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Flughafen Frankfurt: Fluglärm: Von Entlastung keine Spur

Von Seit einer Woche werden am Flughafen die Lärmpausen erprobt. Von der abwechselnden Nutzung der Landebahnen in den Morgen- und Abendstunden sollen die Bewohner im Süden der Stadt am stärksten profitieren. Doch die Realität sieht anders aus.
Die Flughafen-Gegner organisierten gestern eine Lärm-Demo auf dem Römerberg. Bilder > Foto: Holger Menzel Die Flughafen-Gegner organisierten gestern eine Lärm-Demo auf dem Römerberg.
Frankfurt. 

„Von den Lärmpausen profitieren die Frankfurter.“ Mit diesen Worten warben die Fluglärmkommission sowie Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) Ende Januar für das Modell, das zusätzlich zum sechsstündigen Nachtflugverbot in den Randstunden zwischen 22 und 23 Uhr sowie zwischen 5 und 6 Uhr eine zusätzliche flugfreie Stunde vorsieht, indem jeweils eine Bahn nicht genutzt wird. Seit einer Woche werden nun die Lärmpausen für ein Jahr erprobt, allerdings nur bei Westwind. So gibt es nun abends keine Landungen auf der umstrittenen Nordwest- und Centerbahn. Morgens ist dafür die Südbahn für Landungen geschlossen. Soll heißen: Alle Flugzeuge werden auf die Nordwest- sowie die Centerbahn gelenkt – über die Häuserdächer im Frankfurter Süden hinweg.

„Das ist alles ein Etikettenschwindel“, sagt Ursula Fechter, Sprecherin der Bürgerinitiative Sachsenhausen (BIS). Von einer Lärmpause könne gar nicht die Rede sein. Denn zwischen 22 und 23 Uhr, wo es in Sachsenhausen, Oberrad und Niederrad eigentlich ruhig sein sollte, sind in den ersten Tagen der Erprobung an der Lärm-Messstation am Sachsenhäuser Berg vier bis sieben Überflüge registriert worden – mit einem Lärmpegel von bis zu 63 Dezibel. Das zeigen die Daten des Deutschen Fluglärmdienstes.

 

„Ein Etikettenschwindel“

 

„Wir sind nicht die Gewinner, sondern die Verlierer“, so Fechter. „Wir werden abends nicht entlastet und werden dafür auch noch morgens mehrfach belastet.“ Und dass, obwohl vor allem die Stunde nach dem Nachtflugverbot besonders wichtig sei, um länger schlafen zu können. Während vor Einführung der Lärmpausen zwischen 5 und 6 Uhr gerade einmal fünf Flugzeuge über dem Frankfurter Süden gelandet sind, wurden am ersten Tag des Tests 16 Überflüge, in den Folgetagen 13, 16 und 18 Überflüge registriert – mit einem Lärmpegel von bis zu 78 Dezibel. „Von einer Lärmpause zu sprechen, ist eine Unverschämtheit“, sagt Ursula Fechter.

FNP Redakteurin Julia Lorenz, aufgenommen am 10.04.2014 in den RedaktionsrSumen der FNP in Frankfurt am Main. Foto: Salome Roessler
Kommentar Lärmpausen – keine Entlastung für Frankfurt

Es ist kein leichter Job, den Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir zu meistern hat – mit seinen grünen Parteifreunden im Nacken.

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Ebenfalls kritisch betrachtet der Oberräder Volker Hartmann von der Interessengemeinschaft Bürger für Wohnen ohne Fluglärm und Absturzbedrohung (Wofa) die Lärmpausen. „Die ersten Tage haben nur das bestätigt, was wir die ganze Zeit prophezeiht haben: Der Lärm wird nur verschoben.“ Deshalb lautet sein Fazit: „Die Lärmpause hat keine Wirkung für uns. Die einzige Lösung ist die Schließung der Nordwest-Landebahn.“

Soweit würde Umweltdezernentin Rosemarie Heilig nicht gehen. Sie sagt lieber: „Die Nordwest-Landebahn hätte erst gar nicht gebaut werden dürfen. Aber jetzt ist sie da und wir müssen versuchen, mit der Situation umzugehen und sie so erträglich wie möglich zu machen.“ Deshalb halte sie die Lärmpausen immer noch für einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Und so bleibt sie bei ihrer Aussage von vor zwei Monaten: „Die einzigen, die von dem Modell profitieren, sind die Frankfurter“, sagt sie. Deshalb heiße sie es auch nicht für gut, dass die Bürgerinitiativen „jetzt wieder alles schlechtreden anstatt zu honorieren, dass es mit Tarek Al-Wazir endlich einen grünen Minister gibt, der sich dafür einsetzt, dass es wieder leiser wird“.

 

Der Linie treu geblieben

 

Für eine genauere Analyse der Lärmpausen will Heilig allerdings auf die Auswertung der Daten vom Umwelthaus in Kelsterbach warten. Das kann aber noch einige Wochen dauern. „Wir brauchen vier Wochen am Stück Westwind, um die Messwerte analysieren zu können“, sagt Geschäftsführer Günter Lanz. Auch das Hessische Wirtschaftsministerium will noch keine Stellung beziehen. „Es ist noch zu früh“, sagt Sprecher Wolfgang Harms. Nicht ohne Grund habe man sich für einen einjährigen Probebetrieb entschieden.

Die Lärmpausen waren einer der Punkte, auf die sich CDU und Grünen in ihrem Koalitionsvertrag geeinigt hatten. Als nächstes steht noch die Umsetzung der Lärmobergrenzen an. Damit soll die Zahl der jährlichen Flugbewegungen gedeckelt werden.

Diese Zahl soll unterhalb der im Planfeststellungsbeschluss für 2020 prognostizierten 701 000 Starts und Landungen liegen. Mehr steht noch nicht fest. „Wir stehen noch ganz am Anfang eines Prozesses“, sagt Harms. Erste Ergebnisse soll es dann im Sommer kommenden Jahres geben.

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