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Hitze, Trockenheit und Bodenversiegelung machen Arten zu schaffen: Frankfurt: Neue Bäume braucht die Stadt

Von Linde, Eiche & Co verschwinden aus unseren Städten – wegen des Klimawandels halten andere Bäume Einzug. Aus dem wärmeren Südeuropa sind Schädlinge wie die Miniermotte oder der Eichenprozessionsspinner in unsere Breiten vorgerückt.
Baumkontrolleur Alexander Henning prüft mit einem Sondierstab, ob in der Höhlung der Kastanie Fruchtkörper von Pilzen zu finden sind. Die Ergebnisse trägt er in seinem Tablet-Computer ein; den Feldstecher hat er zur Begutachtung der Baumkronen dabei. Bilder > Foto: Maik Reuß Baumkontrolleur Alexander Henning prüft mit einem Sondierstab, ob in der Höhlung der Kastanie Fruchtkörper von Pilzen zu finden sind. Die Ergebnisse trägt er in seinem Tablet-Computer ein; den Feldstecher hat er zur Begutachtung der Baumkronen dabei.
Frankfurt. 

Die Pfaffenwiese, mit 2,5 Kilometern Länge und etwa 200 Bäumen Frankfurts längste Kastanienallee, zeigt zwischen der Jahrhunderthalle und ihrem Ende am westlichen Stadtrand bereits die Farben des Herbstes: Das Laub ist rot. „Im vorigen Jahr ist die Allee später braun geworden, manchmal aber auch schon im Juni. Dieses Jahr ist ein durchschnittliches Jahr“, sagt Bernd Roser, Leiter der Grünflächenunterhaltung der Stadt Frankfurt. Die Bäume der um 1920 gepflanzten Allee stehen unter Stress: Straße und Radweg sind im Laufe der Jahrzehnte an sie herangerückt; der Klimawandel hat bewirkt, dass es trockener geworden ist. Mit ihm sind auch Schädlinge nach Deutschland vorgestoßen, die es hier nicht gab, etwa der Eichenprozessionsspinner oder die Miniermotte, die Kastanien befällt.

Der Bösewicht: die Miniermotte Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Der Bösewicht: die Miniermotte

„Sie stammt aus Mazedonien, wurde dort 1984 erstmals entdeckt“, sagt Roser über die Mottenlarve, die im Laub der Kastanien überwintert. „Deshalb muss das Laub thermisch entsorgt werden“, so der Fachmann. Das Straßenbild hat sich verändert: Weil rotblühende Kastanien resistenter gegen die Motte sind als weißblühende, werden die alten Bäume nach und nach ersetzt. Allerdings nur, wenn eine Kastanie gefällt werden muss, weil sie krank ist oder von einem Auto beschädigt wurde. Das wiederum behält Alexander Henning im Auge: Der zertifizierte Baumkontrolleur ist einer von acht in Frankfurt, die zwei Mal im Jahr alle rund 220 000 städtischen Bäume an Straßen und auf Grünflächen, auf Friedhöfen, im Palmengarten und auf Schulgeländen ablaufen und inspizieren. Grund ist die Verkehrssicherungspflicht: Fallen Äste auf Passanten oder Autos, muss die Stadt zahlen.

Anfälliger für Schädlinge

Das städtische Baumkataster wird längst elektronisch geführt. Bis zu 40 Kriterien muss der Kontrolleur pro Baum abhaken, dazu gehören Höhe, Breite, Stammdicke oder Wurzelzustand. Mit einem Sondierungsstab überprüft Alexander Henning Höhlungen, sucht nach den Fruchtkörpern von Pilzen. Das Klima und der Stress durch eingeengte Wurzeln, die Hitze der Stadt oder auch Streusalz macht Bäume anfälliger für Schädlinge. „Es gibt Linden, die haben grüne Blätter, fallen aber um wegen Fäulnis in der Wurzel“, so Roser. Linde, Ahorn oder Eiche haben es mit dem Klimawandel besonders schwer. „Den Bergahorn pflanzt man inzwischen in der Stadt kaum noch, dafür gibt es andere Baumarten aus trockeneren Klimazonen, etwa Amberbaum, Tulpenbaum oder Gingko“, sagt Roser. Auch Kastanien haben es „in der Kernstadt schwerer“. In Zeilsheim, wo zumindest an einen Teil der Allee noch Felder grenzen und frische Winde aus dem Taunus für Kühlung sorgen, ist es leichter für die Bäume. Trotzdem: Die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) hat eine Empfehlungsliste erarbeitet. Demnach gibt es für einige klassische Bäume eher wenig Hoffnung, in Zukunft noch verwendet zu werden; andere empfehlen sich durch Resistenz gegen Trockenheit und starke Bodenversiegelung. Der Bergahorn etwa gehört zu den Verlierern, der Rotahorn ist „bedingt stadtklimafest“. Der Amerikanische Zürgelbaum hingegen verträgt Trockenheit, der Tulpenbaum ist wärmeliebend, aber zugleich frosthart – wie auch die Amerikanische Linde. Der Gingko oder Fächerbaum ist „stadtklimafest, anspruchslos, frei von Schädlingen“, wie es in der GALK-Liste heißt. „Die Bäume werden deutschlandweit auf ihre Resistenz getestet“, sagt Roser, daraus ist eine Empfehlungsliste der „Zukunftsbäume“ hervorgegangen. Roser weiß: „Die klassische Linde stirbt. Wir werden in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren in Frankfurt keine Palmen pflanzen, aber es ist ein Wandel im Baumbestand da.“

Pappeln waren mal Mode

Auch seien Bäume Modeerscheinungen unterworfen. So habe man in Frankfurt nach dem Krieg viele Pappeln gepflanzt, „weil die schnell wachsen und man schnell Grünvolumen in die Städte bringen wollte“, weiß Roser. „Ab einem gewissen Alter sind sie allerdings bruchgefährdet, ähnlich wie die Weide.“ Deswegen würden sie nun aus dem Straßenbild genommen und keine Pappeln nachgepflanzt. „Am Mainufer passt das noch, aber in Grünanlagen nicht“, sagt Roser.

Bernd Roser vom Grünflächenamt zeigt ein Blatt, in dem die Miniermotte sich festgesetzt und ihre Fresstunnel gegraben hat. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Bernd Roser vom Grünflächenamt zeigt ein Blatt, in dem die Miniermotte sich festgesetzt und ihre Fresstunnel gegraben hat.

An der Wörthspitze in Höchst habe man Nussbäume nachgepflanzt, aber: „Bei Obst- oder Nussbäumen gibt es immer wieder Vandalismusschäden, weil die Leute mit Stöcken draufschlagen oder gleich ganze Äste abbrechen.“ Wenn ein Baum gefällt werden müsse, tue sich das Grünflächenamt damit nicht leicht. Oft gibt es Kritik, weil die Fäule für Laien nicht sichtbar sei. Aber: „Unser Ziel ist es, vitale Bäume zu erhalten.“

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Kommentar: Nehmt Abschied von der Dorflinde

Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum – aber nicht mehr lange. Das Romantik-Liedgut der Deutschen muss zwar nicht komplett umgeschrieben werden, aber Bäume wie die Linde, den Ahorn oder

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