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Flüchtlinge haben es jetzt wohnlicher

Von Die Gruppe afrikanischer Flüchtlinge, die bis vor kurzem in der Kirchengemeinde Cantate Domino Zuflucht fand, kann auf die Hilfe von Frankfurter Bürgern vertrauen. Nach ihrer Umsiedlung in die Gutleutkirche wurde das Kirchenschiff in einer spontanen Umbauaktion in elf kleine Doppelzimmer umgestaltet.
Schreiner Markus Reul zieht mit Carlo Cimmino eine Trennwand hoch. In der Gutleutkirche entstehen so elf kleine Doppelzimmer. Fotos: Christes Bilder > Schreiner Markus Reul zieht mit Carlo Cimmino eine Trennwand hoch. In der Gutleutkirche entstehen so elf kleine Doppelzimmer. Fotos: Christes
Frankfurt. 

Monatelang schliefen die 22 afrikanischen Flüchtlinge unter der Untermainbrücke. Dann fanden sie Zuflucht in der Kirchengemeinde Cantate Domino in der Nordweststadt. Nachdem die Gruppe in der vergangenen Woche in die leerstehende Gutleutkirche im Bahnhofsviertel umgesiedelt wurde, hat sich ihre Lebenssituation jetzt erneut ein wenig verbessert. Damit sich die Männer unter anderem künftig nicht mehr beim Umziehen zuschauen müssen, riefen ihre Unterstützer auf der Internetseite „Wir-fuer-22.de“ auf, Trennwände zu spenden: Jeder der Männer sollte seinen eigenen privaten Bereich in der neuen Unterkunft bekommen. Der Aufruf wurde gehört. Bereits einen Tag später organisierte eine Gruppe Schreiner die benötigten Materialien.

 

Zwölf Quadratmeter

 

Gestern haben die neun Handwerker die Trennwände hochgezogen. Unzählige Dübel und Schrauben drehten sie in die Mauern und zimmerten etliche Kanthölzer zu großen Rahmen. Auf sie brachten sie dann die insgesamt 20 gut zwei Meter hohen und drei Meter breiten Spanplatten in Bucheoptik an. Innerhalb kürzester Zeit trennten die Handwerker das Kirchenschiff in elf Doppelzimmer ab - jedes knapp zwölf Quadratmeter groß.

Einen Plan hätten sie nicht gehabt, sagen die Schreiner. Die Afrikaner sollten selbst entscheiden, wie sie ihre Wände gestellt haben wollen. Noch den Winter über dürfen sie in der Gutleutkirche wohnen. Was dann passiert, ist ungewiss. Die Kirche ist von der Hoffnungsgemeinde an die Stadt Frankfurt verkauft worden. Diese plant, daraus ein Jugendhaus zu machen.

Es sei Zufall gewesen, dass er den Bedarf nach Trennwänden gelesen habe, sagt Schreiner Sascha Muschalle (36) von der Gemeinschaftswerkstatt „Schreinerei Hoch 4“ in Sachsenhausen. Eigentlich wollte er Pfarrerin Sabine Fröhlich, die die Flüchtlinge vor einigen Wochen spontan von der Straße holte und in ihren Kirchenräumen wohnen ließ, wegen etwas anderes sprechen. „Als ich ihre Nummer im Internet suchte, bin ich auf die Seite ’Wir für 22’ gestoßen“, sagt Muschalle. Dort habe er den Aufruf gelesen, es würden Trennwände gebraucht, um den Männern etwas Privatsphäre zu ermöglichen. „Wer hat so etwas schon daheim rumstehen?“, habe er sich gedacht und seine Kollegen gefragt, ob sie mithelfen.

 

Hilfsaktion hat Tradition

 

In der neuen Unterkunft im Bahnhofsviertel können die 22 Flüchtlinge den ganzen Winter über wohnen. Bild-Zoom
In der neuen Unterkunft im Bahnhofsviertel können die 22 Flüchtlinge den ganzen Winter über wohnen.

„Da gab es gar kein Zögern“, sagt Schreiner Markus Reul (42). Das Material habe die Kalbacher Holzgroßhandlung Göbel gespendet - etwa 1200 Euro Materialwert, schätzt Reul, hätten er und seine Kollegen verbaut. Den Kontakt zu der Firma hatte er auch hergestellt. Die Zusage sei sofort gekommen.

Der Eifer der Schreiner, ihrer Lehrlinge und Praktikanten hat Tradition. Jedes Jahr mache man so eine Hilfsaktion, sagt Muschalles Kollege Stephan Janisch (51). „Von unseren Möglichkeiten sollen andere profitieren“.

Zum Vorteil der 22 Flüchtlinge. Ihnen gefällt ihr neues Zuhause. „Das ist viel besser als ein Gruppenschlafraum“, sagt Paul M.. Jetzt habe er endlich etwas Privat- und Intimsphäre. Aber auch so, sagt der 27-Jährige, habe sich seine Lebenssituation verbessert. Vor allem wegen der Hilfe, die er und die anderen Männer momentan erfahren.

Auch Adama I. (32) sagt, er sei überwältigt von der Hilfe, die er und die Gruppe bekomme. „Wir sind Fremde. Trotzdem geben sich die Leute so viel Mühe für uns.“ Die Männer fühlten sich wieder wie Menschen, sagt I.. „Nicht mehr wie Flüchtlinge“. Ihr Ziel sei es nicht gewesen, aus ihrer Heimat über Libyen, Italien und andere europäische Länder nach Deutschland zu fliehen, um dort dann auf fremde Hilfe angewiesen sein zu müssen. „Ich will mir etwas aufbauen“, sagt I..

Das möchte auch Erik P. (30). Dass die Gutleutkirche in elf Doppelzimmer umgebaut wurde, sei nicht nur für ihn persönlich eine sehr gute Veränderung. „Jetzt wird es noch einfacher, Ordnung zu halten“, sagt er. Dass sei ihm und den anderen wichtig: Damit alle sehen, dass sie ihr Zuhause nicht verkommen lassen.

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