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Landgericht Frankfurt: Exorzismus-Prozess - Sohn bestreitet tödliche Schläge gegen Mutter

War es eine Teufelsaustreibung mit tödlichem Ausgang? Der Sohn einer ums Leben gekommenen Mutter sagt in einem Frankfurter Mordprozess Nein. Er habe sie nur leicht geschlagen.
In diesem Frankfurter Hotel am Mainufer soll eine 41-jährige Koreanerin durch einen Exorzismus qualvoll gestorben sein. Foto: Boris Roessler (dpa) In diesem Frankfurter Hotel am Mainufer soll eine 41-jährige Koreanerin durch einen Exorzismus qualvoll gestorben sein.
Frankfurt.  Im Frankfurter Mordprozess um eine mutmaßliche Teufelsaustreibung mit tödlichem Ende hat der mitangeklagte Sohn des Opfers tödliche Schläge gegen seine Mutter bestritten. Vor dem Landgericht ließ der 16-jährige am Mittwoch über seinen Verteidiger erklären, er habe seiner Mutter nicht - wie in der Anklage behauptet - mit voller Kraft gegen den Brustkorb geschlagen, sondern nur leicht. Er sei vorher auch von einer Mitangeklagten dazu aufgefordert worden. «Ich wusste doch überhaupt nicht, was in dieser Situation zu tun sei», verlas der Anwalt die Aussage des Angeklagten.

Vom Tod der Mutter habe er erst viel später erfahren und sei darüber «völlig geschockt» gewesen. «Ich vermisse sie sehr», hieß es in der Erklärung des Angeklagten. «Sie hat mich als ihren ältesten Sohn besonders geliebt.»

Vor Gericht müssen sich seit Oktober fünf koreanische Angeklagte wegen gemeinschaftlichen Mordes an dem 41 Jahre alten Opfer verantworten. Laut Anklage starb die Frau eines «grausamen Erstickungstodes» in einem Hotelzimmer, was ein Mordmerkmal darstellt. Nach derzeitiger Planung soll der Prozess noch im Februar abgeschlossen werden.

Der 16-jährige berichtete von anderen Teufelsaustreibungen, die beispielsweise bei seinem kleineren Bruder ohne größere Konsequenzen vorgenommen worden seien. Ein im Zeugenstand vernommenes Mitglied der koreanischen Kirchengemeinde in Schwalbach bestritt aber zuvor, dass es dort überhaupt so etwas gebe. Ein Exorzismus sei in der Gemeinde «unvorstellbar». Die fünf Angeklagten hätten häufig die Betstunden in der Kirche besucht. Als eines der Kinder plötzlich von einer «Schlange« gesprochen habe, die bei ihm ein- und ausgehe, sei sie «sehr erschrocken» gewesen, sagte die 51 Jahre alte Frau.

Die Staatsanwaltschaft beantragte zwischenzeitlich die Beschlagnahme mehrerer Briefe, die in der Haftzelle der 44 Jahre alten Mitangeklagten aufgefundene worden waren. Der Inhalt der Schreiben soll offenbar mit der Tötung der Frau in dem Hotelzimmer zusammenhängen. Die Papiere sollen möglicherweise dem Psychiater zur Prüfung vorgelegt werden, der in der kommenden Woche sein Gutachten erstatten wird.

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