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Esser-Anlage als neuer Treffpunkt

Der Heimatverein Eckenheim feiert morgen sein 20-jähriges Bestehen. Ein rundum glückliches Geburtstagskind ist der Verein jedoch nicht, zu sehr sorgen sich die Mitglieder um die Zerrissenheit des Stadtteils und das Fehlen eines Ortsmittelpunktes zum gemeinsamen Treffen.
Werner Pfeiffer, Hildegard Esser, die Witwe von Georg Esser, Sylvia Pfeiffer und Günther Imhof (v.l.).	Foto: Kilb Bilder > Werner Pfeiffer, Hildegard Esser, die Witwe von Georg Esser, Sylvia Pfeiffer und Günther Imhof (v.l.). Foto: Kilb
Eckenheim. 

Mit Ehrendenkmälern ist das hierzulande so eine Sache: Um die gefallenen Soldaten der Weltkriege zu würdigen, wurden die Denkmäler vor Jahrzehnten geschaffen. Für heutige Generationen sind sie jedoch eher ein Symbol des Schams. Ihre Bedeutung schwindet umso mehr, je mehr Zeitzeugen des Krieges aus dem Leben scheiden.

Mit Eckenheim verhält es sich ähnlich: Diejenigen, die im Stadtteil geboren wurden, werden immer weniger, und somit auch diejenigen, die Eckenheim für seine Eigenheiten schätzen. Der Stadtteil zergliedert sich in einen alten Ortskern, Quartiere aus Zugezogenen und Problemviertel. Orte und Gelegenheiten, an denen Eckenheim zusammen kommt und die Bürger dort sich als Eckenheimer sehen, gibt es kaum.

Für Werner Pfeiffer, den ersten Vorsitzenden im Heimatverein Eckenheim, sind das Ehrendenkmal auf der Georg-Esser-Anlage am alten Eckenheimer Friedhof und letztere Identitätskrise auf eine gewisse Weise untrennbar miteinander verbunden. Am morgigen Samstag feiert der Verein das 20-jährige Bestehen. Das Fest beginnt um 11 Uhr im Hof der Bücherei Camp in der Eckenheimer Landstraße 352.

Eigentlich jedoch würde der Heimatverein seinen Geburtstag gerne an einem Ort in zentraler Lage feiern, einem Ort mit geschichtsträchtiger Bedeutung, an dem weitere Feste folgen und der sich daraufhin zu einer Art Mittelpunkt Eckenheims entwickeln könnte. Ein Ort wie die Georg-Esser-Anlage.

Dem Verfall preisgegeben

Ein Fest dort könnte aus Sicht von Pfeiffer auch die Wertschätzung für den Ort stärken. Groß ist sie nicht. „Die Anlage und das Ehrendenkmal sind dem Verfall preisgegeben. Die Stadt hat dort eigentlich alles falsch gemacht und immer nur ausgebessert“, berichtet Esser.

Sein Verein habe der Stadt zwar angeboten, die Anlage sowie das Ehrendenkmal für wenig Geld zu erhalten. Wie Pfeiffer erzählt, sei man damit jedoch bei der Stadt auf Granit gestoßen. Zwar sei das Kulturamt inzwischen bereit, die Anlage zu erhalten. Jedoch mehr aus historischen als gesellschaftlichen Gründen.

Dabei könnte die Esser-Anlage mit ein wenig Arbeit zu einem Ort für Feste aller Art im Stadtteil werden. „Kulturelle Feste könnten dort steigen, mit internationalen Ständen, also Kulinarischem aller Art, was auch Menschen ausländischer Herkunft anlockt“, so Pfeiffer.

Zerrissener Stadtteil

Er erinnert sich an die ersten Jahrzehnte nach der Eingemeindung Eckenheims im Jahr 1910, als der Stadtteil noch den Charakter eines Gärtner- und Bauerndorfs besaß und fast ein jeder sich dort kannte. „Nach dem Krieg kamen dann die Flüchtlinge aus dem Osten, Gastarbeiter und Asylbewerber. Die Stadt brauchte Wohnraum, schuf diesen, indem sie große Mehrfamilienhäuser baute und ehemalige Kasernen umwidmete. Doch die Menschen dort haben bis heute nicht viel mit dem übrigen Eckenheim zu tun“, so Pfeiffer.

Am fehlenden Interesse liegt es aus Pfeiffers Sicht nicht: „Das ist vorhanden, wenn man den Leuten auf der Straße begegnet und sie fragt, auch bei den Jungen. Die Stadt müsste nur mal etwas Geld in die Hand nehmen.“

Der Eckenheimer Heimatverein sieht das Ziel darin, über die Geschichte des Stadtteils zu informieren. „Wir möchten aber auch Altes mit Neuen erhalten“, sagt der Vorsitzende Pfeiffer. Die Ideen des Heimatvereins für die Esser-Anlage sind ein Sinnbild dafür.

(bki)
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