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Vogelplage: Experte zum Abschuss der Nilgänse: „Diese Art ist sehr wehrhaft und aggressiv“

Wie bekommt Frankfurt die Nilgans-Plage in den Griff? Während im Brentanobad auf die eingewanderten Wildvögel geschossen wird, soll für das übrige Stadtgebiet eine harmlosere Lösung gefunden werden. Ein Runder Tisch tagt heute auf Einladung der Umweltdezernentin. FNP-Volontär Alexander Gottschalk hat mit dem Vogelkundler Hans-Günther Bauer über das Nilgans-Problem gesprochen. Bauer beschäftigt sich am Max-Planck-Institut für Ornithologie mit nicht-heimischen Vogelarten.
Auch Tierschützer müssten sich über den Umgang mit Nilgänsen Gedanken machen, fordert Hans-Günther Bauer. Foto: Gustavo Alarcon-Nieto Auch Tierschützer müssten sich über den Umgang mit Nilgänsen Gedanken machen, fordert Hans-Günther Bauer.

Viele Frankfurter ärgern sich: Sie haben das Gefühl, die Nilgans sei überall und würde sich rasend schnell vermehren. Ist da etwas dran, Herr Bauer?

BAUER: Ja, das stimmt. Die Nilgans ist die Vogelart, die sich derzeit am schnellsten in Deutschland ausbreitet. Wir wissen nicht exakt, wie viele es sind, aber wahrscheinlich sind es in Deutschland schon über 10 000 Brutpaare. Aber es ist schwer vorauszusagen, wie sich die Nilgans in Verhalten und Population in Deutschland entwickeln wird. Wir kennen die Nilgans gut aus ihrer Heimat Afrika. Die Frage ist: Wie verhält sich die Art in fremden Gefilden? Die Art passt sich an – an Jahreszeiten, Klima, Futter. Das scheint bei der Nilgans bislang sehr gut zu klappen.

Wie kommt es, dass die Nilgans sich so stark vermehrt?

BAUER: Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass sie hier kaum Fressfeinde besitzt. Oder besser gesagt: Die Fressfeinde – im Übrigen auch die Krankheitserreger – haben sich noch nicht auf die Nilgänse eingestellt. Außerdem ist diese Art während der Brutzeit sehr wehrhaft und aggressiv. Sie verteidigt ihren Nestbereich und ihre Jungen vehement. Die Nilgans kann mehrmals im Jahr brüten, auch im Winter, besonders, wenn dieser mild ist. Offenbar bringt sie ihre Jungen derzeit äußerst erfolgreich durch.

Ein Vorwurf lautet, dass die Nilgans heimische Arten verdränge und die Artenvielfalt gefährde. Stimmt das?

BAUER: Klar ist, dass die Nilgans andere Arten vertreibt. Klar ist auch, dass sie sehr aggressiv sein kann. In seltenen Einzelfällen soll sie sogar andere Vögel getötet haben. Aber einen Effekt auf andere Tierbestände – etwa, dass diese schrumpfen – konnten wir bisher nicht feststellen. Wir kennen bisher nur lokale Beobachtungen und Anekdoten. Es fehlen gesicherte überregionale und regionale Daten.

Das Bundesamt für Naturschutz hat die Nilgans aber als „potenziell invasive Art“ eingestuft. Also als Tier, dass durch seine Ausbreitung das Potenzial dazu hat, heimische Tierarten zu gefährden.

BAUER: Für eine genaue Einschätzung der Invasivität ist die Nilgans in Deutschland zu wenig erforscht. Aber die EU hat die Nilgans schon als invasiv eingestuft. Sie verlangt, dass solche schädlichen eingewanderten Arten eliminiert werden. Wir in Deutschland müssen uns jetzt damit auseinandersetzen. Wir wissen nicht, welche Auswirkungen Nilgänse auf lange Sicht auf das heimische Ökosystem haben werden. Wenn sie schädlich sind, müssen wir uns fragen, wie wir das Problem lösen können – und hinterfragen, wie weit wir dafür gehen wollen. Darüber müssen sich auch die Tierschützer Gedanken machen.

Die städtischen Bäderbetriebe lassen die Gänse abschießen. Was halten Sie davon?

BAUER: Dagegen kann ich nichts sagen. Es ist das gute Recht der Stadt, das zu tun.

Aber bringt das auch was? Die Stadt hofft auf den sogenannten Jagddruck: dass die Nilgänse durch die Abschüsse vertrieben werden.

BAUER: Man spricht dabei von Vergrämungsschüssen. Ob diese funktionieren, kommt ganz auf die örtliche Population an. Wenn es alternative Brutplätze und Lebensräume gibt, wohin sich die Nilgänse zurückziehen können, könnte die Vergrämung durchaus etwas bewirken. Sonst wird das aber keinen großen Effekt haben. Die Nilgänse lassen sich wahrscheinlich nur kurzfristig vertreiben. Die gucken, wo es sicher ist, wo sie einigermaßen überleben können, und bleiben dann dort. An der Gesamtpopulation ändern solche lokalen Abschüsse nichts.

Was sind die Alternativen?

BAUER: Schwierig. Dazu braucht es fast schon einen Managementplan. Man müsste die Nilgänse am Brüten hindern, vielleicht, indem man die Eier in den Nestern taub macht. Vielleicht muss man die Gänse auch einfangen und in Haltungen überführen. Es gibt viele weitere Möglichkeiten, aber welche die geeignetste ist, muss ausgetestet werden.

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