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Bau der zweiten Anlage am Riedberg: Feldhamster bedroht Sportplatz

Von Das zweite Sportgelände auf dem Riedberg wird gefordert und ist in Planung – weshalb eine unglückliche Formulierung des Magistrats für Aufregung sorgt. Eine ernsthafte Bedrohung für die Planung stellt indes ein Nagetier dar: Der europäische Feldhamster.
Wollen schnell eine zweite Sportanlage: Vertreter von Sport und Schule mit Ortsvorsteherin Caroline Friedrich (Mitte) auf dem Areal. Foto: Holger Menzel Wollen schnell eine zweite Sportanlage: Vertreter von Sport und Schule mit Ortsvorsteherin Caroline Friedrich (Mitte) auf dem Areal.
Riedberg. 

Cricetus cricetus, der europäische Feldhamster, wird 20 bis 34 Zentimeter lang und kaum ein halbes Kilogramm schwer – und doch besitzt er möglicherweise die Macht, ein großes Bauvorhaben zu stoppen. Rund um das nördliche Ende der Altenhöferallee lebt die durch die Berner Konvention geschützte Spezies nämlich in noch unbekannt großer Familienzahl. Dort soll aber ein zweites Sportgelände mit Funktionsgebäude, 400-Meter-Laufbahn, Kunstrasenplatz, Kleinspielfeldern und Parkplatz entstehen.

Dies jedenfalls sieht die Vorplanung der Hessen Agentur (HA), der Stadt Frankfurt und der Riedberger vor. In gemeinsamen Gesprächsrunden stellte man schon im vergangenen Oktober den Bedarf durch Schulen und Sportvereine fest und tüftelte an der bestmöglichen Ausbauvariante. Bereits zu diesem Zeitpunkt war allen Beteiligten klar, dass der Hamster sich am gewünschten Ort durch die Erde wühlt und dass seine Population zunächst einmal erforscht werden muss – ebenso wie Möglichkeiten der Umsiedlung. Insofern ist auch bekannt, dass die Untere Naturschutzbehörde zunächst bis 2017 ihre Arbeit erledigen muss, bevor die Sportanlage konkret geplant, mit städtischen Haushaltsmitteln versehen oder gar realisiert werden kann.

Unglückliche Formulierung

Dennoch herrschte in den vergangenen Tagen einige Aufregung um das Projekt – unter anderem lief das Telefon des Sportclub-Vorsitzenden Alexander Markert heiß. Schuld war in diesem Fall nicht der Hamster, aber etwas ähnlich Kleines: Eine unglückliche Formulierung des Magistrats. Diese nämlich, so hieß es auf dem Riedberg, stelle plötzlich wieder den Bedarf nach einer zweiten Sportanlage infrage. In dem Magistratsbericht M 56 steht nämlich zu lesen: „Die Stadtverordnetenversammlung hat zu gegebener Zeit darüber zu entscheiden, ob die Entwicklungsziele (13. Kita und Sportflächenerweiterung) unter Umständen wegen fehlendem Bedarf bzw. Unmöglichkeit der Ausführung aufgegeben werden.“ Tatsächlich bezieht sich hier das Wörtchen „Bedarf“ auf die 13. Kita – ob sie nach dem Bau der zwölften Kita überhaupt noch gebraucht wird. Die „Unmöglichkeit“ wiederum verweist auf die Sportfläche und die noch ungelöste Feldhamsterproblematik. „Der Bedarf einer Sportflächenerweiterung besteht und kann nicht infrage gestellt werden. Das sieht auch das Frankfurter Sportamt so“, erklärt daher Wilfried Körner, Sprecher der für die Vorplanung zuständigen HA.

Ausschlaggebend für die Aufregung erscheint somit nun der große Druck, den die Riedberger angesichts überfüllter Sportplätze verspüren. „Die Menschen fühlten sich vor den Kopf gestoßen und verwirrt“, berichtete Alexander Markert gegenüber der FNP – schließlich habe man den dringenden Bedarf doch längst dargelegt: Dass der SC Riedberg mit rund 1100 Mitgliedern „aus allen Nähten platzt“ und regelmäßig zehn bis zwölf Mannschaften gleichzeitig auf dem hochbeanspruchten Kunstrasenfeld trainieren lässt.

„Das ist doch Wahnsinn“, betonte Markert, der auch von schulischer Seite Unterstützung erhielt: „Mit einem Gymnasium, zwei Grundschulen und demnächst einer Integrierten Gesamtschule haben wir perspektivisch 2400 Schüler im Viertel. Wir wollen Sport nach Lehrplan machen, das ist so nicht möglich“, erläuterte Barbara Günther, Elternbeirat des Gymnasiums. Davon abgesehen, so Günther, funktionierten ohne weitere Sportfläche die schulischen Ganztagskonzepte mit Nachmittagsbetreuung nicht. Und Anlagen für Leichtathletik unter Wettkampfbedingungen, so Elternbeirätin Regula Genzmer, gäbe es nur in der Kalbacher Leichtathletikhalle – „diese steht aber nicht in dem Umfang zur Verfügung, wie es nötig wäre“.

Vereine ohne Platz

Addiert man zu diesen Aussagen noch die Not des frisch gegründeten Riedberger SV, der überhaupt keinen Zugang zur existierenden Sportfläche erhält und Fußball auf einem Bolzplatz spielen lässt, welcher laut der Vereinsvorsitzenden Gabriele Nagel früher oder später anderweitig bebaut werde – dann erschließt sich die große Aufregung ganz von allein. Insbesondere mit dem Hamster im Hinterkopf.

 

Der Ortsbeirat 12 beschäftigt sich mit dem Thema in seiner Sitzung heute, Freitag, 20 Uhr, Grundschule Riedberg, Zur Kalbacher Höhe 15.

 

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