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Exoten erobern Heddernheim

In Wiesbaden, rund um Köln und Heidelberg flattern freilebende Halsbandsittiche schon seit Jahrzehnten durch die Parks. Nun wurden sie auch in Heddernheim gesichtet.
Die possierlichen grünen Tiere verbreiten in Heddernheim ein tropisches Flair. Eigentlich sind die Papageien in Afrika und Asien zu Hause. Nun wurden sie auf dem Campingplatz an der Nidda entdeckt. Foto: Proff Die possierlichen grünen Tiere verbreiten in Heddernheim ein tropisches Flair. Eigentlich sind die Papageien in Afrika und Asien zu Hause. Nun wurden sie auf dem Campingplatz an der Nidda entdeckt. Foto: Proff
Heddernheim. 

Fast ein bisschen frech schauen sie vom Baum herab: zwei Halsbandsittiche. Würden sie ihren Kopf etwas neigen, könnte der sachkundige Vogelbeobachter den feinen bunten Streifen im Gefieder erkennen, der den Tieren ihren Namen gibt. Die Halsbandsittiche bleiben aber lieber auf Abstand. So war es Zufall, dass Hans-Dieter Proff an einem klaren Wintertag sie mit seiner Kamera einfing. Er arbeitet auf dem Campingplatz in Heddernheim, wo die Halsbandsittiche zurzeit an ihrem Nest bauen. "Mir sind die zwei an ihren Stimmen aufgefallen", berichtet Proff. "Eigentlich kenne ich die unterschiedlichen Gesänge der heimischen Vögel. Das Krächzen der Halsbandsittiche, das an Papageien erinnert, passte dort nicht hinein."

Ursprünglich ist diese Vogelart in Afrika und Asien zu Hause. Vogelzüchter brachten sie nach Europa, wo einige Exemplare ausbrachen. Seit 1969 leben so wilde Halsbandsittiche auch in Deutschland – rund 7500 Sittiche sollen es sein. Wie viele in Frankfurt unterwegs sind, ist nicht genau bekannt. "Viele sind es aber noch nicht. Diese Vogelart ist in unserer Stadt relativ neu", weiß Ingolf Grabow. Dass es sich die Halsbandsittiche auf dem Heddernheimer Campingplatz gemütlich gemacht haben, ist selbst für den NABU-Vogelexperten neu. "Bisher habe ich diese Vögel nur im Solmspark gesehen."

Dort machen die Halsbandsittiche den Dohlen das Leben schwer; beide Arten streiten sich um Brutplätze. Sie lieben Bruthöhlen, die von Spechten zurückgelassen wurden, und abgestorbene Bäume. Verdrängen ausländische Tiere etwa die einheimischen Gattungen? Grabow beruhigt: "Durch die Globalisierung und den Warenaustausch kommen nun einmal neue Arten in unsere Gegenden. Das ist eine normale Entwicklung, die man nicht dramatisieren sollte. Wir Menschen siedeln schließlich auch auf der ganzen Welt." Ein Beispiel für friedliche Nachbarschaft sind die heimischen Graugänse, die einträchtig mit den zugewanderten Nilgänsen am Urselbach brüten. Außerdem freuen sich Raubvögel wie Wanderfalke, Sperber und Habicht über die zugezogenen grünen Halsbandsittiche: Sie sind leichte Beute, weil sie nur unbeholfen fliegen können. Hans-Dieter Proff hat noch ein Beispiel für die exotische Artenvielfalt auf dem 24 000 Quadratmeter großen Campingplatz in Heddernheim parat: Vor ein paar Tagen entdeckte er einen Mink, einen amerikanischen Verwandten des Nerzes, auf Beutezug. Er war ursprünglich in Nordamerika daheim, kam über Pelzhändler nach Europa und genießt mittlerweile hier das Leben.

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