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Dippemess: Feuerwerk: Dieser Pyrotechniker lässt Frankfurts Himmel leuchten

Von Die Frankfurter Dippemess geht am Sonntag zu Ende. Zum Abschluss gibt es das traditionelle Feuerwerk. Tausende werden es ab 22 Uhr bestaunen. Wir stellen Pyrotechniker Peter Balzer vor, der den Feuerzauber hoch über dem Festplatz zünden wird.
Seit 22 Jahren ist Peter Balzer Pyrotechniker. Wie viele Feuerwerke er während dieser Zeit gezündet hat, weiß er nicht mehr. Die Lust ist ihm aber nicht vergangen, er sieht es als Herausforderung. Foto: Salome Roessler Seit 22 Jahren ist Peter Balzer Pyrotechniker. Wie viele Feuerwerke er während dieser Zeit gezündet hat, weiß er nicht mehr. Die Lust ist ihm aber nicht vergangen, er sieht es als Herausforderung.
Frankfurt. 

Wenn Peter Balzer für ein Feuerwerk wie das der Dippemess’ die Transporter belädt, ist die meiste Arbeit schon erledigt. „Das Feuerwerk, das aus rund 400 Effekten besteht, ist bis ins Detail geplant, die Liste an Ausrüstung geschrieben, die benötigten Effekte in den zahlreichen Lagerräumen auf dem Betriebsgelände vorrätig. Die Belegungen der einzelnen Zündmodule sind bis ins Detail festgelegt, die Zündcomputer – sogenannte Controller, die später per Funk oder Kabel alle Effekte starten werden – bis ins Detail programmiert“, sagt der Pyrotechniker.

Alles, was auf dem Gelände der Feuerwerkerei Schwab in Bergen-Enkheim vorbereitet werden kann, wird bereits fertig in den Gefahrentransporter verladen, so dass später beim Aufbau am Ratsweg so wenig Überraschungen wie möglich auf Balzer und sein fünfköpfiges Team zukommen können. Der 44-Jährige macht seinen Job seit über 20 Jahren, auch seine Mitarbeiter sind alle viele Jahre dabei.

Für ein Feuerwerk dieser Größenordnung sind locker bis zu 200 Arbeitsstunden Vorbereitung nötig. Für große Musikfeuerwerke – das beim Bad Homburger Laternenfest etwa – sind es mehr, für kleine Feuerwerke etwa zu Hochzeiten weniger.

Während für den Durchschnittsfrankfurter die Feuerwerk-Saison am 31. Dezember beginnt und in den frühen Stunden des 1. Januar auch gleich wieder endet, startet die Hochsaison für Pyrotechniker wie Peter Balzer mit den ersten Sonnentagen. „Die frühen Veranstaltungen wie die Dippemess’ machen für unsere Saison den Auftakt, dann geht es bis zum Sommer kontinuierlich weiter mit anderen Festen, Einsätzen bei Sportveranstaltungen und etlichen Hochzeitsfeuerwerken“, sagt Balzer. Dass die Feuerwerkerei Schwab, die Balzer mit seiner Mutter Ursula betreibt, als Ansprechpartner vor Ort in der Rhein-Main-Region hoch im Kurs steht, hat Tradition.

Der Ursprung geht zurück auf das Jahr 1927 als Anton Schwab, der seinen Unternehmenssitz zunächst in der Innenstadt hatte und einige Jahre später aufs heutige Firmengelände am Rande Bergen-Enkheims zog. Bis 1970 führte Schwab hier den Betrieb, bis er die Familie Balzer kennenlernte, die ins Geschäft mit der Pyrotechnik einstieg. Nach dem Tod von Geschäftsführer Manfred Balzer 1987 übernahm seine Frau Ursula die Zügel. Unterstützt wird sie seit 1994 von ihrem Sohn Peter. Unternehmen, die wie die Feuerwerkerei Schwab ausschließlich von der Pyrotechnik leben, sind selten: „Viele Kollegen machen die Arbeit als Pyrotechniker parallel zu ihren eigentlichen Berufen. Wir gehören zu den Wenigen, die sich das ganze Jahr über nur auf Pyrotechnik konzentrieren“, erzählt Balzer von einem Beruf, der hauptsächlich Saisongeschäft ist.

Großer Aufwand

Der Aufwand, der aufgrund von Sicherheitsbestimmungen getroffen werden muss, ist ausgesprochen hoch. Rund 3000 Quadratmeter misst das Areal auf dem die Feuerwerkerei untergebracht ist, gut ein Drittel davon sind Lagerflächen. „Das geht vom einfachen Lagerraum, in dem Abschussrohre sowie Technik untergebracht sind, bis hin zum erdbedeckten Bunker mit Betonwänden und Stahltüren sowie Sicherheitsabständen zu öffentlichen Bereichen und sechs Türschlössern für die Effekte der höchsten Sicherheitsklassen“, erklärt die 67-jährige Seniorchefin Ursula Balzer. Zu letzteren gehören etwa Kugel- oder Zylinderbomben, die in Höhen bis zu 180 Metern geschossen werden.

Beim Dippemess’-Feuerwerk selbst kommen die größten Effekte kaum zum Einsatz: „Was bei einem Feuerwerk tatsächlich benutzt werden darf, unterliegt strengen Sicherheitsbestimmungen. Es geht es um Sicherheitsabstände, die mögliche Größe von Abbrennplätzen, derlei Faktoren“, erzählt Peter Balzer. Beim Feuerwerk zum Mainfest, das Balzers ebenfalls seit vielen Jahren planen und durchführen, wird darum ein großer Teil des südlichen Mainufers durch Sicherheitskräfte abgesperrt, am Ratsweg ist der Platz etwas begrenzter. „Zur Dippemess’ sind wir auf der Parkfläche westlich der Eissporthalle, wo wir einen etwa 80 Meter breiten Streifen zur Verfügung haben. Im Vergleich zum Mainfest sind wir da dennoch mittendrin, so dass auch die kleineren Effekte durch die Nähe zum Publikum eine starke Wirkung haben“. Zu den fünf Pyrotechnikern, die das Feuerwerk an diversen Abbrennstellen auf dem Gelände steuern, kommen meist ebenso viele Security-Mitarbeiter hinzu, die dafür sorgen, dass Unbefugte nicht auf die Abschussfläche gelangen.

Keine Langeweile

Von Hand gezündet habe er ganze Feuerwerke schon lange nicht mehr, sagt Balzer. Das erledige heute alles die Technik. Dennoch gibt es bei jedem Feuerwerk Risiken und Gefahren. „Am Ende sind immer Wind und Wetter unser größter Feind“, sagt Ursula Balzer. „Genau das ist es aber auch, was Routine und Langeweile keine Chance lässt.“

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