahrhunderts. Er zählte zu den bekanntesten Gasthäusern der Stadt.So soll er bald aussehen. Das ehemalige Wohn- und Wirtshaus bestand aus drei Geschossen, davon eines aus Stein, die anderen beiden zwei waren Fachwerkgeschosse.Im Haus "Esslinger" wohnte die Tante von Johann Wolfgang von Goethe, und ließ die Familie Goethe dort wohnen, während das eigene Haus umgebaut wurde.
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