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Kränkung, Rückzug, Neuanfang: Ex-Dezernentin Sarah Sorge berät ab Januar Politiker

Von Ihr ganzes Berufsleben lang war sie Politikerin gewesen, dann musste sie im Juni 2016 den Magistrat verlassen. Sarah Sorge von den Grünen fiel die Umstellung anfangs schwer. Nun will sie ihre in Landtag und Römer gemachten Erfahrungen weitergeben.
Sarah Sorge im November 2017. Foto: Rainer Rüffer Sarah Sorge im November 2017.
Frankfurt. 

Bei der Kommunalwahl 2016 verloren die Grünen 10,5 Prozent. In dieser Lage war klar, dass Köpfe rollen würden. Die Grünen verloren zwei ihrer vier Dezernentenposten. Einer davon war der von Bildungsstadträtin Sarah Sorge, der andere der ihres Parteifreundes, des Planungsdezernenten Olaf Cunitz. Während Cunitz seine Abwahl gegenüber den Parteifreunden öffentlich kritisierte, nahm Sorge den erzwungen Rückzug sportlich, auch wenn sie sagt: „Zunächst ist so etwas schon in gewisser Art und Weise eine Kränkung.“ Aber Demokratie sei eben die Übernahme von Macht auf Zeit. „Dass diese Zeit einmal vorüber ist, ist damit auch klar“, betont sie.

Keine Sofortrente

Inzwischen ist sie jedoch froh, „dass ich dadurch die Chance habe, mit Abstand, einer Art Adlerblick, das politische Geschehen betrachten zu können“. Sie habe nun „eine andere Perspektive auf die Politik und auf sich selbst, die ich nicht missen möchte“. Ihr gesamtes bisheriges Berufsleben war Sorge nach den Studium der Politikwissenschaft hauptamtliche Politikerin. Sie saß für die Grünen im hessischen Landtag, war dort Landtags-Vizepräsidentin, später Bildungsdzernentin in Frankfurt.

Nach der Abwahl als Bildungsdezernentin stand Sorge vor einem beruflichen Neuanfang. Anders als viele ihrer Vorgänger kann sie infolge einer Regelungänderung nach vier Jahren im Magistrat nicht die lebenslange Sofortrente für ehemalige Dezernenten beziehen. Dazu muss man nun dem Gremium mindestens fünf Jahre lang angehören. Bei ihr waren es nur vier.

Und 2014 im Römer. Bild-Zoom Foto: (FNP)
Und 2014 im Römer.

Ihre Landtagsrente kann sie nach dem 55. Lebensjahr beanspruchen. Genau das hat sie aber nicht vor, denn: „Das haben die Grünen schon immer blöd gefunden.“ So entschied sie sich, eine Ausbildung als Coach zu machen.

Ein Grund dafür war die eigene Erfahrung. Als sie Dezernentin wurde, hat sie einen geeigneten Berater gesucht. Sie fand aber niemanden, der die Kultur von Politik und schon gar nicht die von Verwaltung verstanden hätte. Sorge nennt ein Beispiel: „In Verwaltungsstrukturen kommt man bei der inneren Emigration eines Mitarbeiters mit autoritären Mechanismen nicht weiter.“ Da müsse man für Motivation sorgen. Jetzt will sie ihre Erfahrungen an nachfolgende Frauen an der Spitze von Politik und Verwaltung weitergeben und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Im Gegensatz zu ihrem Leben als Dezernentin, „in dem man nie Pause hat und mit Tempo unterwegs ist“, will sie in der zweiten Hälfte ihres Berufslebens „mit weniger Volldampf in der Maschinerie unterwegs sein“.

Selbsterforschung

Zum nötigen Abstand zum Politiker-Stress zwang sie auch die schwere Krankheit eines engen Familienmitgliedes. „Ich habe mich zurückgezogen“, sagt sie. Aber auch die Coaching-Ausbildung habe ihr dabei geholfen. „Man lernt, sich auf professionelle Art neben sich selbst zu stellen und anderen ebenfalls beizubringen, sich neben sich selbst zu stellen.“ Sorge will andere Menschen im Berufscoaching dazu bringen, sich darüber klar zu werden, „was man selbst will, wie man ist und wo man hin will“. Grundlagen dafür sieht sie in ihren Erfahrungen als Landtags-Vizepräsidentin. „Ich kann gut vermitteln und zuhören.“

Mitte Januar startet sie in ihr neues Berufsleben. Die ersten Anfragen gibt es schon. Und nicht nur aus Politik und Verwaltung, sondern auch aus der Wirtschaft.

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