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Hilfe gegen Armutskreislauf: Familie gründet eigene Stiftung für Kinder am Ende der Welt

Von Eine Reise um die Welt verläuft selten ohne gravierende Erkenntnisse: Im Fall der Familie Schwesig aus Frankfurt war es die Einsicht: „Wir haben großes Glück, dass wie in Deutschland geboren wurden.“ Ihr darauf aufbauendes Engagement ist außerordentlich: So spendet die Familie nicht bloß für eine wohltätige Organisation, sondern hat sogar ihre eigene Familienstiftung gegründet.
Henriette, Zola, Holger und Mathilda Schwesig mit Laura Solorzano aus El Salvador, die selbst einmal Patenkind einer Hilfsorganisation war. Foto: Holger Menzel Henriette, Zola, Holger und Mathilda Schwesig mit Laura Solorzano aus El Salvador, die selbst einmal Patenkind einer Hilfsorganisation war.
Frankfurt. 

Es fehlt an allem: „Eine Krankheit oder ein Unfall – und schon sind sie in einem Armutskreislauf, aus dem sie nicht mehr rauskommen“, erzählt Holger Schwesig. Im Herbst 2013 reiste er mit seiner Frau Henriette und den beiden Töchtern in den Norden von Vietnam: „Das war eigentlich ein ganz normaler Urlaub“, blickt Henriette Schwesig zurück. Doch die Eindrücke, die sie dort erlebten, weckten bei der Familie den Wunsch, sich nachhaltig zu engagieren.

Als Touristen in einem fremden Land waren sie froh, eine Reiseleiterin gewonnen zu haben, die das Land und die Menschen seit ihrer Geburt kennt. Doch schnell erkannte die Familie, dass nicht die touristischen Highlights und beeindruckenden Landschaften in Erinnerung bleiben werden, sondern viel eher die privaten Erzählungen der jugendlichen Reiseleiterin, die der Minderheit der schwarzen Hmong angehörte. Geschichten, wie die einer Familie, deren Wasserbüffel erfror und somit binnen einer Nacht die gesamte Lebensgrundlage zerstört wurde. „Diese Geschichten sind bloß stellvertretend für Tausende von Menschen“, erkannten die Schwesigs.

Ein schlechtes Gewissen

Wieder zurück in Deutschland keimt in beiden der Wunsch auf, etwas tun zu wollen. Kleinere Spenden hier und da waren sie schon immer bereit zu geben, und dennoch werden sie ein Gefühl nicht los: „Wir haben immer ein schlechtes Gewissen, dass wir nicht genug machen“, erzählen sie. Beruhigen kann das Gewissen schließlich die Hilfsorganisation Plan International. Dabei nutzen die Schwesigs nicht allein das Angebot einer Patenschaft für ein hilfsbedürftiges Kind, sondern entscheiden sich für eine langfristige und weitreichendere Methode. Sie gründen unter dem Dach der Stiftung Hilfe mit Plan eine eigene Stiftung: die Familie Holger Schwesig Stiftung.

Ermöglicht wird dieses Vorhaben durch eine Abfindung, die Holger Schwesig von seinem ehemaligen Arbeitgeber im Bankwesen erhielt. Aufbauend auf diesem Kapital gründet die Familie die Stiftung mit dem Fokus auf Gesundheitsförderung-, Bildungs- und Mädchenprojekte. Welche Projekte im Einzelnen unterstützt werden, entscheidet die Familie selbst, auch das Stiftungsgeld verwaltet Holger Schwesig eigenständig. Durch ihre Stiftung können die Schwesigs langfristig nachverfolgen, welche Erfolge ihre Hilfe verzeichnet und auch weitere Spenden in ihrem Sinne anziehen. Zudem ist die Stiftung eine langfristige Angelegenheit. So sind schon jetzt die beiden neun und elf Jahre alten Töchter als Vorstandsnachfolge eingetragen.

Lange To-do-Liste

Inzwischen konnte die Familie durch ihre eigene Stiftung zwei Kindern in Vietnam das Schulgeld für fünf Jahre bezahlen und ein Projekt zur Vorschulbildung in einer der ärmsten Regionen Nepals unterstützen. Doch die To-do-Liste mit Projekten, die die Schwesigs noch finanzieren wollen, wenn dies die finanziellen Möglichkeiten der kleinen Stiftung auch zukünftig hergeben, ist lang.

Eine Besonderheit, die sich durch die Zusammenarbeit mit Plan ergibt, ist der Austausch mit anderen Helfern und Initiatoren. So begrüßten die Schwesigs in diesen Tagen die 30-jährige Laura Solorzano aus El Salvador. Gezeichnet von Perspektivlosigkeit war sie als Kind selbst ein Patenkind von Plan International. Heute – 20 Jahre später – ist sie Leiterin der Plan Patenschaftsprogramme in El Salvador. Als ehemaliges Patenkind weiß sie, was die Kinder in den armen Dörfern denken, fühlen und brauchen. „Die Hoffnungen dort ruhen auf Plan, nicht auf der Regierung“, berichtet sie und fügt hinzu: „Alle Menschen in meinem Dorf wissen, dass wir Freunde in Deutschland haben.“ Freunde wie Familie Schwesig.

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