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Kritik am Arbeitgeber: Flughafen-Reinigungskräfte hauen auf den Putz

Von Eimer statt Toiletten, Krankenbesuche vom Personalchef und viel Druck von oben: Unter diesen Umständen sollen die Reinigungskräfte der Fraport-Tochter „Gesellschaft für Cleaning Service“ am Flughafen für Ordnung sorgen. Jetzt setzen sie sich zur Wehr.
Sie wollen nicht länger schweigen: Zeynep Irendeli (43), Süreyya Urs (56), Nevin Yalcingediz (46) und Memet Ekizler (43) bringen viel Mut auf und erheben die Stimme gegen ihren Arbeitgeber - die 100-prozentige Fraport-Tochter »Gesellschaft für Cleaning Service«. Foto: Holger Menzel Sie wollen nicht länger schweigen: Zeynep Irendeli (43), Süreyya Urs (56), Nevin Yalcingediz (46) und Memet Ekizler (43) bringen viel Mut auf und erheben die Stimme gegen ihren Arbeitgeber - die 100-prozentige Fraport-Tochter »Gesellschaft für Cleaning Service«.
Frankfurt. 

„Sie werden behandelt, wie der Dreck, den sie wegmachen.“ So drastisch drückt Hans-Joachim Rosenbaum, Regionalleiter der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) die Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte der 100-prozentigen Fraport-Tochter „Gesellschaft für Cleaning Service“ (GCS) am Frankfurter Flughafen aus. Rund 650 Menschen arbeiten dort.

Kontrollen und Bedrohungen

In den Aufenthaltsräumen fehlen seinen Angaben zufolge Toiletten für die Männer, stattdessen stehe für sie ein Eimer in der Ecke, in den sie ihre Notdurft verrichten dürfen. Es rieche überall nach Urin. Die Waschräume seien baufällig und dreckig. Gehe die Tür der Umkleideräume für die Frauen auf, könne jeder, der gerade vorbeilaufe, dort hineinschauen und die spärlich bekleideten Frauen sehen. Taschen würden nach Feierabend kontrolliert. Und dann sei da noch der psychische Druck, der den Mitarbeitern von der Geschäftsleitung, den Schichtleitern und den Vorarbeitern gemacht werde. Viele Mitarbeiter erzählen von Beschimpfungen und Bedrohungen. „Das macht die Mitarbeiter krank“, sagt Rosenbaum. Allein im vergangenen Monat hätte es einen Krankenstand von 16 Prozent gegeben. Normal seien sechs Prozent. Viele Mitarbeiter haben Depressionen, Hautkrankheiten und Schlafstörungen, erzählen sie. „Ich hatte vor sieben Jahren einen Herzinfarkt durch den Stress auf der Arbeit“, erzählt die Reinigungskraft Nevin Yalcingediz (46), die seit 17 Jahren bei der GCS arbeitet. „Wir haben Angst, stehen unter ständiger Beobachtung.“ Selbst zu Hause hätten die Mitarbeiter keine Ruhe. „Wenn wir länger krank sind, steht der Personalchef für einen ,Gute-Besserungsbesuch’ vor der Haustür. Doch das ist reine Kontrolle. Eine Krankmeldung reicht ihnen nicht.“

<span></span> Bild-Zoom Foto: Holger Menzel

Im Frühjahr sollten 80 GCS-Mitarbeiter, die das Terminal 2 reinigen, von der Sasse Aviation Service GmbH übernommen werden, weil die Fraport-Tochter dort nicht mehr zuständig ist. „Wirtschaftlich gleichwertige Konditionen“ sollten die Betroffenen bei Sasse vorfinden. Doch für sie war das Angebot nicht attraktiv. Lieber wollten sie bei der GCS weiterbeschäftigt werden. Nach langen Verhandlungen mit der Gewerkschaft und dem Betriebsrat durften sie auch bleiben – unter schlechteren Bedingungen, wie sich herausstellen sollte. In der Nachtschicht dürfen sie nicht mehr arbeiten. 25 Prozent oder mehr verdienen sie dadurch monatlich weniger. „Ich verdiene jetzt 400 Euro weniger. Das ist viel Geld“, sagt Süreyya Urs (56). Sie muss jetzt in der Frühschicht arbeiten. Genauso wie Nevin Yalcingediz, die dadurch ein Problem mit der Betreuung ihrer Kinder hat. „Ich muss jetzt um vier Uhr morgens das Haus verlassen. Wer bringt dann meine Kinder in die Schule? Ich bin alleinstehend, habe niemanden, der mir hilft.“

Fraport dreht Spieß um

Für Hans-Joachim Rosenbaum von der Gewerkschaft ist die Situation der GCS-Mitarbeiter „menschenunwürdig“. „Fraport weiß von der Situation, verschließt aber die Augen“, so der Gewerkschafter. Gespräche mit GCS-Geschäftsführerin Petra Rossbrey hätten nichts gebracht. Fraport-Arbeitsdirektor Michael Müller hätte kein Interesse mehr an Gesprächen. Der Eimer für die Notdurft wurde immerhin unlängst, nach einer Begehung des Regierungspräsidiums Darmstadt – organisiert von der Gewerkschaft –, beseitigt.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Holger Menzel

Fraport weist alle Vorwürfe zurück. Die hygienischen Zustände in den Aufenthaltsräumen der Mitarbeiter seien einwandfrei. „Das einzige hygienische Problem ergab sich durch das Fehlverhalten von Beschäftigten in einem Aufenthaltsraum, die ihre Notdurft in einen Eimer verrichtet haben“, so ein Fraport-Sprecher. Das sei nach Bekanntwerden sofort untersagt worden. „Allerdings stimmt es, dass es derzeit aufgrund von Sanierungsarbeiten, um die Aufenthaltsräumer schöner zu machen, keine Toiletten gibt. Es gibt aber welche in zumutbarer Entfernung.“ Ferner würde es nicht stimmen, dass Mitarbeiter zu Hause aufgesucht werden. „Das Wohl unserer Mitarbeiter ist uns ein Anliegen. Es wird kein Druck ausgeübt. Fraport wird als respektvoller Arbeitgeber geschätzt. Das gilt auch für die GCS.“ Allerdings sei es in der Vergangenheit zu Krankenbesuchen gekommen. „Rein aus Fürsorge. Das unterlässt man aber seit vielen Jahren, weil es bei den Arbeitnehmern nicht gut ankam.“

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