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Fluglärm: Petra Roth wird scharf kritisiert

Seit die neue Landebahn im Oktober den Betrieb aufnahm, ist der Dialog zwischen Betroffenen und Politikern von Misstrauen geprägt.
Eberhard Bacher Eberhard Bacher
Niederrad. 

Eberhard Bacher (75) wohnt seit über 50 Jahren in Niederrad und ist eigentlich ein friedliebender und wenig impulsiver Mensch. Doch als er dem Büro von Oberbürgermeisterin Petra Roth schriftlich schilderte, welch verheerenden Auswirkungen die neuen Flugrouten auf das Leben in den südlichen Stadtteilen haben, erhielt er eine für ihn überaus unbefriedigende Antwort.

"Ich schätze OB Petra Roth sehr. Aber diese formblattmäßige Antwort war eine riesige Enttäuschung", sagt Bacher, der findet, dass Roth sich mit solch unpersönlichen Einlassungen um ihren verdienten Abschied bringt: "Politiker, die Fehler machen, müssen das auch zugeben können", fordert der verärgerte Niederräder.

Politische Mehrheit

In dem von Petra Roth unterzeichneten Schreiben vom 22. November heißt es unter anderem, der Frankfurter Flughafen spiele wirtschaftlich und strukturell "eine so wesentliche Rolle, dass die Erweiterung trotz aller Belastungen der Bevölkerung von einer sehr breiten politischen Mehrheit" beschlossen worden sei. Um dem inzwischen aufgekommenen Unmut der lärmgeplagten Bürger Rechnung zu tragen, unterstütze der Magistrat die Aktivitäten des "Forums Flughafen und Region". Dessen Lärmschutzkonzepte würden wiederum an die "jeweils Zuständigen und Verantwortlichen weitergeleitet und mit Engagement bis zur Umsetzung begleitet".

Die Argumentationsstruktur des zwei Absätze umfassenden Antwortschreibens ist für Eberhard Bacher "eine gefühlskalte, zynische und provokante Antwort auf die aktuelle Situation der Menschen in Not". Bacher verweist auf den politischen Einfluss einer offenbar "übermächtigen Wirtschaftslobby". Doch die Zeit für "Scheinargumente" und systematische Irreführung sei nun vorbei. Was jetzt zähle, seien unwiderlegbare Fakten und der Widerstand auf der Straße.

Wahnsinn beenden

Diese bemerkenswert unversöhnlich klingenden Worte des 75-Jährigen gipfeln in dem Appell an die "verantwortlichen Politiker", die Situation mit den betroffenen Menschen vor Ort zu diskutieren, ihre Position und ihr persönliches Verhalten zu überprüfen und sich "für eine endgültige Schließung der verhängnisvollen Landebahn" einzusetzen. Diese "wahnsinnige Lärmfolter" müsse schnellstens beendet werden. Darüber hinaus habe Petra Roth die politische Verantwortung, einzugestehen, dass sie sich über zehn Jahre persönlich und mit großem Nachdruck für den Bau der neuen Landebahn eingesetzt habe.

Angesichts dieser Fundamentalkritik Bachers hilft es auch nichts, dass die Oberbürgermeisterin zugesteht, sie sei sich bewusst, dass "viele Bürger durch die zunehmenden Flugbewegungen belastet werden".

Neben den 24 000 lärmgeplagten Menschen dürfen Bacher zufolge auch die erhöhte Absturzbedrohung, der nicht absehbaren Gesundheits- und Umweltschäden, die 240 Hektar zerstörten Waldes sowie die totale Verlärmung der Naherholungsgebiete nicht vergessen werden. Zudem seien die während des Mediationsverfahrens vorgebrachten Vorschläge zur Lärmreduzierung Blendwerk, das ohne spürbare Wirkung bleiben werde.mov

(Mirco Overländer)
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