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Kritik an Zusammenlegung mit Verwaltungsstelle Bergen-Enkheim: Fechenheimer kämpfen für ihr Bürgeramt

Vor einem Monat hatte die Fechenheimer SPD öffentlich gemacht, Bürgerservice-Dezernent Jan Schneider wolle die Bürgerämter neu ordnen. Nun machte der Ortsbeirat dem Dezernenten in seiner Sitzung klar, warum den Fechenheimern ihr Bürgeramt so wichtig ist.
Das Bürgeramt Fechenheim ist zusammen mit der Polizei in der Pfortenstraße 1 untergebracht. Foto: Leonhard Hamerski Das Bürgeramt Fechenheim ist zusammen mit der Polizei in der Pfortenstraße 1 untergebracht.
Fechenheim. 

Die Zukunft der Bürgerämter hinter verschlossenen Türen zu besprechen, gehe gar nicht, sagt Bernd Schnoor, Schiedsmann in Fechenheim. Da konnte Jan Schneider (CDU), als Dezernent für den Bürgerservice zuständig, noch so sehr betonen, dass es doch nur um eine erste Sondierung mit den Ortsbeiräten gegangen war, ein erstes Abtasten quasi hinsichtlich einer Neustrukturierung der Frankfurter Bürgerämter (wir berichteten). „So etwas muss öffentlich diskutiert werden. Wenn Sie mit einem fertigen Konzept an die Öffentlichkeit gehen, sind nur noch kosmetische Korrekturen möglich“, so Schnoor. Nicht nur er macht dem Dezernenten in der Ortsbeiratssitzung, in der Schneider den Stand der Gespräche erläutert, klar: Die Fechenheimer werden für ihr Bürgeramt kämpfen.

Doch um eine Schließung gehe es gar nicht, sagt Schneider: Von den vier Außenstellen der Bürgerämter – formal ist Fechenheim Außenstelle des Bürgeramtes auf der Zeil – werde Fechenheim am besten genutzt. „Aber die Räume sind eng. Die Wartenden sitzen auf dem Flur.“ Im Büro selbst sei nur Platz für eine Mitarbeiterin, das sei alles andere als zeitgemäß, lieber wären ihm hier zwei Mitarbeiter. „Am heutigen Standort im alten Rathaus in der Pfortenstraße kann das Bürgeramt nicht bleiben.“

Es gebe zwei Möglichkeiten, sagt Schneider. Entweder billige Räume im Stadtteil finden, die wohl ebenfalls recht klein wären. Oder für die Bürgerämter Bergen-Enkheim und Fechenheim einen neuen, gemeinsamen Standort suchen. Etwa in Fechenheim-Nord oder in Enkheim. Dort könne man besseren Service anbieten. Um die Arbeit der Bürgerämter zu vergleichen, erklärt Schneider, im ersten Halbjahr 2016 bearbeitete das Bürgeramt Fechenheim 3615 Vorgänge. Im benachbarten Bergen-Enkheim waren es 13 364 Vorgänge und in Kalbach, wo Schneider lebt, 1438.

Besser organisieren

Weil Frankfurt wachse und die Frankfurter öfter umzögen als früher, hätten die Bürgerämter mehr zu tun. Die Stellenzahl jedoch sei seit zehn Jahren gleich – und auch von den 500 neuen Mitarbeitern, die die Stadt einstellt, komme keiner ins Bürgeramt. „Also bleibt nur, die Arbeit besser zu organisieren.“

Wenn es um das Bürgeramt gehe, würden die Fechenheimer schnell hellhörig, sagt der Fechenheimer SPD-Stadtverordnete, Jan Klingelhöfer. „Wir haben schon oft gehört, es sei alles in Ordnung. Von der Post etwa, als sie den Geldautomaten abschaffte und sagte, jener in Bornheim sei gut zu erreichen. Irgendwann war die Post ganz weg.“ Oder die Rewe-Gruppe, die beschwichtigte, als sie aus ihrem Markt einen Nahkauf machte. „Nun ist auch der Nahkauf zu.“

Ein ständiger Kampf

Ständig kämpfe der Stadtteil darum, etwas zu bewahren, sagt Klingelhöfer. Dabei sei Fechenheim gewachsen, von 15 000 auf 18 000 Einwohner. Und es wachse weiter, entstehe doch an der Dieburger Straße ein neues Wohngebiet. „Das Bürgeramt hat mehr als nur symbolische Bedeutung.“ Statt Infrastruktur abzubauen, benötige Fechenheim eine bessere Infrastruktur, sagt SPD-Ortsbeirat Stephan Zilcher. „Dazu haben wir das Programm Aktive Kernbereiche. Und deshalb versuchen wir, eine gymnasiale Oberstufe nach Fechenheim zu holen.“ Mit ihrer kleinen „Tante-Emma-Meldestelle“ seien die Fechenheimer zufrieden. Und SPD-Ortsbeirätin Magdalena Grana weist auf die vielen älteren und gehbehinderten Fechenheimer hin – und auf die vielen Menschen, die sich ein Busticket kaum leisten könnten.

Falle die Meldestelle weg, hätten die Fechenheimer weite Weg, sagt Grünen-Ortsbeirat Thomas Dorn. „Die Fahrt mit der Straßenbahn zum Bürgeramt auf der Zeil dauert hin und zurück zwei Stunden. Wer dorthin will, muss sich einen halben Tag freinehmen.“ Angesichts der Personalknappheit in Fechenheim sparen zu wollen, sei der falsche Weg, sagt Linke-Ortsbeirat Stefan Klee. „Richtig wäre, für mehr Personal zu kämpfen und sich dafür die Unterstützung der Ortsbeiräte zu sichern.“

Unterstützung bekommt Schneider von CDU-Ortsbeirat Sebastian Schugar. „Es gibt keine Verhandlungen im Geheimen. Beim ersten Treffen mit dem Ortsbeirat ging es nur um ein Stimmungsbild.“ Auch dürfe man das Bürgeramt im alten Rathaus nicht glorifizieren. „Es ist ein kleines, stickiges Räumchen.“ Und zu Fuß gut zu erreichen sei das Bürgeramt auch heute für nur wenige Fechenheimer. „Für jene aus der Leo-Gans-Straße oder aus Fechenheim-Nord ist der Weg weit.“ Es gehe ja nicht darum, das Bürgeramt zu schließen, sondern nur um einen neuen Standort.

(hau)
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