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Chronischen Schmerzen: Experten beklagen schlechte Versorgung von Patienten

Von 23 Millionen Deutsche leiden an chronischen Schmerzen, Tendenz steigend. Die Versorgung der Patienten aber ist schlecht, und sie wird immer schlechter. Das konstatiert die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin bei ihrer Jahrestagung in Frankfurt.
Symbolbild Symbolbild
Frankfurt. 

Jeder dritte Erwachsene in Deutschland leidet an chronischen Schmerzen, jeder zehnte Betroffene ist aus Sicht von Experten ein schwerwiegender Fall. Doch es gibt viel zu wenige Anlaufstellen für die Patienten: „Seit Jahren beklagen wir die schlechte Versorgung. Aber die Lage ist leider nicht besser, sondern schlechter geworden“, sagt Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS). In den nächsten Jahren wird sie sich weiter zuspitzen, denn das Durchschnittsalter der Schmerzmediziner hierzulande beträgt aktuell 57 Jahre. Viele gehen demnächst in den Ruhestand.

An einem Strang ziehen

Ihre Forderung nach einem Facharzt für Schmerzmedizin hat die DGS zwar nicht aufgegeben, weil sie damit „aber keine Gehör findet“, wolle man nun andere Wege gehen, berichtet Müller-Schwefe. Konkret will die DGS ein ambulantes Netzwerk von Medizinern und Therapeuten unterschiedlicher Fachrichtungen aufbauen. Für Patienten soll es zentrale Anlaufstellen geben, die den jeweils richtigen Ansprechpartner vermitteln. Ein Konzept, das beim Nationalen Versorgungsforum Anfang der Woche in Berlin laut Müller-Schwefe durchaus auf Interesse gestoßen ist: „Ich habe den Eindruck, dass erstmals alle Beteiligten an einem Strang ziehen, um die Versorgung in der Fläche zu verbessern.“

Dabei, den richtigen Ansprechpartner zu vermitteln und die Therapieergebnisse zu verbessern, soll eine riesige Datensammlung helfen. Beinahe 150 000 Fälle umfasst das „Praxisregister Schmerz“, das DGS-Vizepräsident Dr. Michael Überall vom Institut für Neurowissenschaft in Nürnberg entwickelt hat. Es handelt sich dabei laut Überall um das „weltweit größte, pharmaunabhängige Schmerzregister“. 112 Schmerzzentren aus der ganzen Republik pflegen dort seit 2014 Behandlungsdaten ein, gleichzeitig können auch die Patienten ihre Krankheitsverläufe, Therapieerfolge und -misserfolge dokumentieren. „Behandler und Patienten tauschen ihre Daten auf Augenhöhe aus“, sagt Überall. So kann sich etwa nicht nur der Mediziner über Therapieergebnisse informieren, sondern auch der Patient. In mehr als der Hälfte der Fälle plagen die Betroffenen Rückenschmerzen (52,3 Prozent), 15,8 Prozent entfallen auf Gelenkschmerzen, 9,6 Prozent auf Kopf-. 9,5 Prozent auf Nerven- und 6 Prozent auf Tumorschmerzen, die übrigen 6,8 Prozent auf alle übrigen Schmerzen.

An Betroffene, die in keinem der registrierten Schmerzzentren behandelt werden, richtet sich die Internetplattform www.mein-schmerz.de , die ebenfalls Zugriff auf die Daten ermöglicht. „Damit versuchen wir, den mündigen Patienten zu unterstützen“, berichtet Überall.

Wo tut es weh?

Ein wichtiger Bestandteil des Schmerzregisters ist das Körperschema. Darauf können Patienten einzeichnen, wo genau sie der Schmerz drückt. Wählen sie dabei je nach Intensität des Schmerzes unterschiedliche Farben, kann der erfahrene Therapeut die Ursache der Beschwerden manchmal schon auf den ersten Blick erkennen. „Das ist so viel wertvoller als alle Röntgenbilder“, findet Überall.

Ein Datensatz von dieser Größe aber will ausgewertet sein. „Im Moment kratzen wir nur an der Oberfläche“, räumt der Neurowissenschaftler ein. Aktuell haben die Fachleute den Tumorschmerz in den Fokus genommen, weil es auf diesem Feld „enorme Defizite“ gebe. Überall: „Der Onkologe sieht den Tumor als Feind, nicht den Schmerz.“ Um die Lebensqualität von Krebspatienten zu erhöhen, wollen die Schmerzmediziner deshalb anhand einer Datenanalyse ergründen, welche Therapien bei Tumorschmerzen besonders vielversprechend sind. Antworten erhoffen sie sich noch in diesem Jahr.

Unter www.mein-schmerz.de können Schmerzpatienten ihre Symptome erfassen und erhalten Informationen über mögliche Behandlungsmethoden. Zudem finden sie dort Ansprechpartner in ihrer Region.

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