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Stadtviertel: Frankfurt: Das Europaviertel macht sich

Von Immer mehr Gewerbeflächen im Europaviertel sind belegt. Jetzt muss es darum gehen, das alte und das neue Gallus zusammenzubringen, finden einige.
Natalija Müller und Valentina Lorente präsentieren im „Café Croquant“, das am Samstag im Eurpoaviertel eröffnete, Spezialitäten aus Frankreich. Mittlerweile sind die meisten Geschäftsflächen bezogen, allerdings nur im östlichen Teil. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Natalija Müller und Valentina Lorente präsentieren im „Café Croquant“, das am Samstag im Eurpoaviertel eröffnete, Spezialitäten aus Frankreich. Mittlerweile sind die meisten Geschäftsflächen bezogen, allerdings nur im östlichen Teil.
Frankfurt. 

Süße Eclairs, kleine Quiches und mit dem eigenem Marken-Namen verzierte Brote – Valentina Lorente möchte die Bewohner des Europaviertels mit französischen Spezialitäten verführen. Am vergangenen Samstag eröffnete sie das „Café Croquant“, das ein bisschen mehr Leben in den „Boulevard Mitte“ bringen soll.

„Die Leute haben schon gemeckert, dass hier nichts ist“, erzählt Valentina Lorente. Da sie ebenfalls hier wohne, habe auch sie zu den Unzufriedenen gehört. Nach zwei Jahren Planung, ist sie glücklich, endlich ersten Kunden begrüßen zu können. Neben den Backwaren wird Lorente auch einen Mittagstisch anbieten.

Zufriedene Gesichter

Nach und nach füllen sich also die leerstehenden Geschäftsräume in der Europaallee. Die Bewohner im Westteil des Europaviertels jedenfalls sind zufrieden: Zwei Supermärkte, eine Apotheke, eine Drogerie, Pizzeria, Friseur, Reisebüro, zwei Cafés und einen Kiosk gibt es hier. Und so sind samstags viele Passanten zum Einkaufen unterwegs. Als Hindernis erweist sich allerdings die U-Bahn-Baustelle und der künftige Europagarten, weshalb manch einer noch einen Umweg in Kauf nehmen muss.

Die Stimmung unter den Gewerbetreiben ist aber ganz gut: „Ich habe viel zu tun“, sagt etwa Ludmilla Lessing. Sie ist Friseurmeisterin und hat hier ihren Laden vor zwei Jahren eröffnet. Aufwind verspürt auch Sim-Mi Kim, die einen kleinen Teeladen führt. „Die Nachbarschaft ist nett“, sagt sie. Die Geschäfte ergänzten sich gut.

In der Mitte der Allee sieht es aber anders aus: Ein Physiotherapeut, ein Zahnarzt und eine Fahrschule sind hier, westlich der Emser Brücke, angesiedelt. Nur östlich gibt es schon mehrere Restaurants, Cafés, Agenturen, eine Bäckerei und eben das Skyline-Plaza, das hier eine große Anziehungskraft hat.

Vom Europaviertel versprachen sich die Geschäftsleute im alten Teil des Gallus eine Aufwertung des gesamten Viertels. Dieser Wunsch ist allerdings nur zum Teil in Erfüllung gegangen. „Wenn man ein gesundes Gewerbe haben will, müssen die Rahmenbedingungen stimmen“, sagt Elias Jreisat. Stattdessen sei die Lage gerade für die kleinen Geschäfte immer schwerer geworden.

Jreisat ist Vorsitzender des Gewerbevereins Gallus und enttäuscht, dass das alte Gallus und das neue Europaviertel bislang nicht mehr zusammengewachsen sind. Aus seiner Sicht funktioniert die einst anvisierte Durchmischung nicht. Jeder bleibe weiter in seinem Ortsteil, sagt er. Er ist überzeugt, dass sich die Lage für die Gewerbetreibenden im alten Teil verschlechtert.

Die Kaufkraft sei aus dem Stadtteil abgeflossen. Riesige Supermärkte, große Hotels, das Einkaufzentrum und die steigenden Mieten gingen letztlich auf Kosten der kleinen Unternehmen. „Die kleinen Geschäftsleute müssen kämpfen“, sagt er. Die Hoffnung, dass sich die beiden Niveaus der Stadtteile angleichen hat Jreisat nicht mehr: Die Entwicklung der Immobilienpreise habe dazu geführt, dass im neuen Gallus – dem Europaviertel – kaum noch Bürger mit mittlerem Einkommen wohnten.

Das Europaviertel sei zwar für die Main-Metropole wichtig, für das alte Gallus sei sie eine Belastung. Trotzdem hat er Vorschläge, um die Lage zu verbessern. So müsse für das Parkproblem im Europaviertel eine Lösung her. Zudem glaubt er, dass durch mehr Engagement Einzelner, die Stadtteile mehr zusammenwachsen könnten. Letztlich sieht er aber auch die Politik in der Pflicht. Sie müsse mehr steuern, um die Stadtteile zu integrieren.

Ähnlich beschreibt es Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD). „Es geht vor allem um, die Frage, wie man das alte und neue Gallus verknüpfen kann“, sagt er. Er plädiert ebenfalls für eine bessere Vernetzung, mehr bürgerschaftliches Engagement durch Vereine und Initiativen sowie neue Orte der Kommunikationen, die geschaffen werden müssten.

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Der Vorteil des alten Gallus sei, dass es hier schon eine starke Identifizierung der Bewohner mit dem Stadtteil gebe. Ziel müsse es sein, diese Identifizierung auch bei den neunen Bewohnern zu erreichen. Wichtig für das Gewerbe findet Strank, dass die Gallus-Bewohner wissen müssen, was es alles bei ihnen gibt. Durch eine bessere Beschilderung und eine Änderung der Verkehrsführung könne seiner Meinung nach, aber die Durchlässigkeit und zugleich das Zusammenwachsen der Stadtteile deutlich gefördert werden.

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