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Die Woche im Römer: Frankfurt: Berufsschulen haben Aufmerksamkeit verdient

Von Sie wollen wissen, was politisch wichtig ist in Frankfurt? Dann lesen Sie doch hier nach, was das große Thema war diese Woche im Römer.
Das historische Rathaus, der Römer, spiegelt sich in einer Pfütze. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv Bilder > Das historische Rathaus, der Römer, spiegelt sich in einer Pfütze. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv
Frankfurt. 

Hoffnung ist die Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“ Mit diesem Zitat des tschechischen Politikers Vaclav Havel hat die SPD-Politikerin Sylvia Weber vor gut elf Jahren ihre Rede zum damaligen Entwicklungsplan für die Berufsschulen enden lassen. Denn die Opposition im Römer, der die Stadtverordnete Weber damals angehörte, war unzufrieden mit dem, was die damalige grüne Bildungsdezernentin Jutta Ebeling ihr vorgelegt hatte. Das Werk lasse Engagement und Herzblut für die beruflichen Schulen vermissen, lautete Webers Kritik. Ebelings Nachfolgerin Sarah Sorge, ebenfalls eine Grüne, warf sie dann vor, dass ihr die Berufsschulen schlicht egal seien.

Nun kann es die Politikerin besser machen, schließlich ist sie inzwischen die zuständige Bildungsdezernentin dieser Stadt. Und tatsächlich bräuchte es eine Politik, die versteht und widerspiegelt, was gerade diese Schulen in Frankfurt leisten. 27 000 junge Erwachsene werden dort für den längsten Teil Lebens, ihre Erwerbstätigkeit, fit gemacht. Auf Frankfurts allgemeinbildende Schulen gehen aktuell 63 200 Kinder.

(Symbolbild)
Stadt wächst - Immer mehr Schüler Frankfurt braucht mehr Schulen

In Frankfurt wird bis 2022 mit etwa 73 000 Schülern gerechnet. Dies ist die aktuelle Prognose des Stadtschulamtes. Um die Vielzahl an Kindern unterzubringen, werden zwei weitere Gymnasien und eine Gesamtschule benötigt.

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Immerhin: Der Beteiligungsprozess für einen neuen Schulentwicklungsplan für die Berufsschulen hat jetzt begonnen (wir berichteten). In eineinhalb Jahren könnte erkennbar sein, wie das ausgeht: Ende 2017 soll ein Entwurf für die Schulplanung vorliegen, über den noch das Stadtparlament und das Kultusministerium entscheiden müssen.
Im nächsten Jahr werden erstmal die Statistiken über die Ausbildungszahlen an den einzelnen Schulen ausgewertet, ihr Nachholbedarf an pädagogischen und technischen Angeboten ermittelt, ihre fachliche Nähe zueinander und auch ihre räumliche Situation bewertet – und alles diskutiert.

Ganz einfach werden diese Gespräche nicht. Schüler, Lehrer, Handwerksmeister, Kammervertreter, Gewerkschafter, um nur einige zu nennen, bringen ihre Perspektiven ein. Und es gibt Punkte, die alle ungern anfassen. Berufsschulen sind im Betrieb verhältnismäßig teuer, Doppelstrukturen müssen aufgegeben werden. Es könnten also weniger Schulen werden. Und die Frage, wer künftig in den Gebäuden in der Innenstadt logieren soll, ist – trotz Webers Beteuerungen, keine Konkurrenz zwischen den Schulformen zu dulden – nicht vom Tisch.

Egal, wie das ausgeht, die Entscheidungen sind überfällig. 2007 tagte der Arbeitskreis für den Schulentwicklungsplan erstmals, 2015 leitete das Sorge-Dezernat den Prozess dann bereits mit einer „Dialogkonferenz“ ein, sogar ein Eckpunktepapier wurde erarbeitet. Den Leitern der 16 beruflichen Schulen sei gewünscht, dass sie die Hoffnung nicht verlieren. Dieses ewige Aufschieben und auch das Auftakt-Treffen belegen, dass die Berufsschulen nicht überempfindlich sind, wenn sie einen Mangel an Aufmerksamkeit für ihre Arbeit beklagen. Rund 130 Interessierte hatten sich zur Auftaktveranstaltung eingefunden. Das steht noch in gutem Verhältnis zu 2014, als gut 400 Frankfurter kamen, um sich in die Diskussion zur Zukunft von Grund-, Real- und Hauptschulen sowie Gymnasien und Förderschulen einzubringen. Aber damals kamen auch reichlich Politiker; selbst wer nichts vom großen Debattierklub hielt, musste dort gesehen werden, weil es doch um das Wohl unserer Kinder geht. Diesmal war einzig die SPD mit ein paar Genossen vertreten. Das mag damit zusammenhängen, dass Politiker heutzutage meist eine akademische Laufbahn absolviert haben und Berufsschulen nur vom Hörensagen kennen.

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