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Gesundheit: Fluglärm: Messstation soll Klarheit über tatsächliche Belastung bringen

In Sachsenhausen gibt es eine neue Lärmmessstation. Ihre Werte sollen dazu dienen, ein Lärmkonzept zu entwickeln, damit es in Frankfurt in Zukunft leiser wird. Die Bürgerinitiativen gegen Fluglärm bemängeln indes, dass es immer noch keine Messstation für den Feinstaub in der Luft gibt. Bis es diese gibt, kann es auch noch dauern.
Auf dem Dach der Martin-Buber-Schule gibt es seit zwei Monaten eine Lärmmessstation, die die Stabsstelle Fluglärmschutz dort installiert hat. Sarah Schuhmacher (Amtsleiterin Stabstelle für Fluglärmschutz) und Ursula Fechter begutachten die Messstation. Foto: Michael Faust Auf dem Dach der Martin-Buber-Schule gibt es seit zwei Monaten eine Lärmmessstation, die die Stabsstelle Fluglärmschutz dort installiert hat. Sarah Schuhmacher (Amtsleiterin Stabstelle für Fluglärmschutz) und Ursula Fechter begutachten die Messstation.
Frankfurt. 

„So leise ist es hier normalerweise nicht“, sagt Ursula Fechter und blickt auf die neue Lärmmessstation auf dem Gelände der Martin-Buber-Schule in Sachsenhausen, die sie gestern gemeinsam mit der Leiterin der Stabsstelle Fluglärmschutz Sarah Schuhmacher und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) vorstellte. In der Ferne ist ein startendes Flugzeug zu sehen und hören. Das 10 000 Euro teure Gerät zeigt eine Lautstärke von 71,2 Dezibel an – so laut wie ein Rasenmäher in Nachbars Garten.

Bis zu 80 Dezibel

„Fliegt hier eine Maschine im Landeanflug direkt drüber, dann sind das aber auch mal 80 Dezibel“, sagt Frankfurts Fluglärmschutzbeauftragte Fechter. Das ist in etwa so laut wie ein Presslufthammer. „Bei diesem Krach kann sich bei geöffnetem Fenster natürlich kein Kind auf den Unterricht konzentrieren.“ Da die Norah-Studie aus dem Jahr 2014 gezeigt habe, dass Fluglärm das Lernverhalten der Kinder beeinträchtige, habe man sich bewusst für die Aufstellung einer Messstation an diesem Ort entschieden.

Aus der Norah-Studie geht hervor, dass Grundschulkinder in stark von Fluglärm belasteten Regionen langsamer Lesen lernen als Gleichaltrige in ruhigen Gegenden. Zudem fühlten sich die Zweitklässler rund um den Flughafen in der Schule weniger wohl, und es wurden mehr Sprech- oder Sprachstörungen bei ihnen festgestellt.

Ein Airbus ist vor der Skyline im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen. Foto: Arne Dedert/dpa
Flughafen Fluglärm in Frankfurt: Wann es wo wie laut ist

Kaum ist der Frühling da und wir sitzen in der Mittagspause draußen, ist es nicht mehr zu überhören: Am Frankfurter Himmel tummeln sich ganz schön viele Flugzeuge. Aber weshalb sind sie an manchen Tagen lauter als an anderen? Und in welchem Stadtteil leiden die Frankfurter besonders unter dem Fluglärm? Ein kleines Erklärstück.

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Die neue Lärmmessstation – die mittlerweile siebte in der Stadt – ragt 6,5 Meter in den Himmel. Sie besitzt ein wetterfestes Mikrofon oben auf dem Mast, das die gemessene Lautstärke an einen kleinen Bildschirm in einem ebenso wetterfesten Gehäuse übermittelt. Von dort werden die Daten dann per Mobilfunknetz direkt an den Deutschen Fluglärmdienst (DFLD) weitergeleitet, der die Aufzeichnungen auswertet und auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Mit den Daten möchte die Stabstelle für Fluglärmschutz Kriterien für eine lokale Lärmobergrenze erarbeiten und ein kommunales Monitoring aufbauen. Sprich: Man möchte ein Konzept erarbeiten, wie es in der Stadt leiser werden kann, und gleichzeitig überprüfen, ob die schon bestehenden Maßnahmen zur Lärmreduzierung auch Wirkung haben.

Jetzt noch Feinstaub

„Dass es in Sachsenhausen laut ist, das wissen die Anwohner“, moniert Knut Dörfel (Linke) vom Ortsbeirat 5. Viel dringender sei die Anschaffung einer Messstation für den Feinstaub in der Luft. Das sieht Klaus Rehnig von der Bürgerinitiative Stop Fluglärm ebenso. „Es wurde uns versprochen, dass hier an der Martin-Buber-Schule parallel die Feinstaubkonzentration gemessen wird“, so Rehnig.

Man möchte herausfinden, ob der Feinstaub in der Luft ansteigt, wenn ein Flugzeug vorbeigeflogen ist. Darüber streiten sich noch die Gemüter. Wobei das Umweltbundesamt bereits eine erhöhte Konzentration der Partikel rund um den Flughafen festgestellt hat. Ein Zusammenhang muss aber noch bewiesen werden. Seit Jahren gibt es Vermutungen, dass die klitzekleinen Körnchen gefährlich sind und Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Demenz auslösen können.

Die Messstation für den Feinstaub fehlt jedoch noch. Und ob diese dann auch tatsächlich auf dem Gelände der Martin-Buber-Schule aufgestellt wird, ist noch fraglich. Derzeit befindet sich Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) noch in einer Abstimmung mit Wissenschaftlern des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), die ihr sagen sollen, wo solch ein Messgerät in Frankfurt am besten installiert wird. „Die Bürgerinitiativen wollen die Messstation natürlich dort hinstellen wo es laut ist“, sagt Heilig. Einen geeignet Ort zu finden, sei aber nicht trivial. „Die Hintergrundbelastung durch die Abgase und Feinstäube der Autos darf nicht zu hoch sein, ansonsten bekommt man keine gescheiten Ergebnisse“, so Heilig. „Die Ergebnisse müssen aber verwertbar sein, ansonsten bringen die Messungen nichts.“

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