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Familienbeziehung ist zweitrangig

Susanne Kassold (54) und Sven Moulden (21) sind nicht nur Mutter und Sohn. Sie sitzen auch gemeinsam für die SPD-Fraktion im Ortsbeirat 12 (Kalbach, Riedberg). Im Gespräch mit FNP-Mitarbeiterin Judith Dietermann erzählen die beiden, wie sie mit dieser besonderen Situation umgehen und welche Ziele sie in den kommenden Jahren verfolgen.
Susanne Kassold und Sven Moulden sitzen beide für die SPD im Ortsbeirat 12. Dass sie Mutter und Sohn sind, stört sie nicht. Für die politische Arbeit seien die Familienverhältnisse nicht ausschlaggebend. Foto: Heike Lyding Susanne Kassold und Sven Moulden sitzen beide für die SPD im Ortsbeirat 12. Dass sie Mutter und Sohn sind, stört sie nicht. Für die politische Arbeit seien die Familienverhältnisse nicht ausschlaggebend.

Mutter und Sohn sitzen beide für eine Fraktion im Ortsbeirat. Das ist einzigartig in Frankfurt. Wie fühlt sich das an?

SVEN MOULDEN: Das mag einzigartig und untypisch sein, ist aber losgelöst vom familiären Hintergrund.

SUSANNE KASSOLD: Wenn wir als SPD-Fraktion im Ortsbeirat sind, nehme ich Sven nicht als Mutter, sondern als gleichberechtigtes Ortsbeiratsmitglied wahr.

Wie schalten Sie die Muttergefühle denn ab?

KASSOLD: Es ist eine andere Diskussionsebene. Öffentlich und intern. Ich schlüpfe in eine andere Rolle, wie im Berufsleben. Dort bin ich auch nicht Mutter, sondern Arbeitnehmerin.

Gelingt das zu einhundert Prozent?

MOULDEN: Natürlich gibt es eine Bindung, die nicht geleugnet werden kann. Es wäre jedoch falsch, diese zu sehr zu betonen. In der Kommunalpolitik gibt es so viele persönliche Auseinandersetzungen zwischen Parteien und Personen unterschiedlicher Fraktionen. Ein hinzukommender familiärer Konflikt wäre unprofessionell und würde auf Dauer nicht funktionieren.

Wie sind Sie zur Politik gekommen, Herr Moulden?

MOULDEN: Mit 16 Jahren habe ich begonnen, mich zu engagieren. Im Schulsprecherteam habe ich politische Veranstaltungen organisiert. Ich habe nach einer Partei gesucht, mit der ich mich identifizieren kann. Ich wollte nicht nur schwätzen, sondern aktiv etwas umsetzen. Geschwankt habe ich zwischen der Links-Partei und der SPD und mich letztlich für die Sozialdemokraten entschieden, weil es dort die meisten Gemeinsamkeiten gab.

Wie hätten Sie reagiert, hätte sich Ihr Sohn sich für eine andere Partei engagiert?

KASSOLD: Dann wäre das seine Entscheidung gewesen und ich hätte sie akzeptiert.

Herr Moulden, wann war für Sie klar, dass Sie sich auch im Ortsbeirat engagieren wollen?

MOULDEN: Nach meinem Eintritt in die SPD im März 2015 habe ich geschaut, wie ich politisch aktiv etwas verändern kann. Es gab Gespräche im Ortsverein Kalbach-Riedberg, und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Und es war kein Hinderungsgrund, dass Ihre Mutter schon seit 20 Jahren im Ortsbeirat sitzt?

MOULDEN: Es ist Fakt, dass meine Mutter dort aktiv ist. Das war für mich aber nicht ausschlaggebend, sondern ich wollte Politik für die Menschen machen. Ohnehin wird das immer mehr vernachlässigt, Kommunalpolitik zum Stillen der eigenen Interessen oder der des Nachbarn genutzt. Ich versuche als junger Mensch entgegenzuwirken. Das ist ein schwerer Weg.

Wie bereichert Ihr Sohn die SPD-Fraktion?

KASSOLD: Sven bringt jede Menge frischen Wind und hat den Blick der Jugend. Eine Perspektive, die wir als Eltern immer mehr verlieren. Sven weiß, dass der Basketballkorb zu tief hängt oder das Spielfeld schief verläuft. Weil er es täglich nutzt. Er lebt das aus, für das wir uns in der Politik einsetzen.

Sind Sie immer einer Meinung?

MOULDEN: Auf gar keinen Fall. In unserer Fraktion wird munter diskutiert. Das ist wichtig. Denn es ist ein Fehler, wenn der Fraktionsvorsitzende den Ton angibt und die anderen sich unterordnen. Politisch sind wir auf einer Augenhöhe, vertreten im Kern die gleichen Werte, haben aber auch unterschiedliche Ansichten.

KASSOLD: In der Summe versuchen wir einen Konsens zu erreichen. Das betrifft unsere eigenen Ideen und Vorstellungen, Anregungen der Bürger, die wir über Anträge im Ortsbeirat einbringen. Bei den Anträgen der anderen Fraktionen sind wir sehr diskutierfreudig und lassen auch unterschiedliche Abstimmungsverhalten zu. Da gibt es keine strikte Linie.

Frau Kassold, Sie sind ein alter Hase im Ortsbeirat. Wie haben Sie Ihren Sohn auf sein erstes Mal vorbereitet?

KASSOLD: Weil Sven nachgerückt ist, hatten wir dazu keine Gelegenheit. Seine Vorbereitung ging über die Jahre davor. Die Politik, der Ortsbeirat waren immer ein Thema in unserer Familie. Ich habe meine Tätigkeit in der Familie so transportiert, dass die Kinder es mitbekommen haben. Sie wussten, wohin ich gehe, was ich mache und wann ich wiederkomme.

Herr Moulden, waren Sie zuvor schon mal im Ortsbeirat?

MOULDEN (lacht): Ja, freitagabends, bevor ich mit meinen Freunden rausging, wollte ich mir immer noch ein wenig Kommunalpolitik gönnen.

Das ist aber eine besondere Art der Freizeitbeschäftigung...

MOULDEN: Ja, dafür wurde ich manchmal auch belächelt. Das hat mich aber nicht von meinem Weg abbringen lassen.

Möchten Sie durch ihre Tätigkeit etwas verändern?

MOULDEN: Ich möchte die jungen Menschen mehr an die Politik heranführen. Durch meine ehrenamtlichen Tätigkeiten in Vereinen oder bei der Hausaufgabenbetreuung bin ich sehr gut vernetzt. Das nutze ich.

Frau Kassold, sind Sie stolz auf Ihren Sohn?

KASSOLD: Stolz, das Wort passt nicht. Es ist als Mutter ein schönes Gefühl, dass das eigene kommunalpolitische Engagement an die nächste Generation weitergegeben wird.

Was sind Ihre politischen Ziele?

MOULDEN: Ich möchte die Interessen der Jugendlichen und Kinder in Kalbach stärker in den Vordergrund rücken. Derzeit arbeite ich an einem Konzept. Vor dem Sommer ist aber nichts spruchreif.

KASSOLD: Wir haben jetzt eine Verjüngung für die Fraktion im Ortsbeirat erreicht. Das macht mir Hoffnung, dass wir über die Kommunalpolitik ein gutes Ergebnis bei der Bundestagswahl und bei der Oberbürgermeisterwahl erreichen. Längerfristig ist das Ziel, für die SPD einen fünften Sitz im Ortsbeirat zu erreichen.

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