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Nach Fusion: Experten sehen auf der Zeil Platz für zwei Warenhäuser

Von Karstadt übernimmt Kaufhof. Die gestern bekanntgewordene Fusion hat auch in der Belegschaft der Galeria Kaufhof auf der Zeil für Unruhe gesorgt.
Offene Türen, offene Zukunft? Alle 96 Kaufhof-Warenhäuser dürften in den kommenden Wochen zur Diskussion stehen, auch das auf der Zeil. Foto: Christoph Schmidt (dpa) Offene Türen, offene Zukunft? Alle 96 Kaufhof-Warenhäuser dürften in den kommenden Wochen zur Diskussion stehen, auch das auf der Zeil.
Frankfurt. 

Bei den Mitarbeitern von Kaufhof geht die Sorge um die Zukunft um. Die Fusion des krisengeschüttelten Konzerns mit dem bisherigen Konkurrenten Karstadt wollen die wenigsten Mitarbeiter bei Kaufhof kommentieren. Auf Fragen antworteten sie mit: „Dazu sage ich nichts“, „Dazu darf ich nichts sagen“, „Kein Kommentar“. Im zweiten Stock sagte immerhin eine Verkäuferin etwas mehr: „Wir kommen zusammen. Vielleicht wird das alles gar nicht so schlecht.“ Dabei sei noch so vieles unklar, weder das Wann noch das Wie seien bereits bekannt.

Drei Stockwerke weiter unten, in der Lebensmittelabteilung der Galeria Kaufhof auf der Zeil, kassiert eine Verkäuferin zwei Pakete Pralinen. „13,75 Euro“, sagt sie. „Brauchen Sie eine Tüte?“ Kostet 25 Cent extra oder – sie greift unter den Tisch zu einer gebrauchten Tüte – zehn Cent.

06.09.2018, Rheinland-Pfalz, Trier: Die Warenhäuser Karstadt und Kaufhof stehen in der Moselstadt nebeneinander. Die geplante Fusion der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof hat eine wichtige Hürde genommen. Die Banken hätten dem Zusammenschluss der beiden Handelsketten zugestimmt, berichtete die «Süddeutsche Zeitung» am 06.09.2018. Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
Kommentar zur Kaufhhaus-Fusion: Es hängt vom Kunden ab

Nun also doch. Was noch vor wenigen Jahren als reine Fantasterei galt, wird Wirklichkeit: eine deutsche Warenhaus AG, bestehend aus Kaufhof und Karstadt – unter Führung des letzteren Konzerns.

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Zwischen das Alltagsgeschäft ist zwei Stunden zuvor die Nachricht von der Fusion der Konzerne gedrungen. Was die Verkäuferin davon hält? „Da ist noch nicht alles geklärt“, meint sie trotzig, Dann: „So wie es kommt, so kommt es.“ Optimismus hört sich anders an.

In unmittelbarer Nähe

Die Fusion der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof betrifft in Hessen die Mitarbeiter von rund 20 Kaufhäusern. Kaufhof hat nach eigenen Angaben zehn Standorte im Land, Karstadt hat laut eigener Website eine ähnliche Anzahl. Ob Filialen schließen, ob Stellen gestrichen werden und ob beide Marken erhalten bleiben, ließen die beiden Unternehmen zunächst offen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen sowohl Karstadt als auch Galeria Kaufhof zunächst als Marken bestehen bleiben. In manchen Innenstädten liegen Karstadt und Kaufhof Filialen in unmittelbarer Nähe zueinander. An der Zeil zum Beispiel oder im Main-Taunus-Zentrum sind zwei Kaufhäuser nur wenige hundert Meter weit auseinander.

In der Tat, geklärt ist noch nicht viel. Joachim Stoll, der Frankfurt im Handelsverband Hessen-Süd vertritt, glaubt: „Die Zeil wird sicher sowohl die Kaufhof- als auch Karstadt-Filiale überleben lassen.“ Die Wirtschaftskraft sei ausreichend für zwei Warenhäuser. „Wenn man sich den Handel anschaut, ist der Anteil der Warenhäuser ohnehin rückläufig.“ Dass Kaufhof und Karstadt zusammengehen, werde absehbar Folgen haben, glaubt Joachim Stoll: „Man wird im Einkauf optimieren. Wenn die erfolgreichen Konzepte der Karstadt-Sanierung auf den Kaufhof übertragen werden, hat dies Folgen für die Belegschaft und die Lieferanten.“

Nicht nur Frankfurt, alle betroffenen Städte sähen den Zusammenschluss „nicht ohne Sorge“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy. Die Warenhäuser seien wichtige Arbeitgeber und Versorgungszentren an Ort und Stelle, sie unterstützten durch ihre Anziehungskraft auch den Einzelhandel in ihrem Umfeld. „Deshalb wünschen wir uns, dass nach der Fusion möglichst alle Kaufhaus-Standorte bestehen bleiben“, betonte Dedy.

Für den Fall von Schließungen appellierte der Städtetag-Chef an die Warenhaus-Verantwortlichen, möglichst rasch Gespräche mit den Städten über eine tragfähige künftige Nutzung aufzunehmen. Es müssten dann Strategien entwickelt werden, um negative Auswirkungen auf die lokalen Arbeitsmärkte und das Umfeld der Häuser abzumildern.

Standortgarantie gefordert

Auch Bernhard Schiederig war gestern ein gefragter Gesprächspartner. Er ist Fachbereichsleiter Handel bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. „Wir fordern“, sagte er, „eine Standort- und Beschäftigungsgarantie. Es gibt keinen Grund, warum die Zeil nicht wie bislang zwei Warenhäuser vertragen kann, die ja beide auskömmlich arbeiten.“ Es gebe auch keinen Grund, warum die Kaufhof-Filiale im Hessencenter plötzlich zumachen sollte, nur weil sie denselben Eigentümer hat wie Karstadt. „Für den Fachhandel kommt es darauf an, mit Beratung und Bedienung zu punkten und nicht dieses Personal einzusparen. Vielleicht entwickelt sich ein neues Kaufhaus, in dem Online-Anbieter ihre Filialen haben und ihre Waren angeschaut werden können. Viele Kunden kaufen nach wie vor haptisch.“

Draußen vor der Kaufhof-Filiale auf der Zeil gab gestern Prof. Dr. Jörg Funder Interviews, Geschäftsführer des Instituts für Internationales Handels- und Distributionsmanagement. Langfristig glaubt er nur an ein Überleben von lediglich 80 bis 90 der Warenhäuser von Kaufhof. Derzeit hat der Konzern noch 96 Filialen.

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