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Finger weg von den Freizeitgärten

Von Auf breite Unterstützung des Ortsbeirates können die Freizeitgärtner zählen, die wegen des geplanten Baus des Ernst-May-Viertels und des Innovationsquartiers ihre Parzellen räumen sollen.
Nordend. 

Jörg Harraschain, der ehemalige Ortsvorsteher des Ortsbezirkes 3, schreibt in seinem im Societäts-Verlag erschienenen Buch „Nordend: Die schönsten Streifzüge durch Frankfurt“, dass der Frankfurter Stadtteil der am dichtesten besiedelste in Europa ist. Auf einer Fläche von 476 Hektar leben rund 55 000 Einwohner. Darauf berief sich eine Bürgerin, als sie in der Sitzung des Ortsbeirates 3 (Nordend) die Pläne zum Bau des sogenannten Innovationsviertels scharf kritisierte: „Hier verfährt man nach der Devise ,einer geht noch’. Muss man denn wirklich alles zubetonieren.“

Die Stadt plant zwischen Autobahn 661 und der Friedberger Landstraße das Ernst-May-Viertel sowie unterhalb des Wasserparks das Innovationsquartier mit großflächiger Wohnbebauung. Das Geld aus der Vermarktung der Grundstücke soll für den Bau der geplanten Einhausung der A 661 zwischen Preungesheim und Bornheim verwendet werden.

 

Initiative gegründet

 

Die Freizeitgärtner rund um die Dortelweiler Straße und den Wasserpark wollen aber um ihre Lauben kämpfen. Sie haben sich mittlerweile zur Initiative „Grüne Lunge am Günthersburgpark“ zusammen geschlossen. Die Stoßrichtung, das wurde in der Ortsbeiratssitzung deutlich, ist eindeutig: Die Gärten sollen erhalten bleiben.

Bauen können die Freizeitgärtner dabei auf die Unterstützung des Ortsbeirates. Anträge von der SPD und der FDP, die dies unmissverständlich fordern, wurden ebenso verabschiedet wie ein Antrag der Grünen, in dem Bestandsschutz für den Abenteuerspielplatz Günthersburg in der Wetteraustraße eingefordert wird.

„Der Ortsbeirat hat damit einen klaren Auftrag erteilt und eine klare Botschaft geschickt“, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Rüdiger Koch. Jetzt sei Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) am Zug, das Projekt im Ortsbeirat zu präsentieren. So sieht das auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Mirko Trutin: „Ohne dass uns das vorgestellt worden ist, ist es müßig darüber zu diskutieren. Was allerdings nicht geht: Das Viertel jetzt zu bauen, den Ausgleich für vernichtetes Grün aber erst Jahre später anzulegen.“

Grünensprecher Michael Mirsch hingegen vermutet, dass das Projekt schon weiter fortgeschritten sei als viele vermuten. Gerade vor dem Hintergrund, dass Wohnungen in Frankfurt fehlten. „Das Thema Wohnen hat ganz klar Priorität, Klimaschutz darf aber nicht vergessen werden“, ermahnte Mirsch und betonte, dass auch ein Riegel entlang der Friedberger Landstraße vorstellbar sei, bei dem die Gärten nicht weichen müssten.

Das hofft Manfred Zieran (ÖkoLinX) doch sehr. Denn einerseits seien die Gärten aus ökologischer Sicht unverzichtbar, weil sie in der Schneise für die Frischluftzufuhr vom Lohrberg über den Huthpark bis in die Innenstadt lägen. Andererseits erfüllten sie auch eine soziale Komponente. „Das sind Treffpunkte zum Feiern und zum Quatschen. Das kann man doch nicht einfach platt machen und die Bürger zudem noch übergehen“, kritisierte Zieran.

 

Befristete Verträge

 

Den Vorwurf ungenügender Informationspolitik weist Mark Gellert, Sprecher im Planungsdezernat, allerdings zurück. Die Freizeitgärtner wüssten ganz genau, dass sie nicht für immer bleiben können, schließlich seien entsprechende Vermerke in ihren Verträgen aufgeführt. Das Gerücht, die Stadt würde notfalls sogar enteignen, will Gellert so auch nicht stehen lassen. Diese Möglichkeit bestünde zwar, die Stadt habe aber noch nie davon Gebrauch gemacht. Bei vergleichbaren Projekten am Riedberg oder am Martinszehnten habe man sich auch gütlich geeinigt. „Und so soll das auch jetzt sein, wir bieten den Gärtnern auch Alternativen an“, sagt Gellert.

Das Schlusswort hatte ein betroffener Kleingärtner, der zu bedenken gab, dass die Pläne und Beschlüsse, das Ernst-May-Quartier zu bauen gut 25 Jahre zurücklägen. „Die Stadt ist heute aber eine ganz andere als damals. Ich versteh nicht, warum das Bauvorhaben jetzt so umgesetzt werden soll. Das zeigt, dass jemand vom Schreibtisch aus anderen vor den Latz knallt, dass ihre Verträge nicht verlängert werden.“

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