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Nu Soul gegen die Deka Bank: Ex-Clubchefs gehen im Rehberger-Prozess leer aus

Weit über ein Jahr zog sich der Prozess um ein zerstörtes Kunstwerk gegen die Deka Bank hin – nun wurde die Klage abgewiesen. Doch das wird nicht der letzte Akt sein.
Künstler Marek Kochanowcz posiert im Oktober 2013 in der Galerie Punkt in der Installation "Und wohin geht das Licht" mit Teilen der von Rehberger entworfenen Inneneinrichtung des Clubs "Nu Soul". Foto: Kammerer Bilder > Künstler Marek Kochanowcz posiert im Oktober 2013 in der Galerie Punkt in der Installation "Und wohin geht das Licht" mit Teilen der von Rehberger entworfenen Inneneinrichtung des Clubs "Nu Soul". Foto: Kammerer
Frankfurt.  Der Deka Bank muss gestern ein Stein vom Herzen gefallen sein – wenige Minuten nachdem das Landgericht die Klage der ehemaligen Betreiber des Clubs „NuSoul“ abgewiesen hatte, trudelte die Stellungnahme „einer Sprecherin der Bank“ im Mailpostfach dieser Zeitung ein: „Die Vorwürfe gegen die Deka entbehren jeder Grundlage und deshalb hat das Landgericht die Klage zu Recht abgewiesen.“

Was war geschehen? Nach der Räumung des Szene-Clubs „NuSoul“ im Frankfurter Ostend unweit der neuen EZB wegen Mietzahlungsrückstand verschwindet ein teures Kunstwerk aus den Räumen, die einer Immobilientochter der Deka Bank gehören. Die begehbare Installation hatte der renommierte Städelprofessor und Kunst-Biennale-Sieger Professor Rehberger entworfen und den Betreibern überlassen. Diese verlangten Schadenersatz von der Bank – 2,95 Millionen Euro.

Das begehbare Kunstwerk war nach Angaben der Kläger nach der Räumung des Clubs Anfang 2012 abmontiert und weggebracht worden. Das Gericht hatte in mehreren Sitzungen zuerst versucht zu klären, ob das Kunstwerk tatsächlich Eigentümer der klagenden Clubbesitzer-Brüder war. Dann wurde versucht zu klären, ob man ihnen vor der Räumung den Zugang zu dem Club verweigert hat, so dass sie das Kunstwerk nicht abbauen konnten.

In dem ergangenen Urteil bezieht sich das Gericht auf die Eigentümerfrage. Nach Meinung des Vorsitzenden ist das Kunstwerk nicht das Eigentum der Clubbetreiber, sondern eher der insolventen Betreiber-GmbH des „NuSoul“.

Im Wortlaut argumentierte das Gericht folgendermaßen: „Die Kammer hat einen Schadensersatzanspruch der Kläger abgelehnt. Es könne dahinstehen, ob die Kläger – und nicht die Betreiber-GmbH – überhaupt Eigentümer der Inneneinrichtung gewesen seien. Die Beklagte (die Deka Bank) hatte zum Zeitpunkt des Besitzerwerbs weder Kenntnis noch grob fahrlässige Unkenntnis davon, dass die Kläger vermeintlich Eigentümer der Kunstgegenstände waren“.

Dieses Fazit ist dem Anwalt der Kläger unverständlich. „Das Urteil ist für mich überraschend und auf den ersten Blick falsch“, sagt er auf Anfrage. Die Club-Betreiber wollen dagegen beim Oberlandesgericht in Berufung gehen. Vor allem die Argumentation der Kammer, dass die nach Ansicht der Kläger bereits eindeutig geklärte Eigentümerfrage nun ausschlaggebend für das Abweisen der Klage ist, stößt dem Anwalt und den Klägern auf. Außerdem stellen sie die unter Eid geleisteten Aussagen der gehörten Zeugen in Frage und wollen deren Glaubwürdigkeit mit Beweisen erschüttern. Es geht also in eine weitere Runde in diesem Millionen-Prozess.  b.to
 

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