Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 5°C

Neue Möglichkeit des Abschiednehmens: Frankfurt: Bestattung in Frauenhand

Sabine Kistner (57) und Nikolette Scheidler (59) sind Bestatterinnen – und bieten Trauernden besondere Möglichkeiten des Abschiednehmens.
Sabine Kistner (57) und Nikolette Scheidler (59) sind Bestatterinnen und bieten     einen besonderen Raum für das Abschiednehmen. Foto: Leonhard Hamerski Sabine Kistner (57) und Nikolette Scheidler (59) sind Bestatterinnen und bieten einen besonderen Raum für das Abschiednehmen.
Frankfurt. 

Wir bemerken derzeit eine Zunahme von Erdbestattungen, der Wunsch danach ist oft bei älteren Menschen wieder größer“, sagen Sabine Kistner (57) und Nikolette Scheidler (59). Im Gutleutviertel bieten die beiden Bestatterinnen einen besonderen Raum für das Abschiednehmen. Als sie vor fast zehn Jahren anfingen, waren individuelle Trauerrituale noch ungewöhnlich, mitunter wurden diese als befremdlich wahrgenommen, bemalte Särge beispielsweise. Angehörige dürfen hier helfen, den Toten zu waschen und einzukleiden. Auch unterschied sich seinerzeit das wohnlich eingerichtete Haus mit seinem idyllischen Gärtchen stark von konventionellen Instituten. „Im Grunde bieten wir nichts Neues, denn noch vor einigen Jahrzehnten war eine Aufbahrung zu Hause im Wohnzimmer üblich“, betont Nikolette Scheidler.

Totenwache

Im Abschiedsraum wird Trauernden ermöglicht, am offenen Sarg oder an der Urne über Nacht zu verweilen oder tagsüber mit dem Verstorbenen Zeit verbringen. Diese Nähe werde von Angehörigen und Freunden als wichtiger Teil der Trauerarbeit empfunden, so die Bestatterinnen. Bis zu zehn Tage können Verstorbene besucht werden, mehr Zeit darf in Frankfurt zwischen Tod und Bestattung oder Verbrennung nicht vergehen. „Die Urne innig in den Arm nehmen, das blieb mir bei einer Mutter, die von ihrem Sohn Abschied nahm, als sehr eindrückliches Bild. Wie eine Pietà unserer Zeit“, erinnert sich Sabine Kistner und ergänzt, „es war unsere Hoffnung, dass wir mit unserem Konzept in Frankfurt etwas anstoßen, und tatsächlich bieten inzwischen auch Kollegen Abschiedsräume und eigene Kühlung an.“

Die Bestatterinnen wissen noch, wie sie anfangs belächelt wurden, wenn sie in die Trauerhalle kamen, „beladen mit farbigen Tüchern und Deko-Herzen“. Üblich sei das bis dahin nicht gewesen. Und noch etwas Entscheidendes habe sich verändert: „Mussten wir in Altenheimen wie jeder Bestatter den Sarg durch die Hintertür raustragen, oft auch spät abends, damit die anderen Bewohner oder Nachbarn nichts bemerkten, ist der Umgang damit viel offener geworden. Wir selbst kommunizieren mit den Bewohnern, die uns begegnen. Und heute wartet vor dem Haupteingang unser freundlich weißes Fahrzeug.“

Die Expertinnen erzählen von beliebten Sargbeigaben, die den Abschied leichter machen: Briefe, Fotos und auch mal Zigaretten, wenn der Tote ein leidenschaftlicher Raucher war. Einer Dame legten die Angehörigen einen Plüschhasen in den Arm: „Dieser hatte in der Pfote einen Mechanismus, auf Knopfdruck fing das Tierchen zu schnarchen an. Wie auch immer, aus dem Sarg drangen plötzlich Schnarchgeräusche. Nach dem ersten Schreck, mussten wir über uns selbst lachen.“

„Privilegierter Beruf“

Eröffnen neue Bestattungsinstitute sind diese meist in Frauenhand, ein Trend, der sich deutschlandweit feststellen lässt. Traditionsbetriebe stellen mehr Frauen ein. Auch die Frankfurter Bestatterinnen haben sich für eine Auszubildende entschieden, „sie wusste schon mit 13 Jahren, dass sie diesen Beruf erlernen möchte“, weiß Sabine Kister. Wie denken die Bestatterinnen an das eigene Sterben? „Das Leben ist reich gewesen, mit diesem Gefühl wollen wir gehen“, sagen sie. Beide schätzen in einem „privilegierten Beruf zu arbeiten, der extrem abwechslungsreich ist.“

Für die Zukunft hoffen sie, dass man nicht um eine Erdbestattung kämpfen müsse und dafür genügend Platz auf den Friedhöfen vorgehalten werde. Auch erwarten sie noch mehr kulturelle Vielfalt in der Bestattungskultur. „Auf vieles gehen wir bereits ein, wie einen Sari zu wickeln oder landestypische Totenbräuche. Wir sehen dieser absehbaren Entwicklung positiv gespannt entgegen.“

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse