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Urteil im Fall Tugce in Sicht: Fall Tugce: Jugendamtmitarbeiter sagt aus

Im Tugce-Prozess will das Landgericht Frankfurt die Beweisaufnahme schließen. Das Jugendamt Offenbach empfahl dem angeklagten Sanel M. eine Therapie zum Thema Gewalt.
Der Angeklagte Sanel M. (r) wird in einen Sicherheitssaal des Darmstädter Landgerichts geführt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 18-jährigen Körperverletzung mit Todesfolge vor. Foto: Boris Roessler Bilder > Foto: Boris Roessler Der Angeklagte Sanel M. (r) wird in einen Sicherheitssaal des Darmstädter Landgerichts geführt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 18-jährigen Körperverletzung mit Todesfolge vor. Foto: Boris Roessler
Darmstadt. 

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der Studentin Tugce fällt bald das Urteil. Das Landgericht Darmstadt kündigte an, noch am Mittwoch die Beweisaufnahme schließen zu wollen. Dann könnte am nächsten Verhandlungstag, dem 12. Juni, plädiert und vier Tage später das Urteil verkündet werden. Ein Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen den Vorsitzenden Richter Jens Aßling wurde abgelehnt. Das Verfahren konnte somit am Vormittag wie erwartet weitergehen. Aßling habe die gebotene Unparteilichkeit nicht verletzt, begründete ein Beisitzer der Kammer die Entscheidung.

In dem Prozess wird dem 18 Jahre alten Angeklagten Sanel M. vorgeworfen, der 22-jährigen Tugce im November 2014 vor einem Schnellrestaurant in Offenbach so heftig ins Gesicht geschlagen zu haben, dass sie stürzte. Die Studentin schlug mit dem Kopf hart auf und starb wenig später im Krankenhaus.

Die Verteidigung hatte den Befangenheitsantrag damit begründet, dass Aßling in einem Schreiben an das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt die Ereignisse, die in einem Tat-Video vom Parkplatz in Offenbach zu sehen sind, verzerrt dargestellt habe. Außerdem seien die Akten nicht vollständig gewesen. Über den Antrag hat ein Mitglied einer anderen Strafkammer des Landgerichts zusammen mit den Beisitzern aus der Tugce-Kammer entschieden.

Die Kammer verlas mehrere Urteile des Amtsgerichts Offenbach aus den zurückliegenden Jahren, in denen Sanel M. bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten war. Er erhielt Verwarnungen, Jugendarrest und musste soziale Arbeit leisten. Unter anderem hatte Sanel M. einem Jungen unvermittelt ein erhitztes Feuerzeug in den Nacken gedrückt. In anderen Fällen brach er mit Freunden einen Kiosk auf und nahm anderen Handys ab.

Ein Mitarbeiter des Jugendamtes Offenbach berichtete vom schulischen Werdegang des Angeklagten und den Verhältnissen in seinem Elternhaus. Die Eltern hätten sich Rat geholt, weil Sanel M. Schwierigkeiten gemacht habe. Lehrern gegenüber sei er respektlos gewesen. Sanel M beendete die Hauptschule mit Abschluss.

Zur Überraschung der Kammer wollte der Mitarbeiter keine Einschätzung abgeben, ob Sanel M. in seiner Entwicklung eher als Erwachsener oder als Jugendlicher zu sehen sei. Wenn Sanel M. nach Jugendstrafrecht verurteilt wird, ist eine Bewährungsstrafe möglich. Der Vertreter des Jugendamtes riet aber zu einer Therapie. Sanel M. habe mitunter Probleme, Folgen von Gewalt einzuschätzen. «Ich denke, dass er die Opfer-Perspektive nicht besonders gut einnehmen kann.»

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