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Gastro-Kolumne: Feine Genussküche in der „Fetten Henne“

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Küchenchef Huckleberry Schneider pariert Fleisch. 	Foto: Christes Küchenchef Huckleberry Schneider pariert Fleisch. Foto: Christes
Frankfurt. 

Sie kennen die „Fette Henne“ nicht? Ich auch nicht – zumindest bis vor Kurzem. Der ungewöhnliche Name war mir natürlich längst aufgefallen. Ebenso wie die wenig einladende Fassade. Was sollte sich dahinter schon verbergen? Um es kurz zu machen: eines der besten Restaurants im Nordend.

Die Geschichte beginnt mit Huckleberry Schneider , dem Inhaber und Küchenchef des Lokals am Friedberger Platz. Der gebürtige Kanadier hatte anfangs nicht vor, eine berufliche Laufbahn in der Gastronomie einzuschlagen. Er wollte in Vancouver lieber zur Uni gehen, Psychologie und Fotografie studieren. Um das Geld für die Gebühren aufzutreiben, jobbte er nebenbei im Restaurant „The Pear Tree“. „Zuerst habe ich als Spüler gearbeitet, später durfte ich Salat putzen“, erzählt Schneider – der in dieser Zeit langsam die Liebe zum Kochen entdeckte. Er ließ die Uni also Uni sein und verschrieb sich stattdessen dem Handwerk am Herd. Dass er den richtigen Beruf gewählt hatte, bewies er während eines landesweiten Kochwettbewerbs: „Ich sprang für den verhinderten Souschef ein und half mit, gleich mehrere Preise einzuheimsen.“

Wie Schneider nach Deutschland kam? Ein aufstrebender Chefkoch hatte vom Erfolg seines engagierten Kollegen gehört und ihn ins Rhein-Main-Gebiet geholt. Dabei handelte es sich um niemand anderen als Juan Amador , den damaligen Küchenchef der „Weyberhöfe“ in Aschaffenburg und heutigen Drei-Sterne-Koch mit eigenem Restaurant in Mannheim. Der „Strahlenberger Hof“ bei Heidelberg war die nächste Station in Schneiders Lebenslauf. Unter den kritischen Augen des dortigen Küchenchefs, seines Namensvetters Jürgen Schneider , hat er weiter an seinen Fähigkeiten gearbeitet sowie allerhand über Kräuter gelernt. „Es gab einen Garten, in dem wir vieles selbst angepflanzt und geerntet haben“, sagt er. Als Privatkoch der US-amerikanischen Generalkonsulin verschlug es ihn nach Frankfurt.

2010 war es dann so weit, er machte sich selbstständig. In sein Restaurant investierte er alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel. „Ich habe dafür sogar meine Rentenversicherung in Kanada aufgelöst“, erzählt Schneider. Weil er an der schmucklosen Fassade nichts ändern durfte, konzentrierte er sich auf die beiden Gasträume und den kleinen Innenhof. Die aus Portugal stammenden Kacheln im unteren Drittel der ansonsten farbenfroh gestrichenen Wände hat er genauso vom Vorgänger übernommen wie die dunkelbraunen Möbel. Einige geschickt platzierte Spiegel mit goldenem Rahmen und ein paar schöne alte Lampen unterstreichen die gemütliche Atmosphäre, in der seine einfache Genussküche auf die Tische kommt. „Ich wollte weg von der ,Chichi’-Küche“, betont er. „Und ich habe nicht die Absicht, einen Stern zu erkochen.“

Dass er trotzdem ausgewählte Zutaten verwendet, glaubt man ihm spätestens nach der ersten Kostprobe seiner Ravioli (10,20 Euro): Die hausgemachten Teigtaschen sind mit einer herzhaften Mischung aus Aubergine, Ziegenkäse und Rosmarin gefüllt. Der ebenfalls servierte Sugo verdankt sein intensives Aroma getrockneten Kirschtomaten. Als Hauptgericht hält die Küche ein sämiges Kräuter-Risotto mit Rohmilchkäse und Pfifferlingen bereit; letztere haben eine schöne feste Konsistenz (12,20 Euro). Alternativ dazu gibt es für Fleischfans französische Entenbrust, zartrosa gebraten, auf beherzt gewürztem Gemüse-Couscous mit gemischtem Salat (17,50 Euro). Ein gelungenes Beispiel für eine niveauvolle Küche, die keine Effekthascherei nötig hat. Zum Besten, was Schneider zu bieten hat, gehören jedoch seine Schmorgerichte. Die Ochsenbäckchen beispielsweise sind so butterzart, dass man das Messer getrost zur Seite legen kann.

Mit den kräftigen Aromen von Fleisch und Sauce harmonieren schwere Rotweine. „Meine Karte listet vor allem spanische Erzeugnisse“, so der Gastronom. „Wegen des Geschmacks und weil das Preis-Leistungs-Verhältnis nahezu unschlagbar ist.“ Künftig will er mehr französische und italienische Gewächse anbieten. Und im Weißwein-Bereich? Da sei Deutschland der „absolute King“.

Übrigens: Namensgeberin für das Restaurant, das kürzlich seinen vierten Geburtstag feierte, ist kein überfüttertes Huhn, sondern die gleichnamige Pflanze.

 

 

Restaurant „Fette Henne“, Nordend, Friedberger Landstraße 62, Telefon
(060) 90 43 73 07, www.fette-henne-frankfurt.de, Di–Sa 18–22 Uhr, Sitzplätze: 40 innen/25 außen

 

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