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FH-Projekt zeigt, wo ein Windrad sich lohnt

Frankfurt. 

Prof. Martina Klärle kann sagen, wo Windkraftanlagen sich lohnen. Genauer: Kleinwindanlagen. Bislang gelten sie als unwirtschaftlich. „Anfangs hat man uns fast ausgelacht. Kleinwindanlagen lohnen sich nicht, auch wenn man da forscht“, sagte die Geodätin an der Fachhochschule Frankfurt, wo ihr Forschungsprojekt „Wind-Area“ gestern mit einer Konferenz zu Ende ging. Sie hat bewiesen: Und es lohnt sich doch.

Für drei Gebiete hat sie das ausgerechnet: Für den Stadtteil Höchst und die Gemeinden Waldaschaff in Bayern und Lautertal in Hessen gibt es jetzt ausschnittsweise neue Karten – solche, die nach Windgeschwindigkeit gefärbt sind. Dunkelblau bedeutet kein Wind, dunkelrot steht für die höchste mittlere Windgeschwindigkeit von bis zu 18 km/h – zur selben Zeit, am selben Ort, oft nur wenige Meter voneinander entfernt. Hindernisse lenken den Wind in den Städten und kleinteiligen Landschaften um, Häuser, die dicht nebeneinander stehen, können wie Düsen wirken und die Windgeschwindigkeit erhöhen, auf der windabgewandten Seite einer Scheune hingegen gibt’s wilde Turbulenzen. „Unsere Simulation zeigt, wie der Wind fünf Meter und zehn Meter über der Oberfläche weht“, erläutert Klärle. Denn oft spielt es eine große Rolle, in welcher Höhe das Windrad steht.

FH-Forschung ist anwendungsorientiert – und Martina Klärle ist dafür ein Musterbeispiel. Sie hat schon ein Solarkataster erstellt, welches in vielen Kommunen anwendung findet. Dutzende Orte zählen zu den Kunden ihrer Webseite „Erneuerbarkomm.de“. Als „Wiederholungstäterin“, wie Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) sie gestern lobend bezeichnete, bietet ihr Projekt für interessierte Kommunen nun eine Antwort auf die Frage: Wo lohnt sich die Windanlage.

„Kleinwindanlagen bis zehn Meter sind in Hessen genehmigungsfrei“, sagte Martina Klärle, „solche von zehn bis 50 Metern Größe müssen genehmigt werden, und ab 50 Metern sind es Großwindanlagen.“ Ihre Daten richten sich an alle, die erwägen, eine Kleinwindanlage zu errichten.

Dabei kommt es entscheidend auf die Windstärke an. Doppelte Windstärke heißt achtfache Energieausbeute, dreifache Windstärke bedeutet, es gibt 27 Mal so viel Energie. Das Problem: Es ist viel zu teuer, die Windstärke an verschiedenen Standorten zu messen, um dann den günstigsten auszuwählen. Kleinwindanlagen kann man schon für einige tausend Euro erwerben – mit der Folge, dass viele Anlagen auf schlechtem Standort stehen. Sie können sich nicht rechnen.

In diese Lücke springt das Projekt Wind-Area: Für 10 000 bis 20 000 Euro können Gemeinde ihr Gebiet komplett auf Eignung prüfen können. Häufig liegt ein geeigneter Standort nur wenige Meter von einem ungeeigneten entfernt. „Wir nutzen vorhandene Daten“, erklärt die Professorin. „Es gibt Stadtpläne und zur Höhenmessung vorhandene Daten von Laser-Scans.“ Für ihr Solarprojekt hat Martina Klärle auf exakt diese Daten schon einmal zugegriffen. Die „Maschine“, durch die die Daten bei Wind-Area gedreht werden, sieht etwas anders aus: Hier errechnet ein Programm im Raster von bis zu einem Meter, wie die Aerodynamik des Standorts vorhandenen Wind verstärkt oder abschwächt. „Uns hat das Projekt sehr geholfen, die besten Standorte zu finden“, sagte Marcus Grimm, Bürgermeister von Waldaschaff. Die Gemeinde will eine Anlage errichten.

(tjs)
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