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Ferry Ahrlé wird heute 90

Als zeichnender Talkmaster wurde er bekannt - heute malt er mit Leidenschaft: Ferry Ahrlé.	Foto: Kammerer Bilder > Als zeichnender Talkmaster wurde er bekannt - heute malt er mit Leidenschaft: Ferry Ahrlé. Foto: Kammerer

Die erste und einzige Ohrfeige seines Vaters rettete ihm wohl das Leben. „Ich war im Kampf um Berlin dabei und kam grade von der Hauptkampflinie“, erinnert sich Ferry Ahrlé. „Da ohrfeigte mich mein Vater und sagte: ,Du hörst jetzt auf damit‘. So endete der Krieg für mich.“ Das ist gut so, denn wer weiß, ob der renommierte Künstler sonst heute seinen 90. Geburtstag feiern würde.

Bilderstrecke Ferry Ahrlé zum 90.Geburtstag
Der Frankfurter Maler und Zeichner Ferry Ahrlé wird am 17. Juni 90 Jahre alt. Fotos: ArchivIn Frankfurt geboren, wuchs Ahrlé in Berlin auf, wo sein Vater ein berühmter Werbegrafiker war.Zunächst zog es den jungen Ahrlé als Porträtist ans Theater. In den 50er Jahren kehrte der Maler nach Frankfurt zurück, wo er zunächst Filmplakate entwarf.

Das Leben des Jubilars steckt voller Geschichten und Anekdoten, die er gerne erzählt. Etwa die, wie der Schauspieler Sir Peter Ustinov ihn zeichnete, während er ihn zeichnete. Ahrlé wurde nämlich als zeichnender Talkmaster bekannt. In der Serie „Sehr ähnlich, wer soll’s denn sein?“, die in den 70er bis in die 90er Jahre lief, unterhielt er sich mit seinen Gesprächspartnern und porträtierte sie gleichzeitig. Die Promis gaben sich die Klinke in die Hand, um von ihm gezeichnet zu werden. Zu ihnen gehörten Maria Schell, Marianne Hoppe, Erika Pluhar, Karl John, Paul Dahlke, Johannnes Heesters und Yehudi Menuhin . „Der hat mich am meisten von allen beeindruckt“, weiß Ahrlé heute noch. „Damals bekam jeder Gast meiner Sendung 5000 Mark Gage.“ Nicht so Maestro Menuhin. Der wollte 20 000 Mark. Das konnte sich der Sender nicht leisten. Weil Ahrlé den Dirigenten schon 1947 für das Programmheft der Berliner Philharmoniker gezeichnet hatte, baten ihn die Fernsehmacher, Menuhin anzurufen. „Er konnte sich an mich erinnern, und mir gelang es, ihn zu überreden.“ Allerdings sagte Menuhin nicht bedingungslos zu: „Unser Team musste nach Gstaad reisen, und das Ganze durfte nicht mehr als eine Stunde dauern.“ Das ging wieder mit Kosten einher, so dass für die Maske kein Geld übrig blieb. „Diese Arbeit übernahm dann meine Frau.“

Ein Aufwand, der sich lohnte, denn: „Letztlich wurde diese Begegnung zu einer der Sternstunden meiner Zeit im Deutschen Fernsehen.“ Die Sendung fanden Publikum und Experten so gut, dass es für diese Art des Porträtierens im doppelten Sinn für Ahrlé in New York den „Golden Award“ auf dem „Internationalen Film- und Fernsehfestival“ gab.

Beim Erzählen ist Ferry Ahrlé in seinem Element. Und das ist wörtlich gemeint. Denn er sitzt auf seiner Couch in seinem Frankfurter Haus im Dornbusch, wo er ein Atelier hat und das bis unter die Decke mit Bildern – selbst gemalten – vollgestopft ist. Auch direkt auf Wände und Decken malte der Jubilar, der in Frankfurt als Sohn des Grafikers, Malers und Fotografs René Ahrlé das Licht der Welt erblickte. Das „Talent“ war ihm sozusagen mit in die Wiege gelegt worden – und es wurde früh erkannt und gefördert. Schon Schauspiellegende Gustaf Gründgens schrieb ihm 1947 folgende Widmung: „Ich wünsche Ihnen und Ihrer zweifellos starken Begabung viel Erfolg.“

Das Leben meinte es gut mit Ferry Ahrlé, und keiner weiß es besser, als er selbst. „Ich hatte Glück, dass ich den Krieg überlebt habe.“ Außerdem: „Meine Frau ist das größte Glück meines Lebens.“ Seiner Sigrid gab er 1966 das Jawort. Doch elf Jahre zuvor, 1955, nimmt in einer Frankfurter Kneipe Ahrlés Karriere ihren Lauf. Dort lernt er jemanden vom Constantin-Filmverleih kennen, der ihm den Auftrag für sein erstes Filmplakat gibt. Daraus sind dann mehr als 150 geworden – unter ihnen welche für Streifen von Federico Fellini, Roman Polanski oder Ingmar Bergman. Ahrlés Stärken liegen nicht nur im Künstlerischen – er schauspielert auch –, sondern im Knüpfen von Kontakten. Schon in jungen Jahren ist er das, was man heute einen Netzwerker nennt, knüpft überall und ständig Bekanntschaften.

Aber auch mit 90 Jahren ist von Rast bei Ahrlé keine Spur. Ständig hat er neue Ideen, die ihm kommen, kurz bevor er aufsteht. Denn Ahrlé hält sich an einen rigiden Tagesablauf, steht um 6.30 Uhr auf, liest Zeitung und begibt sich gegen 9.30 Uhr in sein Atelier. Dort werkelt er zurzeit an einem großen europäischen Projekt: Die Europäische Union in Brüssel beabsichtigt, europäische Thermalbäder, die sich an den römischen Spas orientieren, zu fördern. Und damit alles einen einheitlichen Auftritt erfährt, wurden Künstler aufgefordert, Entwürfe für eine paneuropäische Symbolfigur zu kreieren. Aus der Fülle an Vorschlägen entschied sich Brüssel für Ahrlés Entwurf. Der „Termus Romanus“, so nennt er seine Symbolfigur, nimmt Gestalt an, und Ahrlé freut sich schon auf die vielen Auslandsreisen, die anstehen.

Bei dem gewaltigen Oeuvre von Ferry Ahrlé, das bereits mit zahlreichen Orden wie etwa dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main gewürdigt wurde, könnte man davon ausgehen, dass Ahrlé das Wiegenfest groß feiert, wie schon in der Vergangenheit getan. Doch weit gefehlt. Seine Frau Sigrid und ihn zieht es nach Österreich. Dorthin lud ihn der Gastronom Josef Laggner ein. Und zwar in sein Hotel Solitude in Bad Gastein.

„Ich habe einige seiner Lokale in Berlin gestaltet“, sagt Ahrlé, der sein müdes Haupt nicht in irgendein Bett schmiegen wird, sondern in das, in dem einst Kaiser Franz Josef ruhte.

(es)
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