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Erstes Pflegeelternpaar in Frankfurt: Flüchtlinge in Pflegefamilien

Von Das erste Pflegeelternpaar in Frankfurt hat zwei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei sich aufgenommen. Die beiden Jugendlichen aus Afghanistan hatten sich auf der Flucht kennengelernt und freuen sich, jetzt auch in der Pflegefamilie zusammenbleiben zu können.
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge genießen besonderen Schutz. In Frankfurt werden sie auch in Pflegefamilien untergebracht. Foto: Uli Deck (dpa) Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge genießen besonderen Schutz. In Frankfurt werden sie auch in Pflegefamilien untergebracht.
Frankfurt. 

Die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen in Familien gilt als hilfreicher für eine erfolgreiche Integration als eine Heimunterkunft. Gleichwohl ist es schwierig, geeignete Pflegeeltern zu finden. Das Jugendamt der Stadt hat eine Aktion zur Suche nach Pflegeeltern gestartet. Nach der ersten Informationsveranstaltung sind von 120 Bewerbern 53 Interessenten übrig geblieben. Die ersten 30 Elternpaare haben die Vorbereitungsseminare absolviert. Weitere Anbahnungen laufen. Im Januar startet die zweite Seminarrunde sowie eine zweite Infoveranstaltung für 20 Interessierte. Diese Zahlen nannte Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Ab Februar soll einmal im Monat eine Veranstaltung für interessierte Familien stattfinden. Für das Jugendamt ist die Betreuung durch Pflegeeltern eine weitere Alternative zur Unterbringung der Jugendlichen in Wohngruppen und in Jugendhilfeeinrichtungen. Eine erste Anbahnung war bereits erfolgreich: Zwei afghanische Jugendliche, Jahrgang 1998 und 1999 haben im November bei ihren Frankfurter Pflegeeltern ein neues Zuhause gefunden. Derzeit leben rund 900 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Frankfurt, von denen 260 bleiben werden. Bundesweit umfasst dieser Personenkreis 45 000 Personen.

Traumatische Erfahrungen

Die unbegleiteten Jugendlichen stammen aus den Hauptkrisenländern dieser Welt: Afghanistan, Eritrea, Somalia und Syrien. Über 90 Prozent der Jugendlichen, die in Frankfurt ankommen, stammen aus Afghanistan.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Uli Deck (dpa)

Auf die Pflegeeltern wartet eine große Aufgabe: „Die Jugendlichen sind häufig traumatisiert“, erklärte Anuschka Kübler vom Kinderpflegedienst. Sie haben in ihren Heimatländern Krieg und Gewalt erlebt und eine gefahrvolle Flucht hinter sich. Aufgrund der traumatischen Erfahrungen leiden manche Jugendliche unter psychosomatischen Störungen wie Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen oder unerklärlichen Bauchschmerzen. Sie kommen aus fremden Kulturkreisen und sind fast zu 100 Prozent sunnitische Muslime. In Afghanistan sind 70 Prozent der Bevölkerung Analphabeten. Deshalb haben die Flüchtlinge oft nur geringe Sprachkenntnisse. Die Pflegeeltern müssten sich auch mit Händen und Füßen verständigen können, erklärte Kübler. Bei größeren Schwierigkeiten stelle aber das Sozialamt einen Dolmetscher zur Verfügung. Den Jugendlichen, die oft in einfachen Hütten aufgewachsen sind, fehlen Alltagserfahrungen wie beispielsweise der Umgang mit einer Toilettenspülung. Sie stecken altersgemäß mitten in der Pubertät. Pflegeeltern dürften nicht erwarten, dass eine Eltern-Kind-Beziehung entstehe, betonte Kübler, sondern sollten eher auf eine funktionierende Zweckgemeinschaft setzen.

Das unterstreicht auch Nils Espenhorst vom „Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“. Sie seien auch wegen ihrer Traumatisierung „nur schwer in eine neue Familie zu integrieren“. Viele Jugendliche hofften zudem darauf, dass sie ihre Eltern oder nahen Verwandten wiedersähen: „Es ist nicht leicht für einen jungen Menschen, sich in eine neue Familie einzufügen, wenn er gleichzeitig darauf wartet, dass er endlich wieder mit seiner eigenen Familie zusammenleben kann“, betonte der Experte.

237 Euro Erziehungsgeld

Pflegefamilien seien in Deutschland in der Regel nicht ausreichend auf die alleinreisenden ausländischen Jugendlichen vorbereitet. Umso mehr seien die Menschen schnell überfordert, die sich spontan bereit erklärt hätten zu helfen. Eine gute Unterstützung für alle Familien, die Flüchtlinge aufnehmen, sei deshalb unerlässlich. Deswegen prüft das Frankfurter Jugendamt auch sorgfältig, ob die aufnahmewilligen Pflegeeltern und der Jugendliche zusamenpassen und unterstützt die Pflegefamilien mit Rat und Tat.

Für die Unterbringung eines Jugendlichen, der älter als 12 Jahre ist, erhalten Pflegefamilien den ab 1. Juli gültigen üblichen Pflegesatz von 913 Euro im Monat. Als Leistung für die Eltern sind davon 237 Euro als Erziehungsgeld gedacht. Der große Rest soll für Essen, Unterkunft und Kleidung der Jugendlichen verwendet werden.

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Kommentar: Eine schwere Aufgabe und ein emotionaler Spagat

Als das Frankfurter Jugend- und Sozialamt Anfang September zum ersten Info-Abend für potenzielle Pflegeeltern einlud, die einen unbegleiteten, minderjährige Jugendlichen bei sich aufnehmen wollten, war der Andrang groß.

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