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Fachkräfte kaum noch zu bekommen

Die Arbeitslosenzahlen sind in Frankfurt im vergangenen Jahr kontinuierlich gesunken. Für die Unternehmen wird es immer schwieriger, Fachkräfte zu finden. Die Firmen sollen wieder mehr ausbilden, wünscht sich die Agentur für Arbeit.

Frankfurt. 

2011 war ein gutes Jahr für den Frankfurter Arbeitsmarkt. Nur noch rund 24.000 Arbeitslose wurden im Dezember im Stadtgebiet gezählt, rund 3000 weniger als zum Jahresanfang. Neue Stellen gab es vor allem bei Verkehr und Logistik (plus 2700) und im Gastgewerbe (plus 500). In diesem Jahr werde die Dynamik nicht anhalten, sagte Karl-Heinz Huth, Geschäftsführer der Frankfurter Arbeitsagentur, bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz. Dass die Arbeitslosenzahlen auch Ende 2012 unter denen des Vorjahres liegen, sei zwar nicht auszuschließen, aber eher unwahrscheinlich. Dennoch werden die Unternehmen weiter Arbeitskräfte suchen – vor allem gut ausgebildete, die nicht immer in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.

Potenzial bei Frauen

Huth nannte als Beispiele die Pflegeberufe oder auch Erzieherinnen. Normalerweise müssten bei begehrten Berufen die Löhne steigen. Das sei aber nicht der Fall. Huth appellierte an die Unternehmen, mehr junge Leute auszubilden, Beschäftigte zu qualifizieren und auf ältere Bewerber und Berufsrückkehrerinnen zurückzugreifen. Die Arbeitsagentur setze Anreize, zahle zum Beispiel Zuschüsse, um in Krankenhäusern ungelernte Mitarbeiter zu Pflegehelfern auszubilden.

Frauen hat die Arbeitsagentur besonders im Auge. "Sie sind ein großes Potenzial für den Arbeitsmarkt", sagte Andrea Mohr, die Beauftragte für Chancengleichheit der Arbeitsagentur. Bei Frauen sei die Zahl der Beschäftigten stärker gewachsen als bei Männern. Ende vergangenen Jahres sei ein Anstieg bei Frauen verzeichnet worden, die in den Beruf zurückkehren. Die Kinderpause falle heute deutlich kürzer aus als früher, und die Frauen würden sich auf flexiblere Arbeitszeiten einlassen. Vor allem dann, nachdem sie die Beratung der Arbeitsagentur in Anspruch genommen haben.

Zu wenig Teilzeitstellen

Das Jobcenter, das die Langzeitarbeitslosen betreut, sorgt sich unter anderem um Alleinerziehende – 95 Prozent davon sind Frauen. Die Zahl steigt: 6304 erwerbsfähige Alleinerziehende haben Ende des Jahres Arbeitslosengeld II erhalten, 200 mehr als ein Jahr zuvor. Dabei gehen ein Drittel einer Beschäftigung nach. Sie verdienen aber zu wenig, um ihre Familie zu ernähren. Alleinerziehende zu vermitteln, sei nicht ganz einfach, sagte Claudia Bock, Beauftragte für Chancengleichheit beim Jobcenter. "Es gibt zu wenig Teilzeitangebote, vor allem bei Pflege- und Erziehungsberufen." Schichtarbeit sei meist nur schlecht mit der Kinderbetreuung zu vereinbaren. Modelle wie an der Uni-Klinik, wo die Kinderbetreuung genau mit den Schichtplänen abgestimmt wird, seien immer noch die Ausnahme. "Die betriebliche Kinderbetreuung muss ausgebaut werden", forderte Huth.

75 Prozent der Arbeitslosen werden vom Jobcenter betreut. Das heißt, sie haben schon mehr als zwölf Monate keinen Job und erhalten Arbeitslosengeld II. 13 000 der 18 000 Langzeitarbeitslosen haben keine Berufsausbildung – das ist ein Anteil von 86 Prozent. Ungelernte haben es sehr schwer auf dem Arbeitsmarkt. Mit Eingliederungshilfen wie Weiterbildungs-Kursen versucht das Jobcenter, sie dennoch zu vermitteln. Der Bund stellt dafür Geld zur Verfügung, allerdings deutlich weniger als in der Vergangenheit. 34 Millionen Euro sind es in diesem Jahr. 2010 waren es noch mehr als 61 Millionen Euro. "Wir müssen noch effizienter Arbeiten", betonte Claudia Czernohorsky-Grüneberg, die Geschäftsführerin des Jobcenters. Interne Strukturen seien verändert worden, die Träger der Maßnahmen sollen besser kontrolliert werden. Sie hofft, dass auch künftig keinem Arbeitslosen eine Maßnahme zur Beschäftigungsförderung verweigert werden muss.

Umstrukturierung kommt

Obwohl es weniger Leistungsempfänger gibt bleibt die Zahl der Stellen beim Jobcenter konstant bei 720. "Es wird eine intensivere Betreuung möglich sein", sagte Czernohorsky-Grüneberg.

Die Arbeitsagentur hingegen muss bundesweit Stellen abbauen. Davon wird auch Frankfurt nicht verschont bleiben. Im Zuge der geplanten Umstrukturierung muss die Frankfurter Agentur die Zuständigkeiten für das Umland abgeben. Die Funktionen werden in der Zentrale konzentriert, die Kundenzentren in den Stadtteilen werden aufgegeben. Damit ist klar, dass der Agentur-Standort in der Fischerfeldstraße erhalten bleibt. Projektentwickler hatten bereits ein Auge auf das Grundstück in guter innerstädtischer Lage geworfen. mu

(Günter Murr)
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